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"Kassettenkinder": Bei REVOLUTION EVE im Studio

Fünf Powerfrauen, die mit groovendem und eingängigem Post-Alternative Rock die Bühnen stürmen, das sind REVOLUTION EVE.

(C) REVOLUTION EVE / REVOLUTION EVE Arcade / Zum Vergrößern auf das Bild klickenDie erfahrenen und energiegeladenen Musikerinnen fanden sich im Mai 2012 zusammen, um ihre gemeinsame Freude an brachialem, aber dennoch melodischem Rock zu feiern und auszuleben. Das Resultat: Eine explosive, mitreißende und feminine Rockband, die ihresgleichen sucht. Elektronische Beats, gemischt mit Heavy Rock-Drums und bewährten Metalgitarren, bilden die Basis für den harten und dennoch melodischen Sound der Band. Diesen kann man sich unter anderem auf der 2013 erschienenen EP "Arise" oder auf einem ihrer überregionalen Gigs gerne genauer anhören. REVOLUTION EVE spielten bereits auf zahlreichen Festivals und teilten die Bühne mit namhaften Künstlern und Bands wie MEGAHERZ, JENNIFER ROSTOCK, NASHVILLE PUSSY und VALIENT THORR. Im Jahr 2015 erscheint der erste Longplayer der fünf Musikerinnen aus der Nähe von Frankfurt am Main.


REVOLUTION EVE: "Rocking Games" – ein Interview mit Michael Edele

Harter Rock, energiegeladene Live-Performances, was macht eine Rockband eigentlich zum "chillen” hinter der Bühne? Zocken natürlich! Wie kam es dazu? So!


Retro Gaming ist im Moment in aller Munde, ein Trend sozusagen, doch die Mädels von REVOLUTION EVE nehmen ihre Passion sehr ernst. Das Feuer der Begeisterung für Retrospiele wurde vorwiegend durch Marias Games-Sammlung neu entfacht. Ganz besonders ihre wuchtigen Arcade-Automaten ("Terminator 2" und ein Universal-Cabinet) laden ein, nach anstrengenden Studiosessions bei einer Runde "Bubble Bobble" oder "Outrun" zu entspannen. Doch alle Künstlerinnen haben auch ihre eigene Gaming-Vergangenheit.


Diana fing mit einem Tetris-Handheld an, auf dem sie bis zum Exzess gespielt hat, bis sie sich von ihrem Konfirmationsgeld einen NES leisten konnte – inklusive "Super Mario Bros."! Trotz vieler Anläufe konnte sie aber nie die dritte Welt hinter sich lassen. Hätte sie damals schon Simone gekannt, die bis heute bei Nintendo arbeitet, hätte diese ihr bestimmt den einen oder anderen Trick verraten. Simone selbst tauchte allerdings mit einer "Pong"-Konsole ihres Vaters in die bunte Welt der Videospiele ein. Doch die Nintendo-Konsolen infizierten auch sie, natürlich, arbeitete sie doch täglich damit. Besonders begeisterten sie die Handhelds.


Maria hatte einen Atari von VCS, der zuerst ihrem Bruder gehört hatte. Der alljährige Urlaub mit den Eltern nach Spanien brachte ihr die Spielhallenkultur im Ausland näher. Sie bettelte ihre Eltern erfolgreich um Peseten an, um die "Donkey Kong"- und "Scramble"-Automaten zu füttern. Über einen längeren Abstecher am C64 kam sie dann zum Atari ST. Dummerweise war die Gaming-Szene zu dieser Zeit nicht besonders groß, was Atari anging, und erst nach einer längeren Gaming-Pause wurde sie durch den PC wieder angesteckt.


Conny war da schlauer, sie hatte sich für den Amiga entschieden. Exzessives Spielen von "Monkey Island" schnitt sie komplett von der Außenwelt ab und sie ging auf in der Welt der Spiele. Außerdem besaß sie einen Handheld, der heute in Sammlerkreisen durchaus hoch gehandelt wird, den "Nintendo Game & Watch: Fire".


