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Interview: Wout Lievens, Mitorganisator beim dunk!festival

Im Vorfeld zur 14. Auflage des Festivals im belgischen Zottegem von 10.-12.05.2018 haben wir dem Mitorganisator Wout Lievens ausgiebig auf den Zahn gefühlt.

(C) dunk!festival / dunk!festival Publikum / Zum Vergrößern auf das Bild klickenDer Zenit des Post-Rock-Hypes war für viele vor ungefähr fünf Jahren erreicht. Seitdem hält sich aber eine beständige Zahl an namhaften Bands an der Pole-Position, während immer neuer Nachwuchs entsteht und die Szene global zu einer eingeschworenen Gemeinschaft werden lässt. Seit 2005 steht das belgische dunk!festival samit gleichnamigem Label für die Bewegung leidenschaftlicher Musikfans, gilt als eines der besten Liebhaber-Festivals in Sachen gepflegter Instrumentalmusik und bietet weiterhin Entdeckungen progressiver Experimente um alle Grenzbereiche der Rockmusik.


In den letzten Jahren konnten die Veranstalter namhafte Acts wie GOD IS AN ASTRONAUT, PELICAN, THIS WILL DESTROY YOU, JUNIUS, MAYBESHEWILL oder MASERATI im beschaulichen Städtchen Zottegum begrüßen. Abgerundet wird das Programm mit der Offenheit gegenüber weiteren Extremspielarten des Genres wie Post-Metal, Sludge oder Drone. Und so reihen sich weitere prominente Namen wie zum Beispiel SWANS, SUNN O ))), THE BLACK HEART REBELLION, MONO oder EARTH als weitere Schmankerl in das liebevoll kuratierte Line-up ein.


Auf alle Fälle ein Gourmetfestival für Menschen, die Musikkultur tatsächlichen leben und in idyllischer Waldkulisse drei Tage unter Gleichgesinnten aus aller Welt den Alltag vergessen möchten. 2017 veranstaltete das Team gleichzeitig eine US-Version des etablierten Profils in Burlington, Vermont. Freunde anspruchsvoller, experimenteller und tiefsinniger Rockmusik kommen an diesem Festival daher nicht vorbei. Und auch wenn die Ticketkapazitäten begrenzt sind – einmal im Leben sollte man dieses liebevoll kuratierte Event als Post-Rock-Fan besuchen. Ein Kurztrip in unser schönes Nachbarland Belgien ist ohnehin immer eine Reise wert.


SLAM: Hallo Wout, schön, dass du Zeit für das Interview gefunden hast. Als einer der Organisatoren bitte ich, dich kurz vorzustellen. Was lässt das dunk!festival aus der Masse des neueren Festivalbooms herausstechen?

Wout Lievens: Ich bin seit der ersten Edition 2005 mit von der Partie und als Co-Organisator tätig. Weiterhin betreibe ich das Label dunk!records und bin für die Pressearbeit verantwortlich, außerdem spiele ich Schlagzeug in der Band STORIES FROM THE LOST. Als Festivalkonzept haben wir uns nach einigen Jahren experimentieller Musik auf die Sparten Post-Rock, Post-Metal, Drone, Neo-Classical und Sludge spezialisiert. Das Wunderbare an unserem Festival ist die Tatsache, dass wir musikliebende Menschen aus aller Welt bei uns in Belgien begrüßen dürfen, die oft ihre Freunde oder Familienmitglieder mitbringen – so entsteht ein sehr familiärer und harmonischer Vibe, der spürbar ist. Wir bieten weiterhin einen hohen Standard an Lichtinstallation und eine top ausgestattete Soundanlage. Ich denke das wird honoriert und hat sich herumgesprochen.


SLAM: Wie bereits erwähnt bewegt ihr euch im Spartenbereich der Post-Rock-Szene. Wie kuratiert ihr das Festival zwischen Headliner, Geheimtipps und Newcomern?

