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Interview: Timo Wuerz

Mit "The Art of wild+free Animals" ist ein Prachtband erschienen, mit dem der schwäbische Meister mithilfe zahlreicher prominenter Mitstreiter eine lautstarke Botschaft für Tier- und Naturschutz aussendet. Auch zu diesem Projekt hat er sich einigen Fragen von uns gestellt.

(C) Timo Wuerz / Timo Wuerz / Zum Vergrößern auf das Bild klickenIn den 1990er und 2000er Jahren machte Timo Wuerz als Enfant terrible der deutschen Comic-Landschaft von sich reden und veröffentlichte bei verschiedenen Verlagen, meistens in Zusammenarbeit mit Autor Niki Kopp, aufsehenerregende Werke wie "Aaron und Baruch", "XCT" und "Black Metal".


Danach verabschiedete er sich vorerst von den Sphären der Neunten Kunst, legte aber den Pinsel keinesfalls aus der Hand, sondern gestaltete von Albencovers und Büchern über Briefmarken und Autos bis hin zu Entwürfen für ganze Freizeitparks so ziemlich alles.


Flankiert von "Ghost Realm", seiner ersten Comic-Arbeit seit über einem Jahrzehnt, widmete ihm Tokyopop im Rahmen seines Sublabels POPCOM eine ambitionierte Werkschau, die nicht nur bereits erschienene (und zum Teil um jede Menge Extras und unveröffentlichtes Bonusmaterial ergänzte) Werke in edler Hardover-Aufmachung umfasste, sondern mit "The Art of Metal" auch eine Sammlung unzähliger über die Jahre enstandener Artworks für Alben mit sich brachte.


Zum Abschluss ist nun noch "The Art of wild+free Animals" dazugekommen, das jede Menge Tierporträts von Timo Wuerz enthält, ergänzt um Text- und Bildbeiträge namhafter Mitstreiter in Sachen Tier- und Naturschutz und für einen guten Zweck: 10% des Erlöses gehen an die Naturschutzorganisation Black Mambas. Nach unserem letzten Gespräch zum Start seiner Werkschau haben wir dem nimmermüden Künstler auch anlässlich der Veröffentlichung dieses Bandes ein paar Fragen gestellt.


SLAM: "The Art of wild+free Animals" hat seinen Ursprung ja in einem streng limitierten, 2014 veröffentlichten Artbook. Kannst du bitte den Weg bis hin zum fertigen und erweiterten Buch, wie wir es nun in Händen halten, grob umreißen? Und um in bester "Henne oder Ei"-Manier zu fragen: Was zuerst da? Bereits vorhandene Bilder und dann die Idee, sie für ein Buch zusammenzustellen, oder sie eigens dafür zu schaffen?

Timo Wuerz: Im neuen Buch sind etwa eine Handvoll Bilder enthalten, die auch im ersten Tierbildband schon vertreten waren, nicht mehr. Es ist eine Fortsetzung, ein völlig neues und anderes Buch. Es stand von Anfang an fest, dass der Abschlussband der Werkausgabe bei Tokyopop ein dickes Buch mit Tiergemälden sein soll. Also hatte ich viel Zeit, darüber nachzudenken und es zu entwickeln. Eben weil es mir so wichtig ist. Während das erste Buch davon handelt, warum ich Natur male, ist das neue mehr von Aktivismus und der Schützenswürdigkeit der Natur geprägt.


SLAM: Du konntest ja viele prominente Persönlichkeiten dazu gewinnen, Texte und Bilder für "The Art of wild+free Animals" beizusteuern. Kam das hauptsächlich durch Connections zustande, die es bereits durch frühere Projekte gab, oder wurden da viele Kontakte speziell für dieses Projekt geknüpft?

Timo Wuerz: Sowohl als auch. Ich wollte Leute drin haben, die mich prägten und deren Arbeit ich toll finde. Auch solche, die den Typen nicht kannten, der ihnen plötzlich schrieb und sie bat, doch vielleicht was zu seinem Tierbuch beizutragen. Ich bin sicher, sie wunderten sich und hatten nicht viel Ahnung, wovon der Typ eigentlich redete und was er vorhatte. Umso beachtlicher, dass sie zusagten, ihren Beitrag leisteten und dieses Buch so viel vielfältiger und besser machten. Ich hoffe, dieses Buch wird ihrem selbstlosen Engagement gerecht. E. O. Wilson, Chris Jordan, Katarina Benzova, Jack Turner oder Paul Watson in meinem Buch zu haben, bedeutet mir sehr viel. Ich bin sicher vor allem die Kombination ist einzigartig.


SLAM: In unserer globalisierten Wirtschaftswelt sind Natur-, Umwelt- und Tierschutz leider immer noch von einer Politik der kleinen Schritte geprägt. Was, denkst du, kann der Einzelne ganz konkret im Alltag tun, um einen Schritt in Richtung bewussteres Leben und Nachhaltigkeit zu machen?

