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RUDIMENTAL: Wie beim Malen

Vor dem Auftritt und ihrer anschließenden USA und Europa-Tour konnten wir Amir Amor, Musiker und Produzent von RUDIMENTAL, zu einem Interview treffen.

(C) Sarah Schindler / RUDIMENTAL / Zum Vergrößern auf das Bild klickenVier Background-Vocals heizen dem Publikum ordentlich ein. Treibende Drum and Bass-Beats bringen das Publikum zum Toben. Trotz der Tatsache, dass sich das vierköpfige Musikkollektiv noch nicht einmal auf der Bühne befindet, wirkt es schon recht voll in Hamburgs größtem Musikclub auf der Reeperbahn, dem Docks. Gefolgt von den Vocal-Acts Ann-Marie und Will Heard, den Stimmen des brandneuen Albums "We The Generation", betreten RUDIMENTAL die Bühne und die Stimmung im Publikum wird noch besser.


Kein Wunder, dass sie zum beliebtesten Festivalgast gekürt wurden und auch schon die Bühne des Rock am Ring für sich gewinnen konnten. Die wechselnden Instrumente, die elektronischen Sounds, gepaart mit ihrem unvergleichlichen Drum and Bass, lässt weder ihnen noch dem Publikum eine Atempause.


Wir sprachen Amir Amor, Musiker und Produzent von RUDIMENTAL, über den Beginn ihrer Musik und klären auch die Frage, ob er selbst auch gut singen kann.


Wie bist du zur Musik gekommen?

Ich habe angefangen Musik zu machen, als ich noch Jugendlicher war – in einem Jugendzentrum ehrlich gesagt. Es war ein Ort für Kinder, die nicht so gut in der Schule waren. Der Mann, der das Zentrum betrieb, wollte mich erst nicht teilnehmen lassen, aber schließlich klappte es doch und ich war sofort infiziert. Dort ist meine Liebe zur Musik erwacht – für mich ist dort der Anfang.


Du bist Musikproduzent, hast mit vielen Leuten gearbeitet. Wie bist du zu RUDIMENTAL gekommen?

Ich hatte dieses Studio, Major Tom's, zusammen mit Nick. Es war zu dem Zeitpunkt nicht sonderlich erfolgreich. Ich versuchte kommerziell Fuß zu fassen, was wirklich schwierig war, als Produzent kam ich gut zurecht. Aber das Studio... ehrlich gesagt war es ein ganz schöner Kampf, das Studio über Wasser zu halten. Zu dieser Zeit traf Nick einen Typen, der das Label Black Butter besaß. Black Butter hatte die Band RUDIMENTAL und ein paar andere Leute. Aber keiner von ihnen konnte seine Musik vollenden. Ich war als Produzent sehr erfahren und so kamen wir zu dem Schluss, zusammenzuarbeiten. Ich arbeitete mit den Künstlern und half, ihre Musik in die richtige Form zu bringen. Ich habe eigentlich mit jedem von Black Butter gearbeitet, bevor ich anfing, mit RUDIMENTAL zu arbeiten. (lacht)


(C) Sarah Schindler / RUDIMENTAL / Zum Vergrößern auf das Bild klickenMit der Single "Feel The Love" kam euer Erfolg. Wie kam es zu dem Song?

"Feel The Love" war ein großer Erfolg. Aber es war auch eine Menge Arbeit. Ich hatte RUDIMENTAL noch gar nicht kennengelernt, als sie mir diesen Song geschickt haben. Er lag sechs Monate auf meinem Computer. Eine schlichte Idee mit diesem Orgelsound und sehr einfachen Vocals, vielleicht eine Minute lang, oder auch weniger. Ich habe sechs Monate nichts damit gemacht. Dann habe ich angefangen und ehrlich gesagt war der Song gar nicht schlecht. Ich habe angefangen ihn zu produzieren und zu bearbeiten, ich fügte Bläser in den Mittelpart ein und Drums am Anfang und Ende. Und als er sich ungefähr so anhörte wie jetzt, wusste ich, dass dieser Track etwas wirklich Besonderes ist. RUDIMENTAL hatte ich bis hierhin immer noch nicht getroffen. Aber ich nahm diesen wirklich genialen Song und schickte ihn an ein paar Labels: Zu Ministry of Sound und zu Asylum Records. Die kannte ich, da ich schon vorher mit ihnen gearbeitet hatte. Ich bekam überhaupt keine Antwort. Sie hatten es offensichtlich nicht mal angehört. Ich war am Flughafen, wollte in den Urlaub fliegen, als der Anruf von Asyslum Records kam. Sie wollten diesen Song. Da habe ich sie das erste Mal getroffen. Wir waren im Studio und ich sagte: "Ich habe diesen Deal für euch, wollt ihr den haben?" Und sie sagten: "Ja." Aber Asylum hat zur Bedingung gemacht, dass ich sämtliche Musik für sie produziere. Zu der Zeit war ich mir gar nicht sicher, da ich auch andere Sachen machen wollte. Aber man sagte mir, RUDIMENTAL wäre eine gute Entscheidung, also tat ich es. Wir unterschrieben den Vertrag: Asylum, RUDIMENTAL und ich als Produzent. "Feel The Love" wurde veröffentlicht und ein großer, ein riesengroßer Erfolg. "Feel The Love" war ein wirklich langer Prozess, aber auch der Grund, warum ich jetzt hier bin.


Seitdem arbeitet ihr sehr eng und viel zusammen. Ihr habt viele Touren gemacht, auf Festivals gespielt und Songs im Studio produziert. Vorher hast du nicht immer mit den gleichen Leuten gearbeitet. Wie ist das?

Wir verbringen wirklich eine Menge Zeit miteinander und sind alle ganz eigene Charaktere. Es gibt einen Grund, warum das seit "Feel The Love" alles funktioniert: Wir respektieren uns und unsere Arbeit. Zusammen zu schreiben, Musik zu machen, ist nicht immer einfach, es ist ein Prozess. Auch mal aneinander zu geraten, zu diskutieren, nicht einer Meinung zu sein, gehört zum Prozess. Aber das alles für das große Ganze, das Produkt, das wir kreieren, das ist wichtiger als alles andere.


(C) Sarah Schindler / RUDIMENTAL / Zum Vergrößern auf das Bild klickenVermisst du die anderen, wenn ihr euch eine Zeit lang nicht seht?

Ich glaube nicht, dass wir dafür bisher Zeit hatten. Jetzt zum Beispiel komme ich nicht mit auf die USA-Tour. Ich wäre wirklich gern dabei. Es macht so viel Spaß auf Tour zu sein. (schweigt kurz) Doch ich werde sie vermissen, auch wenn ich es hasse, das zu sagen. Es ist so. (lacht)


In euren Songs singt ihr nicht selbst...

(Unterbricht die Frage lachend) Wir singen doch im Background. Wir sind großartige Background-Vocals.


In euren Songs singt ihr nicht selbst, sondern habt immer Vocal-