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Gruselkabinett 112

Viele alte Häuser beherbergen eine Menge Geheimnisse. Gerade jene, die auf den ersten Blick eher harmlos erscheinen, können sich auf den zweiten als teuflische Falle entpuppen.

(C) Titania Medien / Gruselkabinett 112 / Zum Vergrößern auf das Bild klickenPhilipp Devigne kann sein Glück kaum fassen, als er von einem Rechtsanwalt die Nachricht erhält, dass ihm seine Tante ein beträchtliches Vermögen und ein großes altes Haus im renommierten Londoner Stadtteil Chelsea hinterlassen hat. Als er sein neues Domizil bezieht, staunt er nicht schlecht, dass seine verstorbene Verwandte über einen erlesenen Geschmack verfügte und ihr Haus fast ausschließlich mit kostbaren und seltenen Möbeln, Kunst und Handwerksarbeit ausstaffierte. Lediglich ein billiger Druck, der im Salon eine der Wände schmückt, sticht aus der übrigen Ausstattung der Räume hervor und weckt Devignes Aufmerksamkeit. Der kunstvoll gearbeitete Ebenholzrahmen will nicht zur schlechten Qualität des Bilds passen. Schnell stellt sich heraus, dass die ehemalige Hausbesitzerin das ursprüngliche Bild des Rahmens aus unerfindlichen Gründen auf den Dachboden verbannt hat.


Dort wartet eine Überraschung auf den Junggesellen, denn das versteckte Bild zeigt eine ausgesprochen schöne Frau, von der er sich sofort angezogen fühlt. Er beschließt es an seinen angestammten Platz zurückzubringen, ohne sich Gedanken um die Folgen zu machen. An einem der darauffolgenden Abende erwartet den jungen Mann eine Überraschung, die unbekannte Schönheit verlässt urplötzlich ihr Porträt und hat eine fantastisch anmutende Geschichte zu erzählen. Schnell ist Devigne der mysteriösen Erscheinung verfallen, ohne zu erkennen in welch unmittelbarer Gefahr er schwebt. Die Aussicht auf ein glückliches Zusammensein mit der attraktiven Dame ist nämlich an eine Bedingung geknüpft, die Philipps Leben für immer verändern wird falls er ihr zustimmt, schließlich geht es um nicht weniger als seine Seele.


Bereits mehrfach hat Edith Nesbit im "Gruselkabinett" unter Beweis gestellt, dass sie eine Meisterin des leisen Horrors ist und ihre Werke unumwunden in die Kategorie klassischer Schauergeschichten einsortiert werden dürfen. "Der Ebenholzrahmen" schlägt ebenfalls genau in diese Kerbe und weist viele der typischen Stilmittel auf, die wir alle so lieben. Bereits der Ort der Geschichte ist wie geschaffen für eine amtliche Gänsehaut. Einen jungen, alleinstehenden Mann verschlägt es ohne Vorwarnung in ein altes Gemäuer, welches ein dunkles Geheimnis verbirgt, das sich alsbald auf dramatische Art mit seinem Schicksal verknüpft. Langsam und zunächst fast unbemerkt hält das Grauen Einzug in das Leben von Philipp Devigne und beginnt ihn massiv zu beeinflussen.


Zwar begegnen wir hier keiner klassischen Gespenster- oder Geistererscheinung, doch die Frau, die eines Nachts während eines ausgewachsenen Gewitters ihren Bilderrahmen verlässt, weist deren Merkmale auf, schließlich kehrt auch sie aus dem Jenseits zurück und richtet eine Bitte an jene in der Welt der Lebenden. An dieser Stelle verwebt Nesbit die Spukgeschichte mit einer tragischen Liebesgeschichte, wie wir sie auch aus der Tragödie kennen und einem anderen immer wiederkehrenden Motiv der Schauerliteratur, dem Spiegel oder rätselhaften Bild. Oft wird der Spiegel als Durchgang in eine andere Welt thematisiert, hier jedoch fungiert er als Gefängnis, das nur unter bestimmten Vorrausetzungen wieder verlassen werden kann. Nun kommt der so oft beschriebene Pakt mit dem Teufel ins Spiel, der wie so oft für die Menschen einen gewaltigen Pferdefuß aufweist, damit der Höllenfürst sein gegebenes Versprechen einlöst.


Durch die einleitenden Worte des sympathischen Protagonisten befindet man sich unmittelbar im Geschehen und ist bereits nach kurzer Zeit in die merkwürdigen Ereignisse abgetaucht, die mit der Entdeckung des Ebenholzrahmens einhergehen. Erzählt wird die Geschichte in einem flüssigen Tempo ohne Längen, das konsequent bis zum Ende durchgehalten wird. Immer wieder gelingt es durch neue Wendungen, die Spannung auf einem gleichbleibenden Level zu halten, sodass man nie in Gefahr gerät sich zu langweilen. Eine Frage, die bis zum Schluss leider nicht abschließend geklärt wird ist, warum gerade die Hauptfigur in den Fokus des gefallenen Erzengels geriet. Die musikalische Untermalung ist wieder einmal äußerst stimmungsvoll und unterstützt die vielen mysteriösen Momente des Hörspiels auf passende Weise.


Besonders die tragischen Momente zählen durch ihre pathetische und dramatische musikalische Inszenierung zu den dichtesten Augenblicken dieser Produktion. Geräusche nehmen nur dort Raum ein, wo sie sinnvoll erscheinen und halten sich eher dezent im Hintergrund, was jedoch niemals dazu führt, einer spartanisch ausgefallenen Szenengestaltung folgen zu müssen. Insgesamt sind nur knapp mehr als ein halbes Dutzend Stimmen notwendig, um "Der Ebenholzrahmen" mit Leben zu füllen. Herbert Schäfer verkörpert Philipp Devigne, der innerhalb kürzester Zeit damit klarkommen muss, dass sein Leben auf den Kopf gestellt wird. Diese Verwirrung über die eigenen Gefühle und die innere Zerrissenheit finden in der Performance von Schäfer jederzeit gekonnt ihren Ausdruck.


Daniela Bette überzeugt als Mistress, der mehrmals in ihrem Leben übel mitgespielt wurde und die sich nun an die Hoffnung auf eine zweite Chance klammert und Devigne mit allen Mitteln auf ihre Seite zu ziehen versucht. Matthias Lühn gibt eine beeindruckende Vorstellung als schmeichlerischer Satan, sodass es einem angst und bange wird. In weiteren Rollen sind Janina Sachau, Eva-Maria Werth, Beate Gerlach und Florian Jahr zu hören, die den positiven Eindruck des Sprecherensembles nochmals unterstreichen. "Der Ebenholzrahmen" ist ein Hörspiel, das insbesondere durch sein Flair und die dichte Schaueratmosphäre punkten kann. Wer sich für klassische Schauergeschichten begeistern kann ist hier goldrichtig.


 
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Publisher: Titania Medien




 


 
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