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Gruselkabinett 110

China, ein Land voller Geheimnisse, einige davon so dunkel, dass sie besser nie ans Tageslicht gelangen. Eine Erfahrung, die auch der amerikanische Abenteurer James Hamdon machen muss.

(C) Titania Medien / Gruselkabinett 110 / Zum Vergrößern auf das Bild klickenTrotz einer langjährigen und guten Freundschaft hat Mr. Ward schon längere Zeit nichts von seinem alten Freund James Hemdon gehört, da dieser allerdings ein beschäftigter Mann ist und in der ganzen Welt zuhause, hat er diesem Umstand kaum Bedeutung beigemessen. Umso beunruhigender zeigt er sich jedoch, als er unerwarteten Besuch von einem Angestellten Hemdons erhält, der Merkwürdiges zu berichten hat. Sein Arbeitgeber sei ohne jeden Hinweis auf seinen Verbleib urplötzlich verschwunden. Damit jedoch nicht genug, allem Anschein nach wurde er das letzte Mal in seinen eigenen vier Wänden gesehen.Ward begibt sich unverzüglich in die großzügigen Räumlichkeiten seines alten Freundes, um dort zu klären, was es mit dem rätselhaften Verschwinden des Millionärs auf sich hat.


Vielleicht findet sich ja doch eine Spur, die die New Yorker Polizei bei ihren Ermittlungen übersehen hat. Im Schlafzimmer des Abenteurers stößt Ward auf ein Artefakt aus dem alten China, den Drachenspiegel. Einen Hinweis, wo Hemdon stecken könnte, gibt es jedoch nicht. Umso größer ist die Überraschung, als der Vermisste am kommenden Tag verletzt in seinem Schlafzimmer aufgefunden wird. Noch beunruhigender ist jedoch die Geschichte, die er seinem alten Freund präsentiert. Kann es tatsächlich stimmen, was der Weltenbummler zu berichten hat oder sind es die Ausführungen eines Mannes, der dem Wahnsinn verfallen ist? Ist der Drachenspiegel vielleicht wirklich mehr als er auf den ersten Blick zu sein scheint?


"Der Drachenspiegel" hebt sich inhaltliche von vielen Geschichten ab, die im "Gruselkabinett" veröffentlicht wurden. Zwar gibt es klassische Ingredienzien der Grusel- und Schauerliteratur, wie etwa das unerklärliche Verschwinden von James Hemdon in seinen eigenen Räumlichkeiten, viele andere wichtige Bestandteile der Geschichte sind jedoch anderen Genres entlehnt. Da wäre sicherlich der titelgebende Spiegel, der hier als Portal in eine andere fremdartige Welt fungiert, in der sich alles dem Willen eines grausamen Schöpfers unterzuordnen hat. Die Idee, dass Spiegel Durchgänge in andere Dimensionen oder Welten sein können, ist schon lange ein fester Bestandteil der Fantasyliteratur.


Einer der berühmtesten Vertreter dieser speziellen Art von Storys dürfte wohl das berühmte Kinderbuch von Lewis Caroll, "Alice im Wunderland", sein, dessen Fortsetzung ja auch den bezeichnenden Titel "Alice hinter den Spiegeln" trägt. Damit erschöpfen sich die fantastischen Elemente allerdings noch keineswegs, so begegnen wir einer fast allmächtigen Figur, die ihr Reich nach eigenen Wünschen regiert, für seinen solchen Charakter dürfte es in der fantastischen Literatur zahllose Beispiele geben. Gleiches gilt sicherlich für jene Kreaturen, die diese exotischen Orte bevölkern und häufig ihren Schöpfer bedingungslos zu Willen sind, während die menschlichen Bewohner häufig der Ausgangspunkt für Aufruhr und Umwälzung darstellen, alles Aspekte, auf die wir auch in "Der Drachenspiegel" treffen.


Eher ungewöhnlich sind die historischen Versatzstücke innerhalb des Geschehens, konkret wird immer wieder auf den Boxeraufstand von 1900 Bezug genommen und dem Hörer ein Gefühl von Glaubwürdigkeit verliehen, schließlich war das ferne China schon immer ein Land der Mythen und Legenden, was sicherlich noch viel mehr für die Jahrhundertwende zu Beginn des 20. Jahrhunderts gilt als heute. Überhaupt gelingt es dem Autor auf unterhaltsame und glaubhafte Weise, seine eigenen Ideen mit der chinesischen Mythologie zu verbinden, ohne dass es zu inhaltlichen Brüchen kommt.


Neben dem interessanten Background und den Elementen aus verschiedenen Stilrichtungen ist "Der Drachenspiegel" eine äußerst kurzweilige Angelegenheit geworden. Anfangs speist sich ein erheblicher Teil der Spannung aus der Suche nach dem verschwundenen James Hemdon, um kurz darauf abgelöst zu werden von dessen unglaublichen Reiseberichten aus der fernen Spiegelwelt. Im letzten Drittel fiebert man schließlich mit, ob es Hemdon gelingt wieder in seine Welt zurückzufinden, seine Liebe zu retten und den übermächtigen Feind zu besiegen, was ebenfalls wieder sehr klassische Bestandteile der phantastischen, aber auch der Abenteuerliteratur darstellen. Insgesamt hat man es mit einer recht geradlinigen Story zu tun, die sich aus einer Rahmenhandlung, der Suche nach James Hemdon, und dessen Erlebnissen in der Welt hinter dem Spiegel als Kern zusammensetzt.


Die Bearbeitung als Hörspiel darf uneingeschränkt als gelungen bezeichnet werden, man schafft es schnell ein mystisches, fernöstliches Flair zu erschaffen, was sicherlich zu einem nicht unwesentlichen Teil den äußert passend arrangierten Musikstücken zu verdanken ist. Die eingesetzten Geräusche ermöglichen es dem Hörer schnell, sich ein eigenes Bild von der exotischen Welt jenseits des Spiegels zu machen. Die verwendeten Effekte sind eher zurückhaltender Art, dort wo sie verwendet werden erscheinen sie jedoch zu jederzeit stimmig und gut gewählt. Die Melodien umfassen ein breites Spektrum, die neben den fernöstlichen Klängen auch solche Stücke beinhalten, die perfekt die unheimlicheren und spannenden Momente des Hörspiels in Szene setzen.


Wenn wir auf die Stimmen zu sprechen kommen, muss man als erstes Jürgen Thormann nennen, der hier wieder einmal in der Rolle eines fiesen Bösewichts überzeugen kann. In den Hauptrollen sind Claus Thull-Emden und Peter Lontzek zu hören, die als Freundesgespann mit abenteuerlichen Hintergrund zu überzeugen wissen. In weiteren Rollen sind Stephanie Kellner, Louis Friedemann Thiele und Benedikt Weber zu hören, die ebenfalls einen erheblichen Anteil am stimmigen Gesamteindruck dieses Hörspiels haben. "Der Drachenspiegel" ist ein weiterer Farbtupfer, der diese Reihe so abwechslungsreich macht und so auch nach weit über 100 Folgen immer noch Spannung und gute Unterhaltung für den Hörer bereithält.


 
# # # Justus Baier # # #



Publisher: Titania Medien




 


 
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