Wout Lievens: Jedes Jahr erarbeiten wir gemeinsam ab August ein für uns ideales Konzept-Line-up. Es beginnt anschließend mit der Kontaktphase, den Bands und ihren Booking-Agenturen. In den Folgemonaten geht es schließlich um die Bestätigung. Am Ende landen wir dann aber meist doch doch oft bei einem völlig anderen Line-up. Unser Ziel ist es immer die Balance zwischen großen namhaften Bands und spannenden Newcomer-Acts zu halten. Wir haben schließlich ein sehr musikbesessenes Publikum mit einem hohen Anspruch bei uns zu Gast – da freuen wir uns umso mehr, wenn sie von uns kuratierte Bands noch nicht kennen und sich erstmals live überzeugen lassen können. Natürlich können und wollen wir auch nicht drei Tage ausschließlich Post-Rock-Bands spielen lassen. Das wäre dann doch etwas eintönig auf Dauer. Experimente sind da wichtig: Gruppen mit Gesang, Seltsames, Obskures und dazwischen immer auch etwas mehr "heavy".


SLAM: Welche sind die größten Transformationen, die das Festival seit seiner Gründung vor über zehn Jahren durchgemacht hat?

Wout Lievens: Auf dem ersten Tagesfestival spielte ich noch mit meiner eigenen Band und bin erst in den kommenden Jahren in die Organisationsarbeit eingestiegen. Luc, mein Vater, der das Festival eigentlich gegründet hat, hatte immer eine Vision, alle Spartenbereiche der Rockmusik auf einem Festival zu versammeln. Ich denke die größte spürbare Veränderung ist die Entwicklung vom Tagesfestival zum Zwei- und mittlerweile Drei-Tage-Festival. Außerdem gibt es seit einigen Jahren auch eine zweite Bühne, prominentere Namen und verschiedene Spielorte. Anfangs noch ein Indoor-Festival, sind wir mittlerweile zum idyllischen Outdoor-Festival (mit Zeltbühne) umgestiegen.


SLAM: Auf welche Künstler freust du dich in diesem Jahr ganz besonders?

Wout Lievens: Das ist wie immer eine schwierige Frage. Als Booker freue ich mich natürlich auf jede einzelne Performance. Natürlich auch auf jeden einzelnen Auftritt der dunk!records-Bands: LETHVM, [ B O L T ], RANGES und viele andere. Ich versuche außerdem immer in der ersten Reihe die Konzerte zu genießen. RUSSIAN CIRLES, CASPIAN, ROSETTA und EF sind live immer eine Offenbarung. AU REVOIR kann ich jedem nur wärmstens empfehlen. Außerdem freue ich mich auf die Post-Hardcorer von CRANIAL. Mein persönlicher Anspruch ist es von jeder Band mindestens eine Handvoll Songs mitzunehmen.


SLAM: Kannst du uns an dieser Stelle etwas über die aktuelle alternative Musikszene in Belgien erzählen? Wir erkennen hier ein starkes Interesse an euren Bands – allen voran die Akteure aus dem CHURCH OF RA-Umfeld.

Wout Lievens: Wir denken hier längst auf einem europäischen Level. Hier sind Bands aus Belgien wie ALL WE EXPECTED, LETHVM, TERRAFORMER, CELESTIAL WOLVES, ILYDAEN und STORIES FROM THE LOST ganze vorne mit dabei, wenn es um Qualität innerhalb des Genres geht. Alle Bands haben ihre ersten Alben via dunk!records veröffentlicht, worauf wir sehr stolz sind. Und natürlich gehören AMENRA, THE BLACK HEART REBELLION und BRIQUEVILLE zu meinen persönlichen Lieblingsbands. Ja, es tut sich was in unserem kleinen Land.


SLAM: Was kannst du uns über deine eigene Band berichten?

