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Review: Höllennacht

Stephen Leather legt einen Okkult-Thriller mit herrlicher 1970er Jahre Horror-Atmosphäre vor, in dessen Mittelpunkt eine wahrhaft höllische Erbschaft steht.

(C) Blanvalet Verlag / Höllennacht / Zum Vergrößern auf das Bild klickenWirft man einen Blick in die Literatur, findet sich, ohne lange suchen zu müssen, eine Fülle von Romanen und Erzählungen, in denen die Hauptfiguren ihre Seele dem Teufel verpfänden. Die Gründe dafür sind ebenso mannigfaltig wie die Charaktere, die sich zu solch einem Schritt entscheiden. Mit "Höllennacht" wählt der Autor Stephen Leather einen anderen Ausgangspunkt für seinen Roman. Jack Nightingale, ein ehemaliger Polizist und nun als Privatdetektiv tätig, wird aus heiterem Himmel Erbe eines großen Vermögens. Den plötzlichen Reichtum hinterließ ihm sein leiblicher Vater, von dem er bisher keinerlei Ahnung hatte. Sein Leben wird auf den Kopf gestellt.


Die Fassade seines bisherigen Lebens bekommt immer mehr Risse und wird ohne Rücksicht eingerissen. Nach und nach zeichnet sich ab, dass sein Vater vor seiner Geburt seine Seele dem Teufel verkauft hat, die dieser zu seinem dreiunddreißigsten Geburtstag einfordern wird. Dumm, dass dieser nur noch wenige Tage entfernt ist. Nightingale stellt sich seiner Vergangenheit und versucht die Frage zu klären, ob sein Vater einfach nur seinen Verstand verloren hat oder die Angaben auf dem von ihm hinterlassenen Video tatsächlich der Wahrheit entsprechen.


Leather geht die Sache geschickt an. Während sein Protagonist beginnt, sich mit okkulten Wissen zu beschäftigen, werden nebenher viele hinlänglich bekannte Methoden zur Kontaktaufnahme mit übersinnlichen Kräften als Scharlatanerie enttarnt. So ist es nicht verwunderlich, dass "Höllennacht" anfänglich wie ein Krimi mit okkulten Einschlag wirkt. Doch je tiefer Nightingale bei seinen Recherchen in die Parallelwelt von Satanisten, Hexen und Magiern eindringt, desto undurchsichtiger wird, was nun real und was die Ausgeburten verwirrter Geister ist.


Über weite Strecken des Romans fühlt man sich an subtile Horrorfilme wie "Rosemaries Baby" oder "Die neun Pforten" erinnert. Personen, die Licht ins Dunkel um Jack Nightingales Vergangenheit bringen könnten, finden ein grauenhaftes Ende, wenn sie ihr Wissen preisgeben wollen. Dabei scheinen immer dunkle Mächte ihre Finger im Spiel zu haben. Daneben begegnet Jack einer ganzen Anzahl von seltsamen Figuren, die ein großes Interesse an der geheimen Bibliothek seines leiblichen Vaters haben. Diese undurchsichtigen Akteure sorgen beim Leser für zusätzliche Verwirrung, denn bei ihrem Auftauchen lassen sie bisherige Ereignisse, die bis dato noch logisch erschienen, in einem ganz anderen Licht erscheinen.


Durch dieses kokettieren mit dem Okkultfilm der 1970er Jahre versprüht das Buch einen ganzen eigenen Flair, der es schwer macht, es bei Seite zu legen. Zudem erwartet den Rezipienten ein fieser Cliffhanger, der eine Fortsetzung in Aussicht stellt. Lediglich zum Ende hin beginnt "Höllennacht" ein wenig zu schwächeln, nämlich dann, wenn die Klischees einfach zu sehr überhandnehmen. Als Ganzes gesehen kann dieses Buch jedoch überzeugen, denn es weiß den Leser über lange Strecken zu fesseln. Ein spannender Thriller, für den es lediglich einen Abzug in der B-Note gibt, da der Autor es sich nicht nehmen ließ, einige bereits zu breitgewalzte Klischees zum Einsatz zu bringen.



# # # Oliver Fleischer # # #



Publisher: Blanvalet Verlag





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