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Mord in Serie 30

Manche Leben verlaufen leider ganz anders als geplant. Sie gelten als verpfuscht. Viele arrangieren sich mit ihrem Schicksal, einige jedoch sind nicht bereit dazu und entwickeln sich zu tickenden Zeitbomben.

(C) Contendo Media / Mord in Serie 30 / Zum Vergrößern auf das Bild klickenEddie Brunner ist kaputt. Verzweifelt bemüht er sich, das Trauma einer unglücklichen Kindheit hinter sich zu lassen und sucht sein Heil in den Armen der Bundeswehr. Diese macht aus dem jungen Mann eine hochtrainierte Killermaschine, jederzeit bereit zu töten. Doch der Einsatz am Hindukusch verläuft ganz anders als vorgesehen. Während einer Routinemission werden Unschuldige getötet und Brunner gerät in Gefangenschaft. Die Taliban foltert den jungen Soldaten, um an Informationen zu gelangen. Schließlich gelingt es seinen Kameraden ihn aus den Händen seiner Peiniger zu befreien, doch zu welchem Preis?


Zurück in Deutschland ist Brunner ein menschliches Wrack, die Bilder von der Front und der anschließenden Folter lassen ihn nicht mehr los. An ein normales Leben ist nicht mehr zu denken. Drogen diktieren den Lebensablauf, alles um nur wenigstens in Ruhe schlafen zu können. Immer öfter schleichen sich Gewaltfantasien in die Gedanken des jungen Mannes. Um dem totalen Zusammenbruch zu entgehen, beschließt Eddie an den Ort seiner Kindheit zurückzukehren, hier hofft er seine alte Jugendliebe wiederzutreffen und seinem Leben einen neuen Sinn geben zu können. Doch alles kommt ganz anders und Brunners Leben versinkt in einer blutigen Spirale aus Drogen und Gewalt.


Wenn man den Inhalt mit wenigen prägnanten Worten auf den Punkt bringen möchte, schießt einem sofort "Natural Born Killers" in der deutschen Provinz durch den Kopf. Erzählt wird die Geschichte zweier vom Leben enttäuschter Loser, die auf ihrem Weg in den Abgrund zunehmend Gefallen an Sex, Drogen und Gewalt finden. Trotz der tragischen Lebensumstände von Cindy, einer desillusionierten Nutte, die nur bis zum nächsten Schuss denkt und Eddie, einem abgebrannten Veteranen ohne soziale Bindungen und einer zusehend aus den Fugen geratenen Psyche, bieten sich keinerlei Möglichkeiten eine Bindung zu den Charakteren aufzubauen geschweige denn Sympathie zu empfinden. Irgendwie gilt dies eigentlich für das gesamte Figurenensemble dieser Folge von "Mord in Serie".


Wir begegnen hier einem Panoptikum von gestörten Zuhältern, Pädophilen und anderen verkrachten Existenzen am Rande der Gesellschaft, selbst die Ermittler, die nur am Rande agieren, bieten kaum Identifikationsmöglichkeiten. Überhaupt weicht diese Folge in vielerlei Punkten vom bisherigen Serienschema ab, es gibt hier keinen zu klärenden Mordfall oder ein anderes Verbrechen, das es zu lösen gilt, sondern lediglich eine Spur von Gewalt und Zerstörung, die nur einen Weg kennt – nach unten. Ob man die Gewalt als sinnlos empfindet oder als gelungenes Stilmittel zur Inszenierung eines harten Thrillers bleibt jedem selbst überlassen.


Nicht wenige von uns werden sich sicherlich beim Hören dabei ertappen, dass es das eine oder andere Opfer des an Bonny und Clyde erinnernden Paars sein Los durchaus verdient hat, auch wenn das Ende hier nie schnell oder leicht um die Ecke lugt. Auf inhaltliche Winkelzügel oder Schnörkel wird verzichtet, geradlinig skizzieren die beiden Autoren Markus Topf und Timo Reuber den Weg zweier Menschen, der nur im Abgrund enden kann, für einen Blick nach rechts oder links bleibt da kaum noch Zeit. Auch ein Exzess der Gewalt sollte passend inszeniert sein und nicht ins Lächerliche abdriften, dies ist im vorliegenden Fall definitiv gelungen, einige Szenen wirken auf beklemmende Art realistisch und machen das Zuhören nur schwer ertragbar. Ebenso gelingt es mühelos, die verschiedenen Schauplätze dieses Hörspiels passend zu gestalten, das gilt ebenso für das afghanische Hinterland wie auch den nächtlichen Rave in der Provinz.



Die Sprache ist oft hart und direkt, aber in diesem Fall vollkommen angemessen und schafft auch auf dieser Ebene die notwendige Härte. Bei den Sprechern gibt es viel Licht, aber auch Schatten. Während Oliver Kube und Greta Galisch de Palma als Verliererpaar Eddie und Cindy brillieren und auf einen sehr realistischen Trip in die Hölle entführen, agiert ein Frank Fabry vollkommen übertrieben und überzeichnet, seine Rolle wirkt so eher als Karikatur anstatt als glaubwürdige Interpretation eines Kleinstadtluden. Gerhard Fehn als Freier mit furchtbarem Akzent klingt leider nicht authentisch, sondern wirkt einfach deplatziert.


Neben vielen neuen und unverbrauchten Stimmen, die noch nicht allzu oft in einem Hörspiel zu hören waren, kommen bekannte Routiniers wie Ulrike Möckel, Wolfgang Bahro und Ulrike Stürzbecher zum Einsatz, die allesamt einen ordentlichen Job abliefern. "Bis in den Tod" nimmt innerhalb der Reihe eine Sonderstellung ein. Der hier nachgezeichnete Weg nach unten ist erschreckend realistisch und manchmal schwer zu ertragen. Dieses Hörspiel wird sicherlich polarisieren und zur Diskussion einladen. Sicherlich nicht das Schlechteste in einer Zeit, in der vieles glattpoliert und stromlinienförmig daherkommt.


 
# # # Justus Baier # # #



Publisher: Contendo Media




 


 
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