Wout Lievens: Seit 2011 spiele ich Schlagzeug bei STORIES FROM THE LOST, vor einigen Wochen haben wir unser drittes Album veröffentlicht. Jedes Mitglied hat seinen ganz eigenen musikalischen Background und besondere Fähigkeiten, sodass es primär um den Spaß am gemeinsamen Entstehungsprozess von Musik geht. Musikalisch kann man das durchaus in die Sparte Post-Metal mit einem Touch Elektronik einordnen. Ich freue mich über einen Hördurchgang unseres Albums "Exoplanet" via Spotify, Soundcloud oder iTunes. Es ist übrigens unser erstes Album mit Gesang!


SLAM: Was können Neulinge auf dem dunk!festival 2018 erwarten?

Wout Lievens: Neben einem liebevoll zusammengestellten Line-up, herausragender Technik mit Audio- und Lichtshow ist es vor allem die Erfahrung, das Festival mitten in einer aufregenden Waldlandschaft zu genießen und Menschen aus aller Welt kennenzulernen, die Musik genauso innig lieben wie man selbst. Neben einer eingefleischten Crew, die in diesen Tagen alles gibt, legen wir vor allem Wert auf frisch zubereitetes Essen, belgisches Bier und kultige Afterpartys.


SLAM: Bei Zottegem, wo das Festival beheimatet ist, handelt es sich um eine Kleinstadt in der Provinz Ostflandern. Gibt es dort empfehlenswerte Aktivitäten, die man parallel zum Festival unternehmen kann?

Wout Lievens: Ein kleines Ritual unserer Besucher ist der Spaziergang durch die wunderbare flämische Waldlandschaft. Der beste Tipp ist es, vor oder nach dem Festival noch einen Abstecher in unsere benachbarte Szene- und Kulturstadt Gent zu machen, die nur 30 Minuten Autofahrt von Zottegem entfernt liegt. Es ist eine wundervolle Stadt mit einer perfekten Größe, um Kreativität, belgisches Essen und Szene zu entdecken und dem wunderschönen historischen Altstadtzentrum einen Besuch abzustatten – übrigens auch die Heimatbasis des CHURCH OF RA-Umfelds. Auch andere besuchenswerte Städte wie Antwerpen, Brüssel oder Brügge sind leicht zu erreichen.
 

SLAM: Was ist eine deiner persönlichen Liebingsmomente vergangener Festivaleditionen?

Wout Lievens: Sehr in Erinnerung geblieben ist die spontane Backstage-Party von 65DAYSOFSTATIC von 2012. Nach der Show hingen die Musiker backstage herum und haben auf ihren Laptops nach Musik gesucht. Einige Bier später wurde aus der improvisierten Session eine regelrecht ausartende Party, als wir die Laptops an unsere PA-Anlage angeschlossen hatten und das Ganze zu einer riesigen Party vor und hinter der Bühne geworden ist. Tatsächlich hatten wir dann unsere eigenen Security-Kräfte vor der Bühne stehen, die uns aufgefordert haben, die Musik leiser zu drehen, da unsere Camping-Besucher sich über die Lautstärke beschwert haben. Ich kann mich nicht mehr erinnern, ob wir das dann auch getan haben – aber ich erinnere mich an einen perfekten Festivalausklang. Seitdem organisiert unser BBQ- und Pommes-Team diese Aftershow-Partys – ihr werdet dem also nicht entgehen können.


SLAM: Welche Namen stehen bei euch ganz groß auf der Wunschliste für kommende Editionen?

Wout Lievens: Ich glaube eines Tages müssen wir es noch schaffen, die Götter des Post-Rock GODSPEED YOU! BLACK EMPEROR nach Belgien zu bekommen. Diese Band hat enorm viel für die Szene getan und ihre Live-Shows sind stets eine Grenzerfahrung. Alles ist hier natürlich eine Frage der Organisation und des Budgets – aber ihr könnt euch auch im nächsten Jahr auf einige Überraschungen freuen. Wir arbeiten fieberhaft daran unsere Wunschbands auf dem dunk!festival präsentieren zu können!


SLAM: Was kannst du uns über eure Gäste erzählen?

