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Gruselkabinett 105

Der Mitternachtsweg sollte nie leichtfertig beschritten werden. Wenn man sich einmal dazu entschlossen hat, kann es ein Leben vollkommen verändern.

(C) Titania Medien / Gruselkabinett 105 / Zum Vergrößern auf das Bild klickenDer pensionierte Journalist Peter Maydell freut sich immer sehr, wenn er wieder einmal ein Päckchen seines Protegés Johannes Kielland erhält, um die enthaltenen Manuskripte bei Gefallen in der Lübecker Zeitung zu veröffentlichen. Das Markenzeichen des jungen Autors, sind Geschichten über Menschen, deren Leben und Schicksal sich im Grenzbereich zum Übernatürlichen bewegen. Umso erstaunter ist Maydell, als er feststellen muss, dass das aktuelle Manuskript autobiografischer Natur zu sein scheint. Die Recherche über einen namenlosen Toten, der am Strand von Sylt an Land gespült wird, verschafft Kielland den Kontakt zu einer geheimnisvollen jungen Frau, die in einer engen Beziehung zu dem Toten zu stehen scheint.


Die schöne Unbekannte, die sich als Helma Brandt vorstellt, übte eine geheimnisvolle Faszination auf Kielland aus. Bereits nach kurzer Zeit ist er ihr hoffnungslos verfallen. Doch je mehr er über Helma und ihren verstorbenen Lebensgefährten erfährt, umso größer werden die Zweifel. Johannes zieht sich zunächst von Helma zurück, als er wieder den Kontakt zu der jungen Frau sucht, muss er feststellen, dass sie scheinbar spurlos verschwunden ist. Kielland beginnt Nachforschungen anzustellen. Doch je mehr er über seine kurzzeitige Geliebte in Erfahrung bringt, desto größer werden die Zweifel und offenen Fragen. Wer ist Helma Brandt wirklich und ist sie tatsächlich identisch mit einer Frau gleichen Namens, die in den 1930er Jahren auf Sylt lebte?


Bisher standen bei der Auswahl der vertonten Geschichten eher klassische Stoffe der Grusel- und Schauerliteratur im Mittelpunkt. Mit "Mitternachtsweg" weicht man nun einmal mehr von dieser Praxis ab und setzt die Geschichte von Benjamin Lebert, der bereits mit seinen Roman "Crazy" für Aufmerksamkeit sorgte, als Hörspiel um. Tatsächlich führt dies jedoch zu keinem Bruch innerhalb der stilistischen Ausrichtung der Reihe, denn die Geschichte Leberts orientiert sich an klassischen Schauergeschichten maritimen Einschlags des 19. Jahrhunderts, auch wenn weite Teile der Handlung in der Gegenwart angesiedelt sind. Auf gleich drei verschiedenen Zeitebenen werden große Gefühle, Liebe und Tragik mit übersinnlichen Elementen, die eng mit dem Meer verknüpft sind, verflochten.


Die Handlung nimmt sich Zeit für ihre Entwicklung, der Hörer muss bereit sein, sich auf die sich langsam entfaltende Story einzulassen und wird dafür mit einer Geschichte belohnt, die eine enorme Sogwirkung entwickelt, der man sich nur schwer entziehen kann. Die Spannungskurve baut sich zwar gemächlich auf, bleibt dafür aber bis zum großen Finale stetig hoch. Oft wird dem Genre der Gruselliteratur vorgeworfen, alle großen Geschichten seien bereits auf die eine oder andere Weise erzählt worden. Dieser These zum Trotz gelingt es Lebert, mit seiner Schauergeschichte neue Aspekte einfließen zu lassen und klassische Momente der Vergangenheit mit unserer Gegenwart zu verschmelzen. Dazu präsentiert der Autor ein wirklich originelles Ende, das so sicherlich nicht erwarten ist.


Die musikalische Palette deckt ein breites Spektrum an Emotionen ab. Manche Stücke wirken episch und beschwören Bilder der unbändigen See herauf, während andere wiederum die jeweilige Szene verdichten und für eine bedrohliche, gar feindliche Atmosphäre sorgen. Alle Kompositionen wirken stimmig und unterstreichen die jeweilig vorherrschende Stimmung einer Szene. Viele Hörspiele der "Gruselkabinett"-Reihe kommen mit einer eher überschaubaren Anzahl von Sprechern aus, für "Mitternachtsweg" sind es deutlich über ein Dutzend bekannter Stimmen, die zum Einsatz gelangen. Marius Clarén schlüpft in die Rolle des junge Schriftstellers, der eher zufällig in eine Geschichte verwickelt wird, die sein gesamtes weiteres Leben bestimmen soll. Clarén gelingt es die Unsicherheit und Unbedarftheit gut hervorzuarbeiten und glaubhaft zu verkörpern.


Eckart Dux ist in zahllosen Hörspielen zu hören, es dürften jedoch nur wenige Produktionen sein, die ihn derart auf den Leib geschrieben sind wie des pensionierten Journalisten Peter Maydell, hier darf man getrost von einer Idealbesetzung sprechen. Ähnliches gilt für Melanie Hinze als Helma Brandt. In ihrer Stimme schwingt immer etwas Trauriges und Geheimnisvolles mit, was hervorragend zu ihrer Rolle passt. Dazu kommen viele weitere großartige Stimmen wie Cathlen Gawlich, Matthias Lühn Judy Windert und Lutz Reichert. Ausfälle wird man hier vergeblich suchen, der gesamte Cast bewegt sich auf einem ausgesprochen hohen Niveau. "Mitternachtsweg" darf man ohne Umschweife zu den überzeugendsten der gesamten Reihe zählen. Jedem, der sich eingehender mit dem "Gruselkabinett" befassen möchte, sei diese Episode ans Herz gelegt.


 
# # # Justus Baier # # #



Publisher: Titania Medien




 


 
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