Nikkes erste Konsole war ein "Intellivision", die Konkurrenzfirma zu Atari. Speziell das Modul "Skiing" hatte es ihr angetan. Umso mehr glänzten ihre Augen, als sie dieses Spiel bei Maria wieder entdeckte. Sie war für Stunden nicht mehr von der Konsole zu trennen. Aber auch den Verlockungen des C64 und der "BASIC"-Programmierung war Nikke erlegen. Ihre Lieblingsgames waren "Adventureland", "Wizardry" und "Zork".
Aber auch heute noch merkt man ihnen ihre Gaming Vergangenheit an.


Speziell die Musik des SID-Chips vom C64 hat es Maria angetan. Den prägnanten Lead-Sound setzt sie immer wieder gern in Songs ein. Auch die damals sehr beschränkten "Samples" finden Eingang in ihre Kompositionen. Unter anderem enthält der Track "Prey" neben SID-Sounds Samples aus den Games "Beach Head" und "Mission: Impossible". Äußerst faszinierend findet Maria die ersten Sprach-Synthesen, die der C64 ermöglichte. Das Programm "Sam, say it!", bei dem man Sätze eintippen konnte (der Computer gab sie dann als Sprache wieder, 1985 eine Sensation!), hat einen ganz eigenen Charme, den Maria bei ihren Kompositionen gerne nutzt.


Bis heute dienen diese Spiele also dem künstlerischen Ausdruck der Band und ihrer Entspannung zugleich. Sie sind untrennbarer Teil ihrer Musik geworden und das ist doch das Beste, was man über ein Spiel sagen kann!


(C) REVOLUTION EVE / Cubase 2.1 Atari 1024 ST / Zum Vergrößern auf das Bild klicken"Digital Audio Workstations im Wandel der Zeit": Im Gespräch mit Maria Kimberly Huehn

"Ich habe schon sehr früh mit dem C64 angefangen, Musik zu komponieren. Das sah noch alles sehr abenteuerlich aus. Die Firma "Jellinghaus Music Service" bot eine DAW auf einer riesigen Platine an, die in den Expansion Port gesteckt wurde, damit man auch ja keinen Speicher vom Rechner selbst verbrauchte. Als Midi-Interface musste eine zweite Platine aufgesetzt werden. Audioaufnahmen waren natürlich reine Utopie, da gab es nur Midi. Heißt im Klartext: Du konntest einen Song mit fünf, maximal sechs Midispuren basteln, dann war der komplette Rechner voll! Drei Minuten, mehr war nicht drin. Dabei war das Programm für seine Zeit eigentlich cool und auch optisch von der Bedienung her gar nicht so weit von dem weg, was man heute kennt: Es gab schon eine Metronomfunktion und sogar eine Quantisierung. Das funktioniert in seinem bescheidenen Rahmen auch heute noch genauso wie damals. Auch das Keyboardmodul, das MT 32 von Roland (gerne auch bei Games genutzt), besitze ich nach wie vor.


Anfang der 1990er war ich dann eine der "Unglücklichen", die sich keinen Amiga, sondern einen Atari ST gekauft hatte. Wobei man das auch von zwei Seiten betrachten kann. Ein Nachteil war ganz klar, dass man mit kaum jemandem Spiele tauschen konnte, da fast alle einen Amiga besaßen. Außerdem hatte der Atari ST zwei Ausgänge – einen für Farbe und einen für Monochrome. Und ein paar Programme liefen tatsächlich nur auf Monochrome, was ich nicht wusste. Der große Vorteil von Atari ST war jedoch die Musik-Software: Cubase 2.0! Die konnte zu der Zeit zwar auch nur Midi bearbeiten, war aber natürlich deutlich leistungsstärker und umfangreicher als die vom C64. Und der Atari hatte bereits ein Midi-Interface eingebaut. Der Atari war zum Arbeiten damals das, was der Mac heute für PC-User ist. Der Amiga war primär ein "Spiele-PC".