Wout Lievens: Bereits seit längerem haben wir ein sehr internationales Publikum. Da das Line-up, das wir anbieten, sehr spezifisch ist, kommen die Menschen von überall her, um Bands zu sehen, die selten Live-Auftritte spielen oder kaum in ihrer Region zu finden sind. Dazu muss ich sagen, dass die Post-Rock-Gemeinde ein sehr dankbares und unkompliziertes Publikum ist. Über die Jahre sind viele unserer Gäste enge Freunde und Unterstützer der Idee geworden. Wir sind während des Jahres in engem Kontakt, chatten über neue Musik und besuchen sie in ihrer Heimat, wenn wir mal Urlaub machen möchten.


SLAM: Zum Schluss bitte ich dich noch um ein paar Worte zur dunk!festival-Edition in den USA. Gibt es hier einen Unterschied zum europäischen Setting?

Wout Lievens: Die US-Edition können wir mit der Hilfe von David Zeidler von Young Epoch organisieren, der in Burlington lebt. Der Unterschied zur belgischen Edition ist, dass es sich in den USA um ein Indoor-Festival handelt, da wir in Amerika nicht die Kapazitäten und das Budget für den enormen Aufwand eines Outdoor-Festivals haben. In Belgien kümmern wir uns um alles selbst. In den USA mussten wir einen Produktionsmanager anheuern, der uns konstruktiv unterstützt hat, da es dort unüblich ist eine derartige Anzahl qualitativer Bands auf einem Festival spielen zu lassen. In Belgien wird alles von Freunden und Familienmitgliedern organisiert – nur die Techniker sind externe Kräfte. Auch die Zelte und Gastro-Stände werde von Freiwilligen aufgebaut. Das in den USA zu organisieren ist unmöglich für uns, was an den unterschiedlichen Regularien liegt. Bis auf die organisatorischen Handicaps bieten wir auch in den USA ein qualitatives Festivalpaket für Freunde der anspruchsvollen Rockmusik an.


SLAM: Die letzten Worte gebühren dir.

Wout Lievens: Ich möchte mich an dieser Stelle bei allen Menschen bedanken, die sich für die Post-Rock-Szene stark machen, die unser Festival im Mai besuchen werden und ihnen eine wunderbare Erfahrung wünschen, die hoffentlich das Potenzial hat, eines der schönsten Wochenenden des Jahres zu werden. Es gab eine Zeit, da hatten wir Nachbarn aus der unmittelbaren Umgebung, die mit der Musik vor Ort ursprünglich nicht viel anfangen konnten. Dem positiven Vibe des Festival ist es aber geschuldet, dass diese mittlerweile zu Fans und Enthusiasten geworden sind und mittlerweile in der ersten Reihe stehen. Viele von ihnen hatten oft keine Ahnung, dass es Musik wie diese gibt. Das bestärkt uns natürlich immer weiterzumachen. Vielen Dank auch an euch für das Interview und an die Leser. Es ist immer schön ein Gespräch mit Menschen zu führen, die sich für die Sache stark machen.


SLAM: Wir sehen uns im Mai! Vielen Dank für das Gespräch.


 
# # # D. Charistes # # #



Das diesjährige dunk!festival ist die 14. Edition in Zottegem, Belgien und findet vom 10.-12.05.2018 statt. Im diesjährigen Line-up vertreten sind unter anderem RUSSIAN CIRCLES, THE OCEAN, CASPIAN, EF, ROSETTA, GRAILS, RANGES, TIDES OF MAN, ZHAOZE, SOUP, AUE REVOIR, WORRIEDABOUTSATAN, THOT, CRANIAL, HEMELBESTORMER, OHGOD, RADARA, [ B O L T ], LETHVM, BESIDES, ASTODAN, THE ILLS und LA BESTIA DE GAUVADAN. Sechs weitere Headliner-Namen werden in den nächsten Tagen noch bekanntgegeben.


Das dunk!festival im Web: www.dunkfestival.be.


 
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