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Comic-Review: Sleeper 1 (Cross Cult)

Was wir schon immer über den harten Alltag von Doppelagenten wissen wollten, aber nie zu fragen wagten. Hier erfahren wir es – in einem treffsicheren Genremix aus Crime-, Mystery- und Superhelden-Story.

Sleeper 1 - Das Schaf im Wolfspelz (c) Cross-Cult / Zum Vergrößern auf das Bild klickenDas Motiv des Undercover-Agenten, der von den (mehr oder weniger) Guten in die Reihen der Bösen eingeschleust wird, ist eine beliebte Spielvariante im Krimigenre. Perfektioniert wurde es zuletzt bei Martin Scorseses Thriller „Departed – Unter Feinden“, in dem sich Mafia und Cops gegenseitig einen Undercover-Mann unterschieben. Die Frage ist, wie sich dieses Motiv in eine gute Geschichte packen lässt, ohne bloß Altbekanntes zu reproduzieren.

Der erste Band von „Sleeper“ gibt eine überzeugende Antwort, wie sich das bewerkstelligen lässt. Eines vorweg: Das Kreativgespann Ed Brubaker (Autor) und Sean Philips (Zeichner) ist in Sachen „Crime fiction“ bereits einschlägig vorbelastet: In einer Zeit, als der DC-Imprint „Vertigo“ noch hauptsächlich auf Horrorserien abonniert war, brachten sie die vierteilige Miniserie „Scene of the Crime“ erfolgreich auf den Markt.

Vier Jahre später, 2003, folgte schließlich die Serie „Sleeper“, deren erste sechs Ausgaben im vorliegenden Band gesammelt sind. „Das Schaf im Wolfspelz“, so sein Titel, führt uns in die (Unter-) Welt des Schläfers Holden Carver, der in eine global agierende kriminelle Geheimorganisation eingeschleust wurde und sich in ihr zielstrebig hochdient. Pech für ihn ist allerdings, dass sein Chef und Verbindungsmann seit einem Mordanschlag im Koma liegt und er damit in der Luft hängt. Das moralische Dilemma: Versuchen, mit allen Mitteln und um jeden Preis die Tarnung aufrecht zu erhalten oder auffliegen? Das simpel gestrickte Gerüst der Story wird dadurch um ein psychologisches Kammerspiel bereichert; die Verwirrung des Protagonisten auch ob seiner unheimlichen Kräfte, die er einem außerirdischen Artefakt verdankt, perfekt. Überflüssig zu erwähnen, dass auch die heimliche Affäre mit einer „Arbeitskollegin“ für Nervenkitzel sorgt…

Handwerklich ist „Sleeper“ gehobene Klasse. Brubaker entwirft ein glaubwürdiges Szenario, das wohltuend unnötige Längen vermeidet. Der Leser wird mitten in die Stories geworfen, eingestreute Rückblenden liefern Hintergrundinfos. Zur Schilderung der Halbwelt von Gangstern, Treffen in Hinterhöfen, Auftragsmorden, Intrigen und Clanfehden wird durchaus mit drastischen Mitteln gearbeitet, sowohl was Gewaltdarstellung als auch Gebrauch von Schimpfwörtern betrifft. Aufgelockert wird das Ganze durch einen Schuss Zynismus und Ironie, wenn etwa von den harten Jungs über die ach so strahlenden Superhelden gelästert wird. Besonders die Verunglimpfung der verlagseigenen Heldentruppe „The Authority“ sorgt für Schmunzeln, wenn man weiß dass Brubaker selbst für deren Serie geschrieben hat.

Es bleibt zu hoffen, dass die Fahrt, die „Sleeper“ vor allem im letzten Drittel des Bandes aufnimmt, bei den Nachfolgern beibehalten wird. Sean Philips Zeichnungen fangen die Atmosphäre toll ein, nicht zuletzt durch das exzellente Schattenspiel; die Farbgebung setzt stets Akzente im richtigen Moment. Abgerundet wird der gelungen aufgemachte Band von einem lesenswerten Vierseiter über Ed Brubakers Arbeiten. Nicht nur Crime-Fans können getrost zugreifen.


###Andreas Grabenschweiger###
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