Der Traum von einer eigenen Band konnte euch aufgrund mangelnder Musikalität noch nicht erfüllt werden? Mit "Guitar Hero: World Tour" kommt ihr diesem Wunsch vielleicht ein kleines Schrittchen näher: "Rock your socks off"!

Diesen Wunsch erfüllen uns Activision unter Zuhilfenahme ihrer Handwerker Neversoft, die uns letztes Jahr bereits „Guitar Hero 3: Legends Of Rock“ beschert haben. Erwähnenswerte Neuerung bei „Guitar Hero 3: Legends Of Rock“ war die Erweiterung des Song Repertoire auf bekanntere, mehr „kommerziellere“ Songs, wo bis dahin der „Metal“ und „klassische Rock“ geherrscht haben. Diesen Pfad verlassen Neversoft auch bei „Guitar Hero: World Tour“ nicht und daher werden auch diesmal so einige poppige Töne des Spielers Ohren erreichen. Songs wie „Blondie’s“ „One Way Or Another“, „Tokio Hotel’s“ „Monsoon“, “Hotel California” von den “Eagles” oder “La Bamba” (“Los Lobos”) werden Freudentränen in die Augen der einen und Tränen der Verzweiflung in die der Anderen treiben. Freunde der ersten beiden Spiele der Reihe, deren Ohren mit Interpreten der härteren Gangart wie zB „Judas Priest“, „Pantera“ oder „Megadeth“ verwöhnt wurden, könnten von der Songauswahl von „Guitar Hero: World Tour“ enttäuscht sein, obwohl auch hier einige Schmankerl in Form von „Trapped Under Ice“ (Metallica), „Crazy Train“ & „Mr. Crowley“ (Ozzy Osbourne), „One Armed Scissor“ (At The Drive-In) oder den neu aufgenommenen Interpretationen von „Overkill“ (Motörhead), „Kick Out The Jams“ (Wayne Kramer, MC5) und „Pretty Vacant“ (Sex Pistols) zu finden sind.

Aber kommen wir nun zur Spielsteuerung: daran hat sich bei der Gitarre/Bass nicht viel geändert, außer das sich jetzt zusätzlich zu den regulären Buttons noch so genannte Slide-Buttons auf dem Gitarrenhals befinden: wenn am Bildschirm (meistens bei komplexeren Riffs) lila-schimmernde Noten erscheinen, kann man nun optional mit den Fingern auf den im Gitarrenhals eingelassenen Slide-Buttons auf den entsprechenden Farben „herumrutschen“. Nach einigen Übungsanläufen kann das schon ziemlich Spaß machen und sogar eine Erleichterung bringen, wo man sich früher noch die Finger verknotet hat. In der „Hall Of Fame“ kann man seine Ergebnisse dann mit anderen Spielern auf der Welt vergleichen.

Neu ist auch die Möglichkeit zu singen: das Mikrofon, das man am USB-Port der Xbox 360 anschließt, muss man noch zusätzlich mit dem Xbox 360 Controller anmelden, da man ja sonst keine Eingabemöglichkeit für die Aktionen am Bildschirm hätte (und natürlich auch kein Profil) - laut Beschreibung sollte man aber auch jedes andere handelsübliche USB-Mikrofon verwenden können! Ähnlich wie bei „Singstar“ gilt es, den am Bildschirm visuell dargestellten Ton richtig zu treffen, dh in erster Linie hoch oder tief. Kenntnis bzw. Liebe zu bestimmten Songs kann hier oft Wunder bewirken! Wie bei der Gitarre oder dem Bass wird auch beim erfolgreichen Gesang, die Punkte 2x, 4x usw. multipliziert und die Starpower gefüllt, die mit einem Schlag auf’s „Mic“ aktiviert werden kann. Das Singen ist ziemlich lustig und ein nettes Zusatzfeature (besonders bei mehreren Spielern), kann aber mit der Spielbarkeit der anderen Instrumente nicht mithalten.

Was aber das absolute Highlight der Neuerungen in „Guitar Hero: World Tour“ betrifft, muss hier eindeutig das Schlagzeug genannt werden. Nach dem (relativ flotten) Aufbau des Teils, strahlt uns ein Drumkit an, das uns schwer an seine „New Wave“–Kollegen aus den Achtzigern erinnert. Es besteht aus drei Drums, zwei Cymbals sowie einem Fußpedal für die (unsichtbare) Bassdrum. Ebenfalls zu finden sind die typischen Xbox 360 Eingabebuttons, ein Steuerkreuz sowie die Möglichkeit ein Xbox 360 Headset anzuschließen um mit diesem à la Phil Collins zu „Genesis“ Zeiten zu singen. Wie auch bei der Gitarre/Bass müssen mit den mitgelieferten Drumsticks die am Bildschirm angezeigten färbigen Noten auf den jeweiligen Drums oder Cymbals getroffen werden, Kicks auf dem Pedal werden durch eine durchgezogene Linie dargestellt. Beim ersten Durchgang merkt man sofort, dass man auch als der beste „Guitar Hero“ Zocker, beim Drumkit wieder bei Null anfangen muss und dass dies einiges mehr abverlangt als bei der Gitarre.