Timo Wuerz: Sich den Herausforderungen bewusst zu sein, ohne zu resignieren, ist der Anfang. Und dann einfach anfangen, wo man gerade kann. Weniger Plastik zu verbrauchen, öfter vegetarisch zu essen, im Garten und auf dem Balkon mehr für die Vielfalt der Pflanzen und Tiere zu tun, sich bei Projekten zu engagieren, die einem sympathisch sind. Es gibt viel, was man tun kann. Ich wuchs und wachse ja auch hinein und versuche herauszufinden, wie ich mehr und mehr ein Teil der Lösung und weniger des Problems sein kann.


SLAM: Wird es auch eine Möglichkeit geben, die für "The Art of wild+free Animals" entstandenen Bilder in einer Ausstellung oder dergleichen in Originalgröße zu sehen?

Timo Wuerz: Die meisten Ausstellungen, die ich in all den Jahren gemacht hatte, zeigten meine Tiergemälde. Also stehen die Chancen gut, dass man sie auch bald wieder irgendwo sehen kann.


SLAM: Was passiert eigentlich generell mit den Bildern, die du geschaffen hast? Bei deinem Arbeitstempo und Tatendrang bräuchtest du, wenn du sie alle behalten wolltest, ja schon eine Lagerhalle in der Dimension von jener in der Schlusszene von "Jäger des verlorenen Schatzes"...

Timo Wuerz (lacht): Ja, so ähnlich sieht es in der Tat in meinem Haus aus. Zum Glück kann ich viele verkaufen. An der Wand eines Sammlers sind die Bilder viel besser aufgehoben als in meinem Archiv.


(C) POPCOM / The Art of wild+free Animals / Zum Vergrößern auf das Bild klickenSLAM: Unser letztes Interview fand anlässlich des ersten Bandes von "Ghost Realm" statt. Wie fällt das persönliche Resümee deiner Werkschau bei POPCOM aus, deren Herzstück und Schlusspunkt ja nun "The Art of wild+free Animals" bildet?

Timo Wuerz: Es ist schon toll, eine Werkausgabe zu bekommen. Und eine große Ehre. Ich scherzte schon, das wär's nun gewesen. Was soll nach einer Werkausgabe noch kommen? Ich hatte überraschend viel Spaß dabei, meine alten Sachen in eine neue Buchform zu bringen. Nach all den Jahren kann ich hauptsächlich die guten Seiten daran sehen, weil ich seitdem so viel Anderes gemacht habe. Mein Comic-Werk quasi an einem Stück zu sehen ist interessant. Und egal, ob einem mein Zeug gefällt, es ist sicherlich in seiner Vielfalt und Kompromisslosigkeit ziemlich einzigartig in der deutschen Comic-Geschichte. Meine Autoren und ich machten immer nur, was wir wollten. Die armen Verlage hatte kaum Einfluss auf uns und unsere Geschichten. Umso erstaunlicher.


SLAM: Ist nach "Ghost Realm" dein Appetit auf das Medium Comics fürs Erste wieder gestillt oder darf man sich Hoffnungen machen, dass da in naher Zukunft wieder mal was kommen wird? Also ohne eine weitere Wartezeit von einer Dekade…

Timo Wuerz: Diese 15 Jahre währende Pause vom Medium Comic war ja nicht geplant. Ebenso wenig meine Rückkehr zu den Comics. Daher verkneife ich mir jede Vorhersage. Vielleicht erscheint 2019 ein neues, umfangreiches Epos, vielleicht erst wieder in weiteren 15 Jahren. Man wird sehen…


SLAM: Auch diesmal bleibt eine Frage bezüglich Musik nicht aus. Wir haben unsere Redakteure kürzlich für unsere Jubiläumsausgabe SLAM #100 gebeten, ihre "Lebensalben" zu nennen, sprich jene Alben, die sie seit vielen Jahren begleiten und mit denen sie wichtige Erinnerungen oder Ereignisse verbinden – kniffligerweise mit der Vorgabe, insgesamt nur sechs zu nennen. Wie könnte eine entsprechende Liste bei dir aussehen?

Timo Wuerz: Wie bei meiner Arbeit genieße ich auch bei der Musik, die ich höre, die Bandbreite. Aber gut, sechs Alben: Mahlers zweite Sinfonie, dirigiert von Leonard Bernstein, "Powerslave" von IRON MAIDEN, "The Dark Side Of The Moon" von PINK FLOYD, "Earth Songs" von JOHN DENVER und "Screech Owl" von WOLD.


SLAM: Da du ja nimmermüde am Werken bist, ist die Frage hoffentlich erlaubt: Welche Projekte stehen demnächst an, über die du schon sprechen kannst oder magst?

Timo Wuerz: Die übliche Mischung, die mich interessiert, liegt im Moment auf meinem Schreibtisch: Ein Auto für McLaren gestalten, eine Neuausgabe eines Buchs von Robert E. Howard illustrieren, ein paar Filmprojekte und Plattencover. Das Spannende bleibt, was morgen in meinem E-Mailfach landet oder wer anruft.


 
# # # Andreas Grabenschweiger # # #


 
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