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Mord in Serie 27

Dem tödlichen Treiben des Cyberkriminellen Spider X wurde ein Ende gesetzt. Die Ruhe ist trügerisch, denn ein anderer Hacker steht bereits in den Stadtlöchern, um das Erbe der Spinne anzutreten.

(C) Contendo Media / Mord in Serie 27 / Zum Vergrößern auf das Bild klickenNur knapp ist Hannover der Katastrophe entgangen. In letzter Sekunde schaffte es Marina Forster, die Spinne zu stoppen. Dabei wäre die junge Polizistin beinahe ums Leben gekommen, ebenso Isabelle Adamzyk, besser bekannt als Spider X. Seitdem fristet die Studentin, die als Spinne zu den gefährlichsten Hackern im weltweiten Netz zählt, ein Leben im Rollstuhl. Für die Öffentlichkeit sind beide Frauen bei einem schweren Verkehrsunglück gestorben. Die Polizei der Stadt sah keine andere Möglichkeit, um ihre Leben zu schützen, denn die Gefahr ist keinesfalls gebannt.


Ein ehemaliger Kriminaltechniker schickt sich an, die Nachfolge der Spinne anzutreten. Akribisch widmet er sich der Aufgabe, die von der Spinne erstellte Todesliste abzuarbeiten. Forster und ihre ehemalige Gegenspielerin nehmen den Kampf gegen Deep Thought auf. Zwei ebenbürtige Gegner treffen aufeinander und liefern sich ein tödliches Katz-und-Maus-Spiel mit ungewissem Ausgang. Wird es der Spinne in einem letzten großen Gefecht gelingen, ihren Herausforderer zur Strecke zu bringen?


Markus Topf lässt seinen Hörern keine Zeit zum Durchatmen, erneut lädt er uns ein zu einem weiteren Trip ins Netz der Spinne. Gleich zu Beginn wartet die Geschichte mit zwei handfesten Überraschungen auf, die beiden Hauptfiguren des ersten Teils weilen noch unter den Lebenden und die Spinne arbeitet nun auf der Seite des Gesetzes. Getrieben wird sie dabei von dem Wunsch nach Rache, den abtrünnigen Kriminaltechniker Götz für ihren folgenschweren Unfall bezahlen zu lassen. Das Motiv der Spinne ist dabei durchaus nachvollziehbar, warum die Behörden sich allerdings mit einer mehrmaligen Mörderin einlassen, um einen anderen Kriminellen zu stellen, wird in wenigen Sätzen nur bedingt beantwortet. Das Schicksal der Opfer rutscht an den Rand.


Die Bemühungen, Götz zu finden und hinter Schloss und Riegel zu bringen, entwickeln sich alsbald zu einem blutigen Verwirrspiel, in dem beide Seiten immer wieder neue Haken schlagen, um ihren Gegner außer Gefecht zu setzen. All dies geschieht mit einem enormen Tempo und nimmt den Hörer schnell gefangen. Der Nervenkitzel des ersten Teils tritt ein wenig in den Hintergrund zugunsten einiger sehr dicht arrangierter Actionszenen, die bis zum Ende nicht verraten, wer als Sieger des Schlagabtauschs vom Platz gehen wird. Den besonderen Reiz des zweiten Teils von "Im Netz der Spinne" macht natürlich der über die gesamte Spielzeit andauernde Wettstreit der beiden Hacker aus, die alles daransetzen, den jeweils anderen zu übertrumpfen.


Dazu kommt der brandaktuelle Ansatz dieser Episode. Man bekommt vorgeführt, wie abhängig sich der Mensch von Technik gemacht hat und welche weitreichenden Konsequenzen dies für jeden Einzelnen haben kann. Nachdem man sich dieses Hörspiel angehört hat, bleibt man mit dem unguten Gefühl zurück, dass der Begriff der Privatsphäre bald antiquiert sein könnte. "Im Netz der Spinne" stellt die Frage nach dem gläsernen Menschen und ob wir wirklich gewillt sind, diesen Weg mitzugehen, damit ist man sehr nahe am Puls der Zeit und greift ein brandaktuelles Thema auf. Wer sich eher in ruhigeren Gewässern zuhause fühlt und dem Dialog absoluten Vorrang gibt, dürfte mit "Im Netz der Spinne Teil 2" seine Probleme haben. Denn die Handlung schreitet schnell voran und bietet dem Hörer eine ganze Palette von unterschiedlichen Handlungsorten, die alle mit einer großen Liebe zum Detail superb inszeniert wurden.


Als Beispiele seien hier der Keller eines Klosters oder die hektische Atmosphäre der Hannover-Messe angeführt. Aber auch bei ruhigeren Momenten wie einem Gespräch am Seeufer kann die Soundkulisse mit Natürlichkeit und unaufgeregter Art punkten. Die Musik bietet dieses Mal eine breitere Palette an unterschiedlichen Stilen als dies noch im ersten Teil der Fall war. Verwendete man für den Auftakt des Zweiteilers noch vorwiegend elektronische, kühle Melodien, so kommen im zweiten Anlauf eher klassische Töne zur Untermalung oder auch mal harte Gitarren zum Einsatz. All das passt aber immer zur jeweiligen geschilderten Szene der Geschichte.


Erneut macht es viel Spaß Stephanie Kirchberger als Ermittlerin zu hören. Sie schafft es Marina Forster und ihren Antrieb, ihren ehemaligen Kollegen zur Strecke zu bringen, glaubhaft zu transportieren. Die Spinne ist sicherlich kein Menschenfreund und war lange Zeit auf den eigenen Vorteil bedacht, was geschieht, wenn sie sich auf einem Rachefeldzug befindet, fängt Luisa Wietzorek gekonnt mit der ganzen Bandbreite ihrer Stimme ein und kann dabei mehr als überzeugen. Tobias Schmidt ist als Götz Nuhr, der große Gegenspieler von Isabelle Adamzyk, zu hören. Seine Interpretation der Rolle ist in Ordnung, allerdings hätte es noch ein wenig mehr Präsenz und an der einen oder anderen Stelle auch ein wenig mehr Fiesheit in der Stimme sein dürfen.


Dazu kommen eine Menge alter Hasen des Hörspielbusiness, die wie immer auf einem über jeden Zweifel erhabenen Level agieren, darunter bekannte Namen wie Lutz Mackensy, Rüdiger Schulzki, Katja Brügger und Lutz Riedel. Im direkten Vergleich fällt der zweite Teil von "Im Netz der Spinne" minimal ab, was ihn zu einem nur noch "sehr guten" und unterhaltsamen Hörspiel macht. Grund dafür ist der Verlust des Gefühls der allgegenwärtigen Bedrohung durch einen Unbekannten, das im ersten Teil permanent vorhanden war. Teil zwei lebt von einem Kampf zweier ebenbürtiger Gegner, die zum Äußersten bereit sind, um ihren Kontrahenten zur Strecke zu bringen, und zeigt eindrucksvoll das "Mord in Serie" auf den Thriller-Olymp zurückgekehrt ist.


 
# # # Justus Baier # # #



Publisher: Contendo Media




 



 
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