Wer bis jetzt Probleme mit seiner Motorik hatte, dh dem schon Telefonieren gleichzeitig mit dem Schreiben von Notizen Schwierigkeiten gemacht hat, dem wird das Schlagzeugspielen sicher keine Erfolgsmomente bescheren! Nach einigen (frustrierenden) Anläufen und durch geschwitzten „Iron Maiden“ T-Shirts kündigten sich die ersten „Guitar Hero“ typischen Glücksmomente an: gemeint ist damit der eigene Irrglaube, dass man dieses Instrument nun wirklich beherrscht und in einer feucht-fröhlichen Runde sogar noch behauptet, dass man der Schlagzeug-King sei. Beim Spielen sollte man schon darauf achten, dass man genügend fest auf die Drums und Cymbals schlägt, da sonst die Eingaben nicht angenommen werden – aber dann funktioniert es erfreulicherweise sehr gut. Keine Sorge: das Drumkit hält schon einiges aus! Die Starpower wird bei den Drums durch gleichzeitiges Schlagen auf beide Cymbals ausgelöst. An dieser Stelle muss ich sagen, dass die Drums (trotz teilweise schwacher Songs) meine Liebe zu „Guitar Hero“ neu entfacht haben und dass es schade ist, dass es keine Abwärtskompatibilität gibt (Wunschdenken).

Den absoluten Spaß Höhepunkt erreicht „Guitar Hero: World Tour“ wenn man eine ganze Band bestehend aus vier Party-Dudes oder Dudettes zusammen hat – dann kann die Party wirklich losgehen! Das Singen könnte aber einen ziemlichen Fehlerherd darstellen, da die gequälten Laute seiner Mitstreiter ziemlich vom eigenen Spiel ablenken, weil man aus dem Lachen nicht mehr herauskommt! Sollte man aber gerade keine Mitstreiter zur Hand haben, kein Problem: dank hervorragender XBox Live Unterstützung kann man jederzeit einer bestehenden Band beitreten oder eine Band hosten. Man ist also nie mehr allein! Ebenfalls interessant sind die Gitarren-Duelle- und Schlachten die nun um das Drumkit oder sogar um ganze Bandduelle erweitert wurden. Sollte einem die Songs irgendwann mal zu langweilig werden, kann man sich jederzeit kostenpflichtig Track-Packs herunterladen, die wieder neue Songs von Künstlern beinhalten. Aber auch der neue (etwas kompliziert zu handhabende) Track Editor, mit

dem man unter Zuhilfenahme der Gitarre und den Drums (Mikrofon leider nicht) trashige Songs selbst erstellen kann (und danach in den „GHTunes“ uploaden) bringt eigentlich eine unendlich Anzahl von Songs, da man ja jederzeit auch die Songs anderer User downloaden, spielen und dann eventuell auch bewerten kann. Falls einem die vorhanden Charaktere nicht gefallen, baut man sich mit dem Character-Editor einfach seinen eigenen Traum-Rockstar – ebenso wie das Bandlogo – zusammen. Sehr nett, dass dies nun endlich möglich ist. Präsentationstechnisch gibt sich „Guitar Hero: World Tour“ gewohnt strukturiert und daher wird man schön durch die Menüs geführt. Auch witzigen „metallischen“ Design wurde nichts geändert.
Fazit: Die Addition der Drums und des Mikrofon bringt die „Guitar Hero“ Serie in’s nächste Level der Musiksimulationen. Wer der Serie bis jetzt verfallen war und von der Gitarre schon unterfordert war, wird fast gezwungen, auf „Guitar Hero: World Tour“ „upzudaten“ - ebenfalls die Rocker welche gerne mal ein außergewöhnliches Spiel mit 100% Partytauglichkeit spielen wollen. Lediglich die Songauswahl konnte mich diesmal nicht vollständig überzeugen, aber das liegt eindeutig an meinem Musikgeschmack.
###Thomas Sulzbacher###
Grafik: 8/10
Sound: 9,5/10
Steuerung: 9,5/10
Spielspaß: 10/10
Gesamt: 9,5
Entwickler: Neversoft
Publisher: Activision
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