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Die Marvel-Superhelden-Sammlung 20

Auf dem Höhepunkt des Antihelden-Hypes wurde die Origin des Punisher mit "Year One" ausgeschmückt.

(C) Hachette / Die Marvel-Superhelden-Sammlung 20 / Zum Vergrößern auf das Bild klickenMit "Dirty Harry" lieferte Regisseur und Produzent Don Siegel 1971 praktisch die Blaupause für eine Flut an bleihaltigen Actionfilmen, die in dieser Dekade um die Gunst der Kinogänger buhlten. Clint Eastwood traf in der Rolle des beinharten Gesetzeshüters den Zeitgeist einer Gesellschaft perfekt, die die illusorischen Heilsversprechungen der Flower-Power-Bewegung längst hinter sich gelassen und gegen einen zynischen Blick auf die Realität eingetauscht hatte, in welcher Kriminalität und Rassenunruhen ebenso wie der Vietnamkrieg für Konfliktpotential sorgten. Gerry Conway, der erst ein Jahr zuvor ein Tabu gebrochen und mit dem Tod von Gwen Stacy quasi eigenhändig das "Silver Age" der Comics beendet hatte, ließ sich 1974 für den Auftritt einer neuen Figur auf den Seiten von "Amazing Spider-Man" 129 vom Vigilantentum Marke Harry Callahan beeinflussen.


Manipuliert von Professor Miles Warrens bösartigem Alter Ego, dem Schakal, bekanntermaßen Urheber umfassender Klon-Verwirrung im Spinnenuniversum, ging Frank Castle auf den Netzschwinger los, den die Öffentlichkeit zu Unrecht für den Tod von Norman Osborn verantwortlich machte. Diesen Klassiker, dem sich diverse Gastauftritte des Charakters in den nächsten Jahren anschlossen, wollte Hachette im vorliegenden Band die erste, fünfteilige Miniserie des Mannes mit dem Totenkopf auf der Brust von 1986 folgen lassen, wie ein Blick auf die Rückseite enthüllt. Tatsächlich wurden die Pläne aber (für die Grafikabteilung offensichtlich zu) kurzfristig geändert, sodass wir stattdessen in den Genuss des Vierteilers "Punisher: Year One" kommen.


Auf dem Höhepunkt der Welle von gewaltbereiten und schießfreudigen Muskelprotzen, die durch Marvels exzessiven Gebrauch von Frank Castle wesentlich gefördert worden war, sollte dem Bestrafer mit der 1994/95 erschienenen Miniserie eine erweiterte Herkunftsgeschichte spendiert werden, wie es damals Usus war. Das Autorenduo Dan Abnett und Andy Lanning, das im folgenden Jahrzehnt vor allem in der kosmischen Ecke des "House of Ideas" unterwegs und vor allem die Leinwandversion der Guardians of the Galaxy maßgeblich inspirieren sollte, verquickt die allseits bekannte Entstehung des Punisher (Kurzfassung: Frank Castles Familie wird als unfreiwillige Zeugen einer Mafia-Hinrichtung ausgelöscht) mit der Geschichte des versoffenen Reporters Michael McTeer, der hier die Story seines Lebens wittert.


Da die Polizei gegen die Täter aufgrund von Korruption in den eigenen Reihen nicht ermitteln kann, tut er sich mit dem Vietnamveteranen zusammen, um an die Verantwortlichen für das Blutbad heranzukommen. Es steht natürlich außer Frage, dass der Punisher am Schluss seinem Namen alle Ehre macht, aber der erzählerische Weg bis dahin ist unterhaltsam und atmet sowohl jede Menge Crime noir als auch das Flair der 1970er Jahre, das Zeichner Dale Eaglesham im unverkennbaren, actionzentrierten Stil der 1990er zu Papier bringt. Die Optik passt zur Zeit der Entstehung, aber "Punisher: Year One" ist – im Gegensatz zu jeder Menge an heute völlig zurecht vergessenem Hype-Müll jener Dekade – immer noch lesenswert.


 
# # # Andreas Grabenschweiger # # #



Publisher: Hachette





Erhältlich im Zeitschriftenhandel und auf www.die-superhelden-sammlung.de.


 
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