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Oblivion Song 2

Sein Bruder ist über Nathan Coles Rückkehr wenig erfreut, die Armee hingegen sehr über einen potentiellen Neuzugang in ihrem Waffenarsenal.

(C) Cross Cult Verlag / Oblivion Song 2 / Zum Vergrößern auf das Bild klickenIn unserer schönen neuen Welt, in der Comics schon Monate vor ihrem tatsächlichen Erscheinen angekündigt werden, gibt es nur mehr wenig Platz für plötzliche Überraschungen. Außer bei Robert Kirkman, denn der Mann versteht es, die Leserschaft in jene Zeit zurückzuversetzen, in der er selbst als Fanboy im Laden seines Vertrauens stand und aufregende neue Titel entdecken konnte, von denen er noch nie gehört hatte. Mit der Veröffentlichung von "Die! Die! Die!", die hierzulande bald auch bei seinem deutschen Stammverlag Cross Cult aufschlägt, ist ihm das bereits einmal geglückt und kürzlich ein zweites Mal mit dem abrupten Ende seines Survival-Dauersellers "The Walking Dead" mit der Nummer 193. Gegen allfällige Entzugserscheinungen, was Kirkman'sche Kreationen betrifft, hilft neben der Lektüre des bereits als Fernsehserie umgesetzten "Outcast" natürlich auch "Oblivion Song", dem wie kürzlich verlautbart die Ehre einer Verfilmung zuteil werden soll.


Im zweiten Band findet sich Nathan Cole im Gewahrsam der Behörden wieder, denen er (ebenso wie uns Lesern) die Hintergründe des desaströsen Experiments verrät, das zum Transport eines ganzen Staddteils von Philadelphia in eine von bizarren Kreaturen bewohnte Parallelwelt sorgte. In der Zwischenzeit bemerkt der von ihm zurückgeholte Edward, dass ihm seine Heimat und die Menschen dort fremd geworden sind und ihn hier nichts hält. Praktischerweise kreuzen sich die Wege der beiden Brüder wieder, da Heather ihren Freund befreit hat, um den sogenannten Binärketten-Generator dem Zugriff der Armee wieder zu entziehen, die (wenig überraschend) eine Waffe daraus machen will. Die Flucht glückt, doch Edward will nicht nur zu seiner Gemeinschaft zurückkehren, sondern auch andere mit drastischen Mitteln von seinen Ansichten überzeugen.


Am Ende der zwölften Ausgabe, die diesmal das letzte Kapitel stellt, könnte eigentlich ein riesiger Banner mit der Aufschrift "Happy End" prangen, wenn da nicht wieder so ein unheimlicher (und natürlich auch unheimlich guter) Cliffhanger wäre, mit dem Meister Kirkman seiner Story eine neue Wendung gibt. Nathan Coles Canossagang gefällt dank tatkräftiger Unterstützung von Zeichner Lorenzo de Felici und Koloristin Annalisa Leoni nicht nur als in Sci-Fi-Gewänder gestecktes Gruselkabinett voll monströser Albtraumungeheuer aus einer fremden Welt, sondern auch als zum Nachdenken anregendes Hinterfragen von scheinbar in Stein gemeißelten Werten unserer Konsum- und Wachstumsgesellschaft. Mit seinen Pageturner-Qualitäten hat "Oblivion Song" bereits jetzt einen etwaigen Stempel als bloßer "TWD"-Ersatz für die monatliche Dosis Sozialstudie obsolet gemacht.


 
# # # Andreas Grabenschweiger # # #



Publisher: Cross Cult Verlag




 


 
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