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Mord in Serie 29

In Dresden herrscht eine aufgeladene Stimmung. Rechte Gruppierungen machen Stimmung gegen Asylanten. Plötzlich geht ein Wohnheim in Flammen auf.

(C) Contendo Media / Mord in Serie 29 / Zum Vergrößern auf das Bild klickenVon einer Minute auf die andere geht eine Asylunterkunft in Dresden in Flammen auf. Die Feuerwehr ist rechtzeitig vor Ort, sieht sich aber mit einem rechten Mob konfrontiert, der keinerlei Interesse zeigt, den Brand einzudämmen. Der angerückte Löschzug lässt sich jedoch nicht beeindrucken und bringt das Feuer unter Kontrolle. Umso größer ist der Schrecken, als man in der zurückgebliebenen Ruine die Leiche eines Mannes entdeckt. Die Kriminalpolizei nimmt die Ermittlungen auf. Nach kurzer Zeit besteht keinerlei Zweifel, der Tote ist kein Brandopfer, sondern wurde zuvor erstochen. Aus einem möglichen Unglücksfall ist Mord geworden.


Der Fall wird immer brisanter, als die Identität des Toten geklärt werden kann. Der Ermordete zählte zum Sicherheitspersonal des Asylbewerberheimes. Doch damit nicht genug, das Opfer war früher Polizist und seit geraumer Zeit in der rechten Szene Dresdens aktiv. Livia Marx beginnt gemeinsam mit ihrem Mann Nachforschungen anzustellen, wer ein Interesse am Tod des Mannes gehabt haben könnte. Schnell ergibt sich ein großer Kreis von Personen mit einem Motiv. Livia ist klar, dass der aktuelle Fall einem Wettlauf gegen die Zeit gleicht, denn ein weiterer Mord könnte die aufgeheizte Stimmung in der Stadt eskalieren lassen.


Thriller von der Stange kann jeder, hat sich wohl auch Contendo Media gedacht, als man das Drehbuch zu "Brennender Hass" in Auftrag gab, denn wenn man sich auf die Suche nach Hörspielen begibt, die auf aktuelle Ereignisse Bezug neben und auch bereit sind anzuecken, schrumpft die Anzahl schon deutlich. Wenn es dann auch noch gelingt, gesellschaftliche Entwicklungen geschickt in eine spannende und intelligente Story zu verpacken, wird das Feld mehr als überschaubar. "Brennender Hass" ist eine dieser dünn gesäten Ausnahmen von der Regel.


In Dresden wächst die Ablehnung gegenüber Flüchtlingen und generell allem Fremden. Seit Wochen befindet sich die Stadt im Ausnahmezustand. Es scheint als bedarf es nur einer Kleinigkeit, um das Fass zum Überlaufen zu bringen. Vor diesem spannendenden Background entfaltet Markus Topf eine spannende und fintenreiche Mörderjagd und lässt dabei immer wieder wie zufällig nachdenkliche und kritische Anmerkungen in seine Dialoge einfließen, die man durchaus als Fingerzeige auf aktuelle Akteure in der politischen Szene Sachsens deuten und verstehen kann.


Der nicht gerade kleine mögliche Täterkreis sorgt dafür, dass es immer wieder zu überraschenden Wendungen im Plot kommt, die den aktuellen Fall der "Mord in Serie"-Reihe bis zum Schluss zu einer kurzweiligen Angelegenheit machen. Während der Hatz nach dem scheinbar gesichtslosen Täter nimmt die Story wie gewohnt schnell ordentlich an Fahrt auf. In einem hohen Tempo wechseln sich actionreiche Momente mit kurzen, ruhigeren Momenten ab, in denen neuen Hinweise gesammelt werden und neue Verdächtige in den Fokus geraten. Erstmalig greift man innerhalb der Serie auf ein bereits bekanntes Ermittlergespann zurück. Allerdings bedarf es nicht der Kenntnis von "Feuerengel", um den zweiten Fall von Christian und Livia Marx folgen zu können.


Produktionstechnisch bleiben nur wenige Wünsche offen. Die verwendeten Geräusche klingen authentisch und glaubwürdig, was besonders in der Anfangsszene, wenn die Feuerwehrmänner dem aufgebrachten Mob gegenüberstehen, für eine enorme Zuspitzung der aufgeheizten Atmosphäre sorgt. Aber auch sonst gerät "Brennender Hass" zu einer sehr lebendigen und modernen Angelegenheit, was durch die Inszenierung größerer Menschenmengen sowie Radio- und Fernsehausschnitten scheinbar mühelos gelingt. Die Dialoge sind wieder einmal wie aus dem Alltag gegriffen und es gelingt sogar Wortwechsel in einem Dialekt glaubhaft rüberzubringen, ohne ins Lächerliche abzudriften.


Wie bereits in "Feuerengel" übernehmen auch dieses Mal Nana Spier und Hanno Friedrich die Rollen des Ehepaar Marx. Beide scheinen einen großen Spaß bei den Aufnahmen gehabt zu haben, denn ihre Dialoge leisten ebenfalls einen großen Beitrag dazu, dass dieses Hörspiel so überzeugend um die Ecke kommt. Dazu gesellen sich weitere bekannte Sprecher wie Douglas Welbat, Dagmar Dreke, Kai Henrik Möller oder Michael Che-Koch, die dieses Hörspiel durch ihre Mitarbeit veredeln. "Brennender Hass" ist spannend und unterhaltsam, aber auch unbequem, da hier der Finger in die Wunde gelegt wird und eine Veränderung der Gesellschaft thematisiert, die ein Schreckgespenst heraufziehen lässt, das wir 1945 endgültig überwunden glaubten.


 
# # # Justus Baier # # #



Publisher: Contendo Media




 


 
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