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Gruselkabinett 100

Es gibt faszinierendere Wissenschaften als die streng logische Mathematik. Die bergen jedoch auch große Gefahren für diejenigen, die sie studieren wollen.

(C) Titania Medien/Lübbe Audio / Gruselkabinett 100 / Zum Vergrößern auf das Bild klickenGibt es eine weitere Dimension neben den uns bekannten? Eine Frage, mit der sich auch der junge Mathematiker Walter Gilman urplötzlich konfrontiert sieht. In der Bibliothek der Miskantonic Universität stößt er auf Schriften über Keziah Mason, einer ehemals in Salem ansässigen Hexe, der es vor über 200 Jahren gelang, auf spektakuläre Art und Weise aus dem Gefängnis zu fliehen. In ihrer Zelle bedeckten unzählige mit Blut geschriebene Formeln und Symbole die Wände. Waren sie ihr Mittel zur Flucht? Verstand sich die Hexe auf die Reise zwischen den Dimensionen? Das Interesse des jungen Studenten ist geweckt. Tatsächlich gelingt es ihm, das ehemalige Wohnhaus von Keziah Mason ausfindig zu machen, ein heruntergekommenes Gebäude in einem der schlimmsten Viertel Arkhams.


Nach zähen Verhandlungen mit dessen Besitzer gelingt es Gilman eine Dachkammer des Hauses zu beziehen. Kaum hat er sich im früheren Arbeitszimmer der alten Mason eingerichtet, beginnen die merkwürdigen Träume. Anfangs sind es ledig mysteriöse Stimmen, die sich in seine Gedanken schleichen, doch mit jeder verstreichenden Nacht nehmen die Träume mehr Konturen an. Dazu beschweren sich die anderen Bewohner des Hauses über die nächtlichen Geräusche aus Gilmans Kammer. Beginnt Walter den Verstand zu verlieren oder hat tatsächlich bereits das Böse in das Leben des jungen Studenten Einzug gehalten?


Mit "Träume im Hexenhaus" feiert das "Gruselkabinett" ein Jubiläum, das nur wenigen Hörspielserien zuteilwird, die 100. Folge hat das Licht der Welt erblickt und ihren Weg in die Regale der CD-Abteilungen gefunden. Ein Grund für das Erfolgskonzept dieser Reihe dürfte die Auswahl der zu vertonenden Texte sein. So ergibt sich über die bisherigen Folgen eine ausgewogene Mischung aus Klassikern wie Dracula oder Frankenstein, im Zusammenspiel mit fast vergessenen Perlen der Schauerliteratur, die hier ein neues Publikum finden, bis hin zu den Großmeistern der früheren Horrorliteratur. So verwundert es auch nicht, dass einer dieser ganz großen Vertreter des Genres ausgewählt wurde, die Nummer 100 zu tragen.


Niemand Geringerer als H. P. Lovecraft zeichnet für "Träume im Hexenhaus" verantwortlich, einer seiner bekannteren Stoffe, der auch bereits verfilmt wurde. Viele Geschichten Lovecrafts sind in den Neuenglandstaaten der USA angesiedelt, aber bereits hier verlässt der Autor die realen Grundlagen der Geografie und erschafft einen eigenen Kosmos von Städten, Orten und sonstigen Landmarken. Einer dieser Orte ist die Stadt Arkham, die sich auf den ersten Blick kaum von anderen amerikanischen Städten der 1920er Jahre unterscheidet. Doch riskiert man einen tieferen Blick, so stößt man bereits hier auf die eine oder andere beunruhigende Merkwürdigkeit.


Diese scheinbar in der Realität verhafteten Punkte sind häufig jedoch nur der Ausgangsgrundlage für Reisen an Orte, fernab unserer Vorstellungskraft, an denen der Wahnsinn zuhause ist. "Träume im Hexenhaus" macht da keine Ausnahme. Zunächst erscheint alles eher harmlos, als Walter Gilman beginnt, sich für die Geschichte der Hexe Keziah Mason zu interessieren. Nur wenig deutet daraufhin, dass es sich bei der Alten um mehr als eine Verrückte gehandelt haben könnte. Dies hält auch noch an, als sich Gilman auf die Suche nach dem Wohnhaus der zauberkundigen Frau begibt. Bereits hier werden die ersten unheimlichen Momente in die Handlung eingestreut. Es herrscht eine bedrohliche Atmosphäre, als der junge Student in einem der weniger gut beleumundeten Viertel der Stadt auf eine seltsame Alte trifft, die ihm den rechten Weg weist.