Danach hatte ich eine ganze Zeit lang mit PCs gar nichts mehr am Hut und verwendete einen Fostex 4-Spur-Recorder zum Aufnehmen. Die Aufnahmen konnte man per "Ping Pong"-Verfahren spiegeln und zusammen auf eine Spur mischen, dadurch wurden die gespiegelten Spuren wieder frei. Irgendwann hat man zwar nur noch Rauschverhalten dupliziert, aber das war zumindest ein Anfang.


Für das Studium musste ich mir einen PC mit Cakewalk als DAW zulegen. Damit hab ich aber zunächst nicht wirklich viel gemacht, weil es mit dem PC recht kompliziert war, mit Midi-Dateien zu arbeiten (MPU 401 Midi "Peitsche etc…"). Doch eines Tages stellte ich fest, dass ich mit dem PC sogar Audioaufnahmen machen konnte! Eine ganz neue Welt tat sich nun auf und ich war begeistert. Ich arbeite nach wie vor mit Cakewalk (Sonar) und bin damit absolut zufrieden. Durch all die Plugins und Softwaresynthesizer ist die Arbeit unterdessen natürlich viel komfortabler geworden. Ich nutze vier Monitore und eine schier unendliche Anzahl von Audiospuren. So macht das Komponieren und Aufnehmen noch viel mehr Spaß!"


(C) REVOLUTION EVE / REVOLUTION EVE / Zum Vergrößern auf das Bild klickenREVOLUTION EVE: "Women in Rock", wie alles entstand – ein Interview mit Michael Edele

