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Mord in Serie 32

Laut einer These kann jeder Mensch im Laufe seines Lebens zum Mörder werden. Was macht allerdings aus einem normalen geistig gesunden Menschen einen wahnsinnigen Serienkiller, der keinerlei Grenzen zu kennen scheint?

(C) Contendo Media / Mord in Serie 32 / Zum Vergrößern auf das Bild klickenDie Bürger Münchens sind beunruhigt, schon wieder ist eine junge Frau spurlos verschwunden. Es gibt keinerlei Hinweise darauf, was geschehen sein könnte. Kurz darauf wird ihre schrecklich zugerichtete Leiche entdeckt, in einem flachen Grab im Wald verscharrt. Obwohl die knapp Zwanzigjährige mit einer Plastiktüte erstickt wurde, wird schnell klar, dass dies kein normaler Mordfall ist, denn dem Opfer wurden mit einer chirurgischen Säge die Arme entfernt. Die zuständige Kommissarin Yvonne Bachmayer nimmt die Ermittlungen im Todesfall der ermordeten Studentin Bea Nonnsen auf, doch die Nachforschungen verlaufen allesamt im Sand.


Als Bachmayer glaubt in einer Sackgasse angelangt zu sein, erhält sie den Anruf eines Kollegen aus Hamburg. Ralf Jensen bearbeitet ebenfalls einen Mord an einer jungen Frau. Es gibt beruhigende Parallelen zwischen beiden Fällen, auch in Hamburg wurden der Toten Körperteile entfernt. Langsam wird klar, dass offenbar ein Serienmörder sein treibt, der in ganz Deutschland aktiv ist. Man beschließt gemeinsam die Suche nach dem Täter fortzusetzen, doch dieser scheint seinen Häschern immer einen Schritt voraus zu sein, bis es plötzlich einen sehr konkreten Hinweis gibt, wer für die grausamen Taten verantwortlich ist. Weder Bachmayer noch Jensen ahnen, dass sie kurz davor stehen in eine tödliche Falle zu tappen.


Der seit einigen Folgen erkennbare Trend der Serie, in Sachen Härte und Brutalität eine ordentliche Schippe draufzulegen, setzt sich auch im Fall von "Gemini" fort. Dies betrifft vor allen jene Szenen, in denen wir miterleben, was den Opfern des Serienkillers zustößt. Das dürfte sicherlich nichts für zarte Gemüter sein, schließlich wird hier auch mal das eine oder andere Körperteil eingebüßt. Ungewöhnlich ist ebenso, dass eigentlich bereits in den ersten Minuten feststeht, wer für die aufsehenerregenden Verbrechen verantwortlich zeichnet, somit ist der Hörer dem Ermittlergespann von Beginn an immer eine Nasenlänge voraus. Die Spannung resultiert hier eher daraus, wie die beiden Kommissare auf die richtige Spur gelangen und ob es ihnen gelingt, weitere Morde zu verhindern, somit ist die Bezeichnung Thriller durchaus treffend und wesentlich besser gewählt, als wenn man "Gemini" als Krimi bezeichnen würde.


Weite Teile der Handlung werden aus zwei Perspektiven erzählt, die des Täters und jene der Vertreter des Gesetzes, die sich zwangsläufig aufeinander zubewegen und schließlich in ein furioses Finale münden. Ein erheblicher Part der Geschichte wird von einer beklemmenden und einschüchternden Atmosphäre geprägt, was dem skrupellosen Vorgehen einiger Protagonisten geschuldet ist, denen für das Erreichen ihres Ziels jedes Mittel recht scheint. Zu den sicherlich am längsten im Gedächtnis bleibenden Momenten dieses Hörspiels dürften wohl jene Augenblicke zählen, wenn klar wird, welch traumatische Ereignisse aus unschuldigen Kindern blutrünstige gewissenlose Bestien machen. Inhaltlich ist "Gemini" definitiv eine ausgewogene Mischung aus ruhigeren Passagen, in denen sich auch eine mögliche Beziehung zwischen den Kommissaren andeutet, und spannungsgeladenen Sequenzen, wenn wieder ein neues Opfer entdeckt oder zum Schluss endlich die Jagd auf den Täter eingeläutet wird.


Gerade wenn man Deutschland als Handlungsort für einen Thriller um einen potentiellen Serienkiller wählt, bedarf es Authentizität. Contendo hat beim neuesten Fall von "Mord in Serie" diese Herausforderung angenommen und ein Hörspiel erschaffen, in dem die Motive des Killers ebenso glaubwürdig und nachvollziehbar sind wie das Auftreten des Ermittlungsteams und die Herangehensweise an den Fall, der sich über die halbe Republik erstreckt. Der Einsatz von Dialekten kann ein probates Mittel sein, diesen Eindruck noch zu untermauern, geht allerdings in nicht wenigen Fällen vollkommen daneben, weil das Resultat im besten Fall noch peinlich klingt und zum Fremdschämen einlädt. Dem Produktionsteam von "Gemini" ist es gelungen, diese beliebte Falle zu umgehen und auf Sprecher zurückzugreifen, die diese Dialekte tatsächlich auch beherrschen und die eingeforderte Authentizität bestätigen.


Großes Lob hat auch die Gestaltung der Klangräume verdient. Führt die Handlung an einen See, so klingt die Szene auch nach einem Gewässer im Hamburger Hinterland. Ein weiteres gutes Beispiel ist an dieser Stelle auch die Münchener Pressekonferenz, wo es mit wenigen Mitteln gelingt, die Nervosität und Hektik eines solchen Umfelds einzufangen. Überhaupt sind die Geräusche und Soundeffekte gut gewählt und gehen die erwünschte Symbiose mit dem gesprochenen Wort ein. Das Markenzeichen von Contendo ist und bleibt die Natürlichkeit der Dialoge, hier klingt nichts gestelzt, sondern aus dem Leben gegriffen. Vorbildlich! Wieder sind es ein gutes Dutzend Stimmen, die "Gemini" zu einem guten Hörspiel machen. Großen Anteil daran haben sicherlich Dagmar Bittner und Detlef Tams als Ermittlerteam Yvonne Bachmayer und Ralf Jensen. Es macht große Freude, die beiden bei ihrem Fall zu begleiten, und es gelingt recht schnell, sich mit ihnen zu identifizieren und mitzufiebern, ob sie den Killer zur Strecke bringen.


Harald Schwaiger übernimmt die Rolle des exzentrischen Gerichtsmediziners Dr. Pfaffmann, dessen urbayrische Art einen schönen Kontrast zu der ansonsten düsteren Stimmung dieser Produktion bildet. Louis F. Thiele schlüpft in die Figur des geistig und moralisch kranken Killers und sorgt mit seiner Sprechweise und den oft abrupten Stimmungswechseln mehr als nur einmal für eine ordentliche Portion Gänsehaut. In kleineren Nebenrollen sind bekannte Akteure wie Till Hagen, Santiago Ziesmer und Claudia Urbschat-Mingues zu hören, die selbst mit ihren kurzen Auftritten dieses Hörspiel zu bereichern wissen. "Gemini" ist ein grundsolider Thriller, der Fans der härteren Gangart mit seiner kompromisslosen und schonungslosen Attitüde begeistern wird. Wer einen gediegenen Landhauskrimi für einen regnerischen Sonntagnachmittag will, liegt hier hingegen definitiv falsch.


 
# # # Justus Baier # # #



Publisher: Contendo Media




 


 
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