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Das Imperium der Ameisen

Sämtlicher Kontakt zu einer Forschungsstation im südamerikanischen Dschungel ist verlorengegangen. Lukas Holroyd wird mit der Aufklärung der Geschehnisse beauftragt.

(C) Folgenreich/Universal Music / Das Imperium der Ameisen / Zum Vergrößern auf das Bild klickenLukas Holroyd kann sein Glück kaum fassen, nach nur wenigen Monaten im Unternehmen wird er bereits mit einem Sonderprojekt betraut. Doch die Ernüchterung folgt auf dem Fuße. Er soll sich nach Peru begeben und klären, warum der Kontakt zu einer Forschungseinrichtung im Dschungel abgebrochen ist. Seit Tagen gibt es keinerlei Lebenszeichen mehr. Bevor jedoch die Verbindung abriss, berichteten die Wissenschaftler von einer ungewöhnlichen Entdeckung. Scheinbar sind sie im Regenwald auf eine hochgiftige und aggressive Ameisenart gestoßen, die sogar vor dem Angriff auf Menschen nicht zurückschreckt. Man lässt keine Zweifel daran, dass die Aussicht auf neue, Gewinn versprechende Toxine der eigentliche Anlass der Untersuchung ist und das Schicksal der Menschen, nur eine untergeordnete Rolle spielt. Holroyd, der die menschliche Zivilisation zuvor kaum verlassen hat, begibt sich auf eine Reise ins Unbekannte, ohne zu wissen, was ihn an seinem Zielort erwartet.


Nach "Die Zeitmaschine" ist "Das Imperium der Ameisen" die zweite Geschichte von H. G. Wells, die Oliver Döring gemeinsam mit Folgenreich als Hörspiel realisiert. Wählte man zum Auftakt der Reihe noch einen Stoff aus, der bereits im Original und durch mehrere Verfilmungen auf sich aufmerksam machte, folgt nun eine weniger bekannte Geschichte. Wie schon beim Vorgänger verlegt man auch dieses Mal die Handlung in unsere Gegenwart, was erstaunlich gut ohne größere Probleme funktioniert. Dabei wird einmal mehr deutlich, wie zeitlos die Geschichten von H. G. Wells tatsächlich sind, denn im Kern geht nichts von ihrer Spannung verloren. Auch die damit einhergehende Botschaft, dass die Zerstörung der Natur nicht ohne Folgen bleibt, war wohl nie präsenter als im Hier und Jetzt.


Schon von der ersten Minute an verbreitet "Das Imperium der Ameisen" eine beklemmende Stimmung. Mit jeder verstreichenden Minute baut sich eine Kulisse der Bedrohung auf, die einhergeht mit einem wachsenden Gefühl des Ausgeliefertseins und der Hilflosigkeit. Plötzlich zeigt sich, wie machtlos wir einem Feind gegenüberstehen, der sich an eine feindliche Lebenssituation angepasst hat und nun bereit ist zurückzuschlagen. Die Geschichte zeigt, was passiert, wenn der Mensch den Kopf der Nahrungskette einbüßt, ein unangenehmes Gefühl, das Döring meisterhaft mit seiner Arbeit einfängt.


Zu keiner Zeit scheint der Mensch Herr der Lage zu sein. Er kann lediglich auf das Vorgehen der Ameisen reagieren, jedoch stets ohne die Chance, die Bedrohung zu eliminieren. "Das Imperium der Ameisen" ist eine kompakte Mischung aus Abenteuergeschichte, mit Horrorelementen und Einsprengseln aus der Science-Fiction, gepaart mit einer gesellschaftskritischen Botschaft, die erstaunlich gut funktioniert und bis zur letzten Minute zu unterhalten weiß. Die Frage, was aus den Forschern im Dschungel geworden ist und was der Auslöser für die Veränderung einer harmlosen Spezies ist, macht dieses Hörspiel zu einer äußerst spannenden Angelegenheit. Je weiter die Reise auf dem Fluss tiefer hinein in den Dschungel geht, desto schneller verliert man das Gefühl für unsere urbane Welt und taucht ein in eine archaische, lebensfeindliche Umgebung, die ihren Besuchern alles abverlangt.


Die Story wurde von Oliver Döring mit viel Liebe zum Detail produziert, die ganz großen Bombastmomente eines Hollywood-Blockbusters fehlen zwar, dafür gelingt es ihm von der ersten Minute an durch einige simple dramaturgische Mittel Fragen aufzuwerfen, die den Hörer zum Weiterhören einladen. Durch gut gewählte Geräusche und passende Musikarrangements entsteht alsbald ein Bild des peruanischen Hinterlands, das sich in vielen Dingen von unserer gewohnten Umwelt unterscheidet. Immer wieder werden in die Dialoge spanische Wörter und Sätze eingeflochten, die für ein Gefühl der Authentizität sorgen und durch den Akzent vieler Sprecher noch verstärkt wird. Die Gespräche wirken lebensnah und zu keiner Zeit aufgesetzt oder gestelzt.


Julien Haggege schafft es problemlos uns eine nerdige Laborratte zu präsentieren, die sich mit einer ganzen Heerschar von Phobien und Allergien durchs Leben schleppt und ihre bewohnte Umwelt nur in Ausnahmefällen verlässt. Douglas Welbat übernimmt die Rolle des Ernest. Es gelingt ihm den Aussteiger, der der Zivilisation überdrüssig wurde, verdammt nahe an der Realität zu spielen, Figur und Sprecher verwischen hier beizeiten und es fällt schwer, beide voneinander zu trennen. Eine sehr überzeugende Darbietung. Carlos Lobo übernimmt den Part des militärischen Anführers auf einem Außenposten, dem das Wohl seiner Männer über alles geht. Dazu kommen in weiteren Rollen Oliver Stritzel, Boris Tessmann und Daniel Montoya, die ebenfalls alle zu überzeugen wissen. Nach "Die Zeitmaschine" ist auch "Das Imperium der Ameisen" ein Erfolg auf ganzer Linie. In dieser Qualität darf man sich bereits auf weitere Inszenierungen von Romanen und Kurzgeschichten von H. G. Wells freuen.


 
# # # Justus Baier # # #



Publisher: Folgenreich/Universal Music




 


 
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