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Gruselkabinett 104

Ein unglückliches Missgeschick fesselt Sara Clyburn in ihrem alten Herrenhaus ans Bett. Noch ahnt sie nicht, dass die grauenvollste Nacht ihres Lebens unmittelbar bevorsteht.

(C) Titania Medien / Gruselkabinett 104 / Zum Vergrößern auf das Bild klickenZunächst deutet nichts darauf hin, dass der Tag vor Allerseelen sich grundliegend von anderen Tagen des Jahres für Sara Clayburn unterscheiden wird. Wie üblich bricht sie zu einem ausgedehnten nachmittäglichen Spaziergang auf. Nach einiger Zeit deutet sich ein Wetterumbruch an und die Herrin von Whitegates begibt sich auf den Rückweg zu ihrem Anwesen. Unterwegs kommt es zu einer seltsamen Begegnung. Eine schroffe und abweisende Frau scheint dasselbe Ziel wie Sara zu haben. Scheinbar will sie jemanden aus der Dienerschaft aufsuchen.


Noch ehe Mrs. Clayburn weitere Fragen stellen kann, ist die Unbekannte verschwunden. Auf der Schwelle zum Haus kommt es zu einem tragischen Unfall, Sara Clayburn stürzt schwer und ist in der Folge mit einem gebrochenen Knöchel ans Bett gefesselt. Ihr Hausarzt verordnet strengste Bettruhe. Nur widerwillig ist Sara bereit, sich in ihr Schicksal zu fügen. Am kommenden Morgen erwartet sie eine äußerst unangenehme Überraschung, sie scheint vollkommen allein in dem riesigen alten Haus zu sein. Wohin sind die übrigen Bewohner verschwunden?


Auf den ersten Blick ist "Allerseelen" eine klassische Schauergeschichte, wie sie zu Dutzenden Ende des 19. Jahrhunderts entstanden sind und auch bereits mehrfach im "Gruselkabinett" berücksichtigt wurden. Wenn man allerdings einen genaueren Blick riskiert, weicht sie deutlich vom bekannten Schema ab. Der eigentliche Horror beruht hier weniger auf übersinnlichen Phänomenen, als der plötzlichen unfreiwilligen Isolation der Hauptfigur. Wie fühlt es sich an ohne jede Vorwarnung vollkommen allein zu sein? Dazu noch in einer Situation, in der man körperlich beeinträchtigt ist.


"Allerseelen" bietet dem Hörer auf diese beunruhigende Frage einige Antworten und nimmt ihn durch einen ganz eigenen Horror gefangen. Sara Clayburn sieht sich unvermittelt mit der Frage konfrontiert, ob tatsächlich alle Menschen verschwunden sind und sie allein zurückgeblieben ist. Es entsteht eine sehr dichte und beklemmende Atmosphäre. Das Gefühl der Einsamkeit wird gepaart mit dem Gedanken, was mit einem geschehen wird, wenn man verletzt ist und niemand mehr nach einem schaut, um die Wunden zu versorgen. Dazu kommen eben jene Momente, wenn sich die überirdischen Kräfte doch zu erkennen geben und die Besitzerin von Whitegates zu verhöhnen scheinen.


Lange Zeit wird es der Fantasie des Hörers überlassen, was sich hinter den seltsamen Vorkommnissen auf dem Landsitz verbergen könnte, dadurch kommt zusätzliche Spannung ins Spiel, die fast bis gegen Ende der Geschichte aufrechterhalten wird. "Allerseelen" bietet trotz des neuen Ansatzes alles, was eine gute Schauergeschichte ausmacht. Ein Haus voller Geheimnisse, eine Hausherrin, die sich mit einer absonderlichen Situation auseinandersetzen muss und eine dunkle, finstere Macht, die im Verborgenen ihre Fäden zieht. Wer Gruselgeschichten viktorianischer Prägung mag, liegt hier genau richtig.


Die Geräusche sind, wie bei Titania Medien gewohnt, eher dezenter Natur, runden das Gesamtbild an den richtigen Stellen ab und sorgen für eine angenehm dichte und unheimliche Atmosphäre, aber auch ebenso für die wenigen Momente eher heiterer Natur. Die Musikauswahl war schon seit jeher ein wichtiges Mosaikstück innerhalb der Gestaltung der "Gruselkabinett"-Hörspiele. Hier macht auch die Geschichte der amerikanischen Schriftstellerin Edith Wharton keine Ausnahme. Die zum Einsatz gebrachten Melodien sorgen für den gewünschten Effekt, die Stimmung bestimmter Szenen noch zu vertiefen.


Insgesamt sind es nur acht Sprecher, die in "Allerseelen" zu hören sind, wobei weite Strecken von den beiden starken Stimmen von Judy Winter und Sabina Trooger getragen werden. Judith Winter ist die ideale Besetzung für Sara Clayburn. Jederzeit kauft man ihr die resolute Grundbesitzerin des Geldadels von Neuengland ab, die nicht bereits ist sich in ihr Schicksal zu fügen. Tatsächlich gelingt es hier, dass man in den langen Monologen keinen Dialogpartner vermisst, was sicherlich nicht jeder Sprecherin gelingen dürfte.


Sabina Trooger übernimmt die Rolle der Chronisten, die die seltsamen Geschehnisse auf Whitegates für den Hörer einordnet und gleichzeitig ihrer Cousine beiseitesteht, die unheimlichen Vorkommnisse zu verarbeiten. Ihre sehr ausdruckstarke Stimme ist genau richtig als Konterpunkt zu Judy Winters ebenfalls sehr prägnanter Ausdrucksweise. Seit dem großen Jubiläum mit der 100. Folge präsentiert sich die "Gruselkabinett"-Reihe in ausgesprochen starker Qualität, da macht auch "Allerseelen" keine Ausnahme.


 
# # # Justus Baier # # #



Publisher: Titania Medien




 


 
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