Diana: Maria und Simone hatten zuvor schon gemeinsam Musik gemacht, doch ganz gegen ihre Gewohnheit eher soft und chansonartig. Als sich die Band auflöste, wollte Maria zurück zu ihren Wurzeln: Rockig und härter, zudem weg von den deutschen Texten. Simone war damit mehr als einverstanden. Die beiden machten sich 2012 im Internet auf die Suche, zunächst nach einer Sängerin.
Maria: Diana hab ich tatsächlich über eine Anzeige auf einer Internetplattform für Musiker entdeckt. Da sie da aber monatelang nicht draufgeschaut hat, war das ein bisschen schwierig. Ich habe richtig viel Zeit investiert, um eine Sängerin zu finden, und immer wieder das Profil nach Bildern und Musik abgesucht. Diana trug auf ihrem Bild Rasta-Locken, was mir sehr gefiel! Als ich hörte, dass du, Diana, auch Growls machst, war ich echt begeistert.
Diana: Ja, ich hab damals noch bei FAINT OF ENEMY gesungen. Das war eine Metalcore-Band, die in die Richtung KILLSWITCH ENGAGE ging.
Maria: Genau, und dann hab' ich dich bei Facebook wiederentdeckt und dich nochmal angeschrieben. Allerdings ging es mir unterdessen um Gesangsunterricht, weil ich die Sängersuche schon beinahe aufgegeben hatte. Ich war echt frustriert und hatte entschieden, von nun an selbst zu singen, mir doch egal, wie das klingt, dachte ich. Ich muss einfach Musik machen und sei es allein oder zweit. Wir trafen uns kurz nach Ostern 2012 zu einer Gesangsstunde, bei der ich eine Version von "Prey" dabei hatte.
Diana: Den Song fand ich von Anfang an cool und hatte auch ganz spontan eine Melodie dazu im Kopf. Zum Glück gefiel sie dir, Maria, und nun darf ich genau diese Melodie auch singen… den Text schrieb ich damals aber auf Deutsch, weil ich endlich unbedingt deutsche Texte singen wollte.
Maria: Ja, und ich wollte unbedingt davon weg. (alle lachen)
Diana: Dann haben wir uns im Mai zum ersten Mal getroffen und nach der ersten Session hab' ich mich in euch verliebt. (lacht)
Maria: Wir haben dann zu dritt entschlossen, dass wir ein Demo machen wollen. Die Drums programmierten wir, den Bass spielten wir selbst ein, um herauszufinden, wohin uns unser gemeinsamer Weg führen wollte und sollte. Das Ganze geschah bei Kalle in den "Farmland Studios" – es stellte sich heraus, dass sich Kalle und Diana schon länger kannten.
Diana: Kalle besuchte wie ich eine Fortbildung in Trossingen – genau zu der Zeit, zu der Maria mich angeschrieben hatte. Kalle hatte davon erfahren und meinte gleich: "Ist gut, kannste machen!"
Simone: Der nächste Zufall geschah, als wir einen Drummer gesucht haben. Diana hatte zu der Zeit Schlagzeugunterricht bei Klaus Hessler, dieser empfahl uns auf Nachfrage Nikke (Blout). Wir schauten uns ein paar Youtube-Videos an und waren wirklich sehr beeindruckt. Sie spielte eher so Jazz/Fusion-Sachen, aber einfach verdammt gut. Wir dachten tatsächlich, Nikke wäre viel zu gut für uns. Sie selbst dachte das zum Glück nicht. (lacht) Was wir besonders schätzen: sie hat einen guten Punch und spielt voller Begeisterung, mit richtig Power.
Maria: Es war eigentlich gar nicht geplant, dass REVOLUTION EVE eine reine Frauenband wird, aber letztendlich hat es sich ebenso ergeben.
Simone: Ich hab mir das schon 'n bisschen gewünscht. 'ne Frauenband mit Eiern. (alle lachen)
Diana: Ich fand das eigentlich immer eher doof, 'ne reine Frauenband. Ich hab' mich mit Frauen nie verstanden und musikalisch schon gar nicht. Ihr habt mich da tatsächlich eines Besseren belehrt.
Simone: Nikke kam zu uns in die Band, hat drei, vier Proben mit uns gemacht und dann ging es auch schon ins Studio, um das Demo aufzunehmen. Jetzt mit echten Drums, nichts war mehr programmiert. Drei Tage, fünf Songs. Zunächst hat Kalle den Bass eingespielt, doch als Conny (Marschall) zur Band kam, nahm sie ihre Spuren nochmal neu auf. Sie kam vier Wochen vor unserem ersten Gig im Dezember 2012 dazu. Conny hab' ich auch durch das Internet gefunden. Damit waren wir dann tatsächlich eine All-Girl-Band.
Maria: Die ersten beiden Jahre waren echt sehr geil. Wir haben bislang mit MEGAHERZ, NASHVILLE PUSSY und JENNIFER ROSTOCK zusammen gespielt. Das war vor 700 Leuten, das ist doch super!
Simone: Das ging Schlag auf Schlag: Demo, Videoclip, Konzert – und jetzt steht das erste Album an.
Maria: Wir spielen noch keine Touren, sondern bislang weitgehend Festivals. Wenn man an Songs schreibt und diese immer wieder ausprobiert, bleibt man leider oft an Melodielinien hängen, die man eigentlich nur provisorisch verwenden wollte. Aber man gewöhnt sich dann mehr und mehr dran, anstatt sie bewusst auszuarbeiten. Diese Zeit haben wir uns jetzt im Studio genommen und unsere Songs überprüft, besonders die Gesanglinien ausgearbeitet und profiliert. Das hat sich wirklich gelohnt. Und es ist gar nicht so einfach, denn du nimmst Abschied von einer Gesangslinie, die du richtig lieb gewonnen hast, obwohl sie nur eine vorläufige war!
Simone: Dabei ist sogar aus einem Song auf einmal ein ganz anderer geworden. Wir wollten den alten Song verbessern und machten einen neuen daraus.


 
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