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Gruselkabinett 108

Bisher war Kapitän Craigie stets erfolgreich, wenn er mit seinem Schiff auf Walfang ging, auch wenn seine Reisen immer als waghalsig gelten.

(C) Titania Medien / Gruselkabinett 108 / Zum Vergrößern auf das Bild klickenDer Medizinstudent John McAllister Ray hat sich dazu entschieden als Schiffsarzt anzuheuern, um einige praktische Erfahrungen zu sammeln. Seine Wahl fällt auf die Polestar, einem Walfänger unter der Flagge des sonderbaren Kapitäns Craigie. Er wird unter den Seeleuten geachtet, obwohl er sich meist unnahbar gibt und mitunter seine Mannschaft großen Gefahren aussetzt, die sich jedoch jedes Mal für die Crew gelohnt haben. Doch die neue Reise steht von Anfang an unter keinem guten Stern. Als das Schiff das Eismeer erreicht, sitzt es bereits nach kurzer Zeit im Packeis fest. Die Lebensmittel werden zunehmend knapper und es besteht keine Aussicht darauf, dass sich die Situation in den kommenden Tagen ändern wird. Unter der Mannschaft nimmt die Unruhe zu.


Der Kapitän hat sich in seine Kabine zurückgezogen und trifft keinerlei Anstalten, die Heimreise auch nur vorzubereiten. Als ob das allein noch nicht genug wäre, häufen sich an Bord merkwürdige Vorkommnisse. Mysteriöse Schreie sind zu hören und eine unheimliche Frauengestalt wird mehrfach gesichtet. Die Besatzung ist im höchsten Maße alarmiert, nur der junge Mediziner bewahrt einen kühlen Kopf und glaubt an keinerlei übersinnliche Phänomene, doch je länger das Schiff im Eis gefangen ist, desto unsicher wird der rationale McAllister Ray. Gibt es doch mehr Dinge zwischen Himmel und Erde, als er vermutet hat?


Im vorliegenden Fall stellt wieder einmal Sir Arthur Conan Doyle unter Beweis, dass er auch abseits von Sherlock Holmes spannende und gar übersinnliche Geschichten zu Papier bringen konnte. Wenn man jene Aspekte, die sich mit dem Übernatürlichen befassen, einmal kurz beiseitelässt, so finden sich sogar durchaus autobiografische Elemente in der Geschichte rund um die Polestar und ihren merkwürdigen Kapitän finden. Arthur Conan Doyle fuhr selbst als Schiffsarzt auf einem Walfänger zur See und dürfte sicherlich einige seiner dort gewonnenen Erfahrungen für diese Story verarbeitet haben, so kann man sich John McAllister Ray durchaus als eine jüngere Ausgabe des Autors vorstellen.


Das Gruselmoment wird erst relativ spät in die Handlung mit eingebunden, nachdem die Kälte und das Eis bereits eine mehr als reale Bedrohung für die Mannschaft sind. Eine mysteriöse Frauengestalt sucht Nacht für Nacht das Deck der Polestar heim. Der Umgang des bodenständigen Schiffsarztes mit dem unheimlichen Phänomen erinnert an den eines Detektivs, der sich darum bemüht, die Hintergründe eines Verbrechens zu klären. Als Einziger an Bord scheint er einen kühlen Kopf zu bewahren und ist um eine rationelle Auflösung der Vorgänge bemüht. Das von Doyle verwendete Motiv der Schauergeschichte ist eindeutig maritimen Charakters, immer wieder begegnet man in der Literatur Erzählungen, in deren Mittelpunkt der Kapitän eines Schiffes steht, der von den Geistern seiner Vergangenheit gequält wird.


Ein enormes Plus dieser Folge ist die Inszenierung des Geschehens. Immer wieder gelingt es den Produzenten von Titania Medien, ein bestimmtes Flair zu vermitteln, das eine Geschichte ausmacht. Im Fall von "Der Kapitän der Polestar" sind es die eisige Kälte, die sich auch in die hintersten Winkel des Schiffes ihren Weg bahnt, und die raue und abweisende See, die den Männern an Bord zusetzt. Es knackt, klirrt und der Wind heult und schnell wird einem vor den heimatlichen Boxen klar, dass hier eine kleine Gruppe von Menschen um ihr Überleben kämpft. Es ist immer wieder erstaunlich, was ein Hörspiel leisten kann, wenn man die richtigen Geräusche und Musikstücke zum Einsatz bringt. "Der Kapitän der Polestar" ist dafür ein Paradebeispiel.


Das Prunkstück einer jeden Produktion ist und bleibt natürlich der Sprechercast, mit ihm steht und fällt die Qualität eines jeden Hörspiels. Wie gewohnt muss man sich um das Niveau der Dialoge beim "Gruselkabinett" keinerlei Sorgen machen, denn die Leistungen der zum Einsatz kommenden Sprecher ist über jeden Zweifel erhaben. Louis Friedemann Thiele liefert einen überzeugenden Auftritt als junger Schiffsarzt ab, der nicht bereit ist an übernatürliche Erscheinungen zu glauben. Wie ein Leuchtturm bleibt er ruhig und gelassen, während die Menschen um ihn herum immer mehr in Richtung Panik abdriften. Wie klingt ein Seemann, der vom Leben enttäuscht wurde und diesem überdrüssig ist? Seine Gefühle vor seiner Umwelt verbirgt und sich als unnahbar gibt? Matthias Lühn liefert als Kaptiän Craigie die Antwort und kann dabei auf ganzer Linie punkten. Seine mürrische und abweisende Art, wie er seiner Mannschaft gegenübertritt, kann durchaus als gelungen bezeichnet werden.


Dazu kommen in weiteren Rollen Florian Jahr, Herbert Schäfer, Claus Thull-Emden, Benedikt Weber, Daniela Bette und als Erzähler Eckart Dux. Jeder von ihnen zeigt großen Einsatz und hebt dieses Hörspiel, was das sprachliche Zusammenspiel betrifft, auf eine neue Ebene. "Der Kapitän der Polestar" empfiehlt sich insbesondere durch seine erstklassige Inszenierung und Atmosphäre, während sich die eigentliche Geschichte eher im soliden Mittelfeld der Reihe einsortiert, was den guten Gesamteindruck jedoch nicht schmälern kann.


 
# # # Justus Baier # # #



Publisher: Titania Medien




 


 
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