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Interview mit LAW FOUND GUILT

Die Stehaufmännchen der österreichischen Musikszene haben uns verraten, warum sie es nach über neuen Jahren Bandgeschichte immer noch nicht über den Status des Geheimtipps hinaus geschafft haben...

LAW FOUND GUILT (c) Finest Noise/Radar Music / Zum Vergrößern auf das Bild klickenDas Musikbusiness hat seine ganz eigenen Gesetze: Manch Band ist gerade mal dem Proberaum entwachsen und befindet sich quasi über Nacht auf den Titelblättern einschlägiger Gazetten, während nicht minder talentierte Formationen über viele Jahre einen hochwertigen Output nach dem anderen abliefern und ihnen trotzdem der ganz große Erfolg verwährt bleibt. Die Linzer Post-Core Institution LAW FOUND GUILT kann davon ein Klage-Lied singen: Seit mehr als zehn Jahren tingelt das Quartett durch die Clubs der Republik, doch der Erfolg lässt trotz mehr als ansprechender Musik (noch) auf sich warten. Wie man sich immer wieder motiviert und warum man auch nach Niederlagen wieder aufstehen muss, erklärt die Band im Gespräch mit dem SLAM.

Könnt ihr mir die Gründe nennen, was bei euch grundsätzlich bisher schief gelaufen ist? Warum habt ihr es noch nicht geschafft über euren Schatten zu springen und mit LAW FOUND GUILT bei einem großen Label unterzukommen?


LAW FOUND GUILT (c) Finest Noise/Radar Music / Zum Vergrößern auf das Bild klickenTeilweise sind wir an die falschen Leute geraten und haben uns dann zu sehr auf zwielichtige Personen verlassen. Ich will jetzt hier aber niemanden persönlich angreifen, da es schon immer unsere bewusste Entscheidung war mit diesen Personen zu kooperieren. Wir waren vielleicht zu naiv, uns nur um die Musik zu kümmern. Den geschäftlichen Part haben wir leider ein wenig vernachlässigt bzw. ein wenig unterschätzt. Hinzu kam, dass es bei uns auch oft unfreiwillige Unterbrechungen durch Krankheiten, Nachwuchs oder Umbesetzungen gab. Wir persönlich hatten lange Zeit gar nicht das Gefühl, dass wir so weit wären den Schritt zum Label zu wagen. Ich für meinen Teil würde sagen, dass wir erst jetzt so richtig bereit sind für den nächsten Schritt. Dafür wollen wir es jetzt unbedingt schaffen. Jetzt - nach über neun Jahren LAW FOUND GUILT - fühlen wir uns richtig sicher. Jetzt ist es an der Zeit auf den Tisch zu hauen.

Nach außen hin habt ihr aber immer wie eine Einheit gewirkt. Man bekam nie den Eindruck, als ob es interne Troubles geben würde?

LAW FOUND GUILT (c) Finest Noise/Radar Music / Zum Vergrößern auf das Bild klickenWir hatten oftmals das Problem mit den Bassisten. Wir haben einfach über eineinhalb Jahre keinen adäquaten Ersatz für unseren ersten Tieftöner gefunden. Man hat meiner Meinung nach schon gemerkt, dass unsere Bühnenpräsenz sehr unter dieser Unsicherheit gelitten hat. Es war eine sehr unstete Sache. Wenn es nicht vollständig rund läuft, dann kann die Musik noch so gut sein, du wirst als Band keine Einheit sein.

Ist das einer der Gründe warum ihr euch so lange vornehm zurück gehalten habt?

Wir haben uns es vielleicht nie zugetraut, über unseren Schatten zu springen. Vermutlich ist es wirklich so, dass wir uns selbst unterschätzen. Man sollte selber immer sein ärgster Kritiker sein, dann wirst du auch kontinuierlich an dir arbeiten. Dennoch hatten wir speziell in letzter Zeit vermehrt sehr aufbauendes Feedback. Das tut selbstverständlich gut. Der springende Punkt ist: Wir wissen genau wo wir hinwollen.

Wohin?

LAW FOUND GUILT (c) Finest Noise/Radar Music / Zum Vergrößern auf das Bild klickenWir wollen zu einem Label, das uns in allen Belangen unterstützt. Wichtig ist uns, dass alles im familiären Bereich bleibt. Unsere Ziele sind schon längst nicht mehr so hoch gesteckt, dass wir eines Tages von der Musik leben könnten. Es wäre toll einen Partner zu finden, der es uns ermöglicht regelmäßig im Ausland zu spielen. Im Oktober sind übrigens einige Gigs in England geplant. Darüber freuen wir uns natürlich sehr.

Wie habt ihr euch eigentlich so lange motivieren können? Ihr seid ja doch bisher nicht über den Status eines Geheimtipps hinweg gekommen?