Bereits hier, schleicht sich der Wahnsinn in das Leben von Walter, immer wieder ist das Wispern von Stimmen zu hören. Seltsame Geräusche untermalen die Szenen im Hexenhaus und sorgen für eine bedrückende Stimmung. Mit Einsetzen der ersten Träume driftet der Student der Mathematik immer schneller in eine andere Welt ab, jenseits der Grenzen von Raum und Zeit. Jene Momente, die Gilman in eine andere Dimension führen, waren sicherlich nicht leicht umzusetzen, aber dennoch gelingt es, die verstörenden Ereignisse dort durch Geräusche und die Beschreibungen von Walter zum Hörer zu transportieren und für eine ordentliche Portion Horror zu sorgen.


Bis es zu diesem Übertritt in eine andere Realität kommt, wird die Spannungsschraube immer weiter angezogen. Der befremdliche Hauseigentümer und die anderen Bewohner, die allesamt
unheimliche Geschichten zum Besten geben können, verdichten die Geschichte zusehend. "Träume im Hexenhaus" hält sich nicht sklavisch an die Vorlage von Lovecraft, was der Geschichte an einigen Stellen gut tut und gerade bei den Momenten auf der anderen Existenzebene gar nicht anders möglich gewesen wäre. Trotz dieser Änderungen ist dieses Hörspiel eine gelungene Bearbeitung der Originalgeschichte und hält alle wichtigen Zutaten einer guten Gruselgeschichte bereit. "Träume im Hexenhaus" ist, wie alle bisherigen Adaptionen von H. P. Lovecraft, ein Prunkstück innerhalb der Reihe und ein würdiger Vertreter für das runde Jubiläum.


Um eine Geschichte wie die vorliegende adäquat umsetzen zu können, ist die richtige Atmosphäre unerlässlich. Die verwendeten Soundeffekte, sind alle gut gewählt und es gelingt, das schleichende Grauen, das in das Leben von Walter Gilman Einzug hält, fast greifbar zu machen. Die scharrenden Geräusche der Ratten, das Gemurmel der alten Hexe und das Gelächter ihres unheimlichen Gehilfen sorgen für eine gehörige Portion Unwohlsein und Verwirrung beim Hörer, was nicht vielen Hörspielen gelingt. Dazu kommt eine gut gewählte musikalische Untermalung, die sich gekonnt mit der geräuschlichen Klangcollage und dem gesprochenen Wort verschränkt.


Wie es sich für ein ordentliches Jubiläum gehört, so wird dieses auch entsprechend in Form einer beiliegenden DVD gewürdigt, die einen tiefen Einblick hinter die Kulissen von Titania Medien und einen interessanten Blick auf den Produktionsablauf eines Hörspiels wirft. Einen weiteren Anteil daran, warum dieses Hörspiel so gut funktioniert, ist die Besetzung der Rollen. Da wäre etwa Dagmar von Kurmin, die man mit Fug und Recht als Hörspiellegende bezeichnen darf, ihre markante, durchaus dominante Stimme ist genau die richtige Wahl, um die durchtriebene und verschlagene Keziah Mason in Szene zu setzen. Eine Performance, die sicherlich nicht nur Kinder zu ängstigen weiß. Einen großen Anteil daran, den Wahnsinn im Hexenhaus zu verdeutlichen, haben jene Bewohner, die bereits längere Zeit dort verbracht haben.


Wilfried Herbst übernimmt die Rolle von Mazurewicz, einem verängstigten Mann, dessen geistige Gesundheit auf der Kippe steht. Ihm gelingt es, diesen fragilen Zustand mit seiner Stimme ein Gesicht zu verleihen und für ein beklemmendes Gefühl beim Hörer zu sorgen. Hannes Mauerer übernimmt die Rolle des wissbegierigen Studenten, dessen Leben immer mehr aus den Fugen gerät. Maurer, der noch nicht in allzu vielen Hörspielproduktionen mitgewirkt hat, gelingt es ausgesprochen gut, das Gefühl zu vermitteln, wie es sich anfühlen muss, wenn man immer weniger die Kontrolle über das eigene Leben hat. Dazu kommen weitere bekannte Sprecher wie Jan-Georg Panczak, Hans Beyer und Horst Naumann, die ebenfalls mit Herzblut bei der Sache sind. "Träume im Hexenhaus" lässt sowohl inhaltlich als auch auf produktionstechnischer Seite kaum Wünsche offen. Ein mehr als würdiger Vertreter, um einen runden Geburtstag zu feiern.

 

# # # Justus Baier # # #



Publisher: Titania Medien/Lübbe Audio




 


 
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