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Interview: Jim McCarthy

Anlässlich der beiden von ihm verfassten, kürzlich veröffentlichten Graphic Novels, von denen eine sich dem legendären THE WHO-Drummer Keith Moon widmet, haben wir dem sympathischen britischen Autor einige Fragen gestellt.

(C) Steve Forrest 2016 / Jim McCarthy / Zum Vergrößern auf das Bild klickenDieser Tage sind bei Omnibus Press die Graphic Novels "Living For Kicks: A Mods Graphic Novel" und "Who Are You? – The Life and Death of Keith Moon" erschienen. Während sich die eine, gezeichnet von Kevin Cross, anhand des fiktiven Protagonisten Spike Spellane der Mod-Kultur annähert, basiert die zweite auf dem Buch "Dear Boy – The Life of Keith Moon" von Tony Fletcher und dreht sich um den exzentrisch-genialen Schlagzeuger von THE WHO. Beiden Werken gemein ist der Autor Jim McCarthy, den wir dazu zum Interview gebeten haben.


SLAM: Die Graphic Novel über Keith Moon ist die zweite, die du zusammen mit dem Zeichner Marc Olivent gemacht hast. Wie ist es dazu gekommen und warum war er der Richtige für den Job?

Jim McCarthy: Ich bin bei meiner Suche nach guten Künstlern im Internet auf Marc gestoßen. Sowohl David Barraclough, mein Redaktionsleiter (bei Omnibus Press; Anm. der Red.), als auch ich fanden seine Linienführung exzellent. Er hat einen coolen Stil, der sich sehr für die verschiedenen Farbschichten eignet. Wie du schon erwähnt hast, ist es das zweite Buch, bei dem wir zusammengearbeitet haben, nach "Reckless Life: Guns N' Roses – A Graphic Novel". Dieses war in Schwarz-weiß gehalten und hat seine prägnante Linienführung meisterhaft gezeigt. Darüber hinaus muss jeder Künstler, mit dem wir an solchen Graphic Novels arbeiten, in der Lage sein, die Deadlines einzuhalten und mit einer riesigen Anzahl an Panels umzugehen. Bei einem 144 Seiten umfassenden Buch sind das so in etwa 500 Panels, dazu die Sprechblasen, und zuvor natürlich die ersten Layouts. Ein wesentlicher Teil ist es auch, ein gutes Gespür für Design zu haben und zu wissen, wie man interessante Layouts für Comic-Seiten erschafft.


(C) Omnibus Press / Who Are You? – The Life and Death of Keith Moon / Zum Vergrößern auf das Bild klickenSLAM: Kannst du uns bitte einen Einblick geben, wie du eine Graphic Novel konzipierst? Es dürfte ziemlich herausfordernd sein, die Essenz einer 600 Seiten starken Buchvorlage wie "Dear Boy" in einer 160 Seiten umfassenden Graphic Novel einzufangen…

Jim McCarthy: Bei jedem meiner letzten drei Projekte dieser Art habe ich einen völlig verschiedenen Zugang gewählt. Das Buch über Keith Moon ist eine Adaption und eine Biografie. "Living For Kicks" ist eine neue Story, die Fakten und Fiktion vermischt. Tony Fletchers Buch über Keith Moon beispielsweise ist sehr detailreich, ein wesentlicher Teil dabei ist es, das Buch zu einer bewältigbaren grafischen Umsetzung zu komprimieren. Ich fand das exzessive, zwanghafte Trinken und den Drogenkonsum sowohl faszinierend als auch betrübend. Ich glaube, dass das ein Weg für Keith war, zu versuchen, den ungeordneten, gestörten Funktionen des Gehirns einen Anschein von Kohärenz zu geben. Sein Leben war eine derartige Achterbahnfahrt, dass es eine große Auswahl an entsprechenden Ereignissen gab, die für die Graphic Novel verwendbar waren.


SLAM: Im Vorwort sprichst du über Parallelen zwischen deiner Vergangenheit und dem Leben von Keith Moon. Exzessives Trinken, Drogen und der Diagnose von ADHS (Aufmerksamkeitsdefizitstörung; Anm. der Red.). Hast du die Graphic Novel auch als eine Art Selbsttherapie geschrieben oder ist das jetzt zu viel hineininterpretiert?

