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Movie-Review: Gainsbourg – Popstar, Poet, Provokateur (Euro Video)

Serge Gainsbourg, gleichermaßen gefeierter wie umstrittener französischer Nationalheld, wird endlich mit einem Film über sein Leben geehrt. Erhält man tiefere Einblicke in den Mann hinter der Popkulisse Gainsbourg oder wird lediglich an der Oberfläche eines tiefgründigen Genies gekratzt?

(C) Euro Video / Gainsbourg: Popstar, Poet, Provokateur / Zum Vergrößern auf das Bild klickenDer Film beginnt mit Gainsbourgs Jugend in Frankreich, wo es der junge Lucien Ginsburg – so sein eigentlicher Name – als Kind russischer Juden nicht gerade einfach hat. In den 1940er Jahren nimmt Lucien Unterricht in der Malerei an der Montmartre, wenig später muss er sich jedoch vor der SS im Wald verstecken. Nach dem Zweiten Weltkrieg wird sein gesamtes Leben bis hin zu den letzten Auftritten 1988 beleuchtet, wobei kein Wert darauf gelegt wird ein authentisches und realistisches Künstlerporträt abzuliefern. Dafür hätte man sich auch den falschen Regisseur ausgesucht, denn Joan Sfar kommt aus der Comic-Szene ("Donjon") und verpasste dem Film einen ordentlich surrealistischen Anstrich.


Gainsbourgs Alter Ego, auch "die Fresse" genannt, tritt im Film als ständiger Begleiter des französischen Schürzenjägers auf und wird von niemand Geringerem gespielt als dem durch "Pans Labyrinth" und die "Hellboy"-Filme schon kostümerprobten Doug Jones, der seine Bewegungen überraschend gut an die des erwachsenen Gainsbourg (Eric Elmosnino) anpasst. Dieses Comic-hafte Alter Ego ist nur eines von vielen Elementen, die sich Sfar aus der Welt der Neunten Kunst ausleiht, um dem Film ein besonderes Flair zu verleihen. Natürlich kann man nun auch die durchaus verständliche Meinung vertreten dass durch diese surrealistische Überzeichnung der reale Mensch an Authentizität verliert, dass die mögliche Tiefe der Charakterisierung dadurch behindert wird, aber dabei darf man nicht vergessen dass "die Fresse" ein nicht unbedeutender Teil im echten Leben des Künstlers war. Und dieser wurde in der Art und Weise, wie es Sfar angegangen ist, noch am besten in den Film integriert.


Auch unternimmt der Film nicht den Versuch, die Psyche des Protagonisten in voller Tiefe zu erkunden, zu erklären oder gar verständlich zu machen, man konzentriert sich ohnehin eher auf die Exzesse, Frauengeschichten und Skandale des extrovertierten Lebemanns. Und das gelingt ausnehmend gut. Man bekommt zwar keinen Einblick in die Seelenwelt und erfährt auch nicht welcher Mensch wirklich hinter der öffentlichen Person stand die Gainsbourg verkörpert hat, dafür bekommt man ein vages Verständnis für seinen Charme, für seine Wirkung auf Frauen, seine Vorstellungen von Leben und vor allem von seinem Image als skandalträchtiger Künstler, das er zeitlebens mit vollem Einsatz gepflegt hat.


Auch wenn Joan Sfars Verfilmung allgemein als Biographie oder Biopic gehandelt wird, ist sie das nur bedingt. Vielmehr ist es eine erfrischend neuartige Interpretation der Informationen, die über den Frauenhelden im Umlauf sind, eine Konzentration genau auf die Dinge, die ihn schon zu seinen Lebzeiten zur Legende machten und da Ausschweifungen eine große Rolle in seinem Leben gespielt haben, wirkt auch das realisierte und aktiv agierende Comic-Alter Ego nicht fehl am Platz, sondern ergänzt den perfekten, wenn auch eigensinnigen Stil dieses Films um eine weitere sehr gelungene Facette. Wer sich eine detailgetreue Biographie von Serge Gainsbourg erwartet, wird etwas überrascht von der innovativen Art der Darstellung sein, sich aber schnell daran gewöhnen und diese bunte, teilweise schräge Inszenierung einer trockenen, dafür auf das Innenleben konzentrierten Darstellung vorziehen.



# # # Christoph Höhl # # #





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