Das ist natürlich nicht so einfach. Es gehen viele Bekannte oder Konzertbesucher auf dich zu und fragen, ob dir dieser Status des ewigen Talents nicht mal zu bunt wird. Wir haben aber nie aufgegeben und sind immer unseren Weg gegangen. Es ist die Freundschaft untereinander und die Begeisterung für die Musik, die uns zusammenhält.

Darf ich euch ganz offiziell als "die Stehaufmännchen der österreichischen Szene" bezeichnen?

LAW FOUND GUILT (c) Finest Noise/Radar Music / Zum Vergrößern auf das Bild klickenSo habe ich das noch nie gehört. Klingt interessant. Sieh dir aber mal all die jungen Bands an, wie sie krampfhaft versuchen Erfolg zu haben und wie sie fast mit Gewalt um Aufmerksamkeit buhlen. Sie springen auf jeden Trendzug auf und wundern sich nach zwei Jahren, warum sich keiner mehr für ihre Musik interessiert. Sobald du versuchst mit der Musik krampfhaft etwas zu erreichen, wird das nicht funktionieren. Das ist es auch, worin unsere Stärke liegt. Wir haben nie versucht einem Trend nachzueifern. Für uns stand und steht immer noch der Spaß im Vordergrund. Wir wissen, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Einen gewissen Spirit haben wir uns über die Jahre erhalten. Wenn es auch etwas kitschig klingen mag, aber unser Feuer brennt noch immer.

LAW FOUND GUILT stellen für mich den Inbegriff einer authentischen Band dar. Kann das auch ein Nachteil sein?

Wir sind sehr bodenständige Burschen. Wir können mit aufgesetztem Gehabe einfach nicht umgehen. Da würden wir uns von vorne bis hinten selbst belügen.

LAW FOUND GUILT (c) Finest Noise/Radar Music / Zum Vergrößern auf das Bild klickenDabei hättet ihr es euch doch theoretisch viel leichter machen können. Eine leichte Imagekorrektur, die richtigen Partner und ab geht die Post.

Der Punkt ist doch: Wir wissen um das Schema F Bescheid. Du machst diese Mucke und du verkaufst dich so oder so. Du baust dieses oder jenes Image auf. Das wird zu einem gewissen Grad auch funktionieren, wenn du den Zeitgeist triffst. Aber seien wir uns ehrlich, wie lachhaft ist das eigentlich?

Tut es nicht weh, wenn eure Support-Bands euch sukzessive überholen?

Ja. Ehrlich gesagt tut es schon weh, wenn junge Bands zuerst noch für dich den Opener spielen und bereits zwei Jahre später sieht die Situation komplett anders aus. Da fängst du schon an zu grübeln. "Was haben wir falsch gemacht?" oder "Warum kommen wir mit der Band einfach nicht weiter?". Es ist aber auch ein Zeichen dafür, dass es wichtig ist die richtigen Leute kennen zu lernen. Das war vielleicht wirklich eines unserer größten Probleme.

Es hat ja bei euch auch den Kontrakt mit dem britischen Label Nova Bomb Records gegeben? Da lief ja auch nicht alles glatt ab?

LAW FOUND GUILT (c) Finest Noise/Radar Music / Zum Vergrößern auf das Bild klickenEs hat sich bereits nach kurzer Zeit gezeigt, dass eine Geschäftsbeziehung zwischen Österreich und England nicht funktionieren kann. Es gab diverse Kommunikationsprobleme und wir waren teilweise nicht im Bilde, was Nova mit uns vorhatte. Es hätte eine Tour durch England geben sollen, bei der nichts gepasst hat. Da wären wir nur mit Schulden zurückgekommen. Nach einem Jahr haben wir uns dann im beiderseitigen Einverständnis getrennt. Wir haben natürlich daraus gelernt: Bevor wir einen halbherzigen Deal akzeptieren, nehmen wir lieber gar keinen. Das ist sicher auch einer der Hauptgründe warum es LAW FOUND GUILT immer noch gibt. Wir haben nie den Spaß an der Musik verloren.

Junge Bands strahlen eine gewisse Dynamik, eine "Hau Drauf Mentalität" aus. Ältere, routinierte Bands wirken dafür souverän und strahlen eine "duldbare" Arroganz aus. Es fällt mir allerdings sehr schwer LAW FOUND GUILT zu positionieren. Wo seht ihr euch selbst?

Wir sind nicht die Band, die den Menschen etwas aufzwingen will, sondern wir wollen die Menschen begeistern. Wir wollen sie zu uns herführen. Es gibt genug Bands, die krampfhaft versuchen Meinungsmache zu betreiben, aber das ist einfach nicht unser Ding.

Klingt ja schon mal viel versprechend. Ich danke fürs Gespräch.

###Mathias Mayer###
(April 2008)
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