Jim McCarthy: Ich war froh, etwas Licht auf diese Bereiche und – wenn du so willst – auch Parallelen werfen zu können, bei denen ich mich sehr stark mit ihm identifizieren konnte. Das ist jetzt aber kein kathartisches Ventil für mich und nicht der Grund für mich, so ins Persönliche zu gehen. Meine erwähnten persönlichen Erfahrungen liegen schon viele Jahre zurück. Aber wenn ich jetzt die Möglichkeit habe, etwas Licht auf die ernste, verwirrende und äußerst destruktive Natur von Alkohol- und Drogenmissbrauch zu werfen, mache ich das. Auch vielleicht als Möglichkeit, die Probleme, auf die Leute in diesem Zusammenhang treffen könnten, darzustellen und vor ihnen zu warnen. Das ist auch der Grund, weshalb ich in meinem Essay auch direkte Quellen für Informationen in dieser Hinsicht eingefügt habe.


SLAM: Die zwei mit Marc Olivent realisierten Graphic Novels handeln von Rockstars, die für Exzesse und widersprüchliches Verhalten bekannt sind, abgesehen von ihren künstlerischen Leistungen. GUNS N' ROSES beispielsweise wurden einst als gefährlichste Band der Welt gehandelt – findest du, dass Rock'n'Roll heutzutage zahm und harmlos geworden ist?

Jim McCarthy: Ja, absolut! Ich weiß nicht so viel, was die Welt von Rap und Hip Hop anbelangt, aber die Bereiche von Pop, Rock und Indie scheinen sehr langweilig zu sein. Mir scheint, dass es bei diesen ganzen, von jemanden wie Max Martin geschriebenen und produzierten Pop-Brei, etwa von RIHANNA oder typischen Nummern mit dem obligatorischen, gelangweilten Rap-Part von SEAN PAUL, stark nach Musik von der Stange und der Jagd nach schnellem Geld riecht. Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand denkt, dass das jetzt etwas Besonderes und Innovatives ist. Ich glaube es ist vielmehr als schmückendes Beiwerk zu anderen Dingen gedacht und nicht als etwas Eigenständiges für Musik als Kunstform. Ich finde auch, dass Musik nicht mehr als das gesehen wird wie früher, nämlich als revolutionärer Weg, um Informationen mitzuteilen, als Form von Protest und so weiter.


(C) Omnibus Press / Living For Kicks: A Mods Graphic Novel / Zum Vergrößern auf das Bild klickenSLAM: Du bist einer von vielen Kreativen, die ihre Karriere als Autoren oder Zeichner bei der legendären Comic-Anthologie "2000AD" gestartet haben. Gibt es in Großbritannien überhaupt eine Möglichkeit, sich einen Namen zu machen, ohne bei dieser Comic-Kaderschmiede gewesen zu sein?

Jim McCarthy: Keine Ahnung, vielleicht mit dem Versuch, einen Parlamentsabgeordneten zu ermorden? "2000AD" war zu einer gewissen Zeit – und vielleicht auch jetzt noch – eine definitive Chance, in der Comic-Industrie bekannt zu werden. Sowohl hier als auch in den USA. Wie man sich auf anderen Wegen einen Namen machen kann, ist eine andere Sache. Wenn du gut bist, bin ich sicher, dass die Leute in dieser Zeit der Medienübersättigung sehr bald auf deine Arbeit aufmerksam werden. Die Spitzenleute steigen auf und das Mittelmaß geht letztlich unter.


SLAM: Woran arbeitest du derzeit? Gibt es eine weitere, musikbezogene Graphic Novel, die wir in naher Zukunft erwarten können?

Jim McCarthy: Ja, das nächste Projekt dieser Art ist "Wake Up And Live", ein Buch über den ungemein vielfältigen, weltberühmten BOB MARLEY.


SLAM: Welche Bands und Musik finden sich aktuell auf deiner Playlist?

Jim McCarthy: Ich höre das neue Album von WILLIAM BELL namens "This Is Where I Live", dazu viel kubanische Timba-Musik wie LOS VAN VAN. Außerdem die etwas abgefahreneren, rockigen Sachen, die MILES DAVIS Mitte der 1970er gemacht hat, Alben wie "Aghartha", "Dark Magus" und "Pangaea". Daneben auch BILL LASWELL, JAH WOBBLE, BEACH BOYS, BRIAN WILSON, Haydn, Reggae von MORGAN HERITAGE und so weiter.


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# # # Andreas Grabenschweiger # # #



Jim McCarthy im Web: www.jimmccarthy.co.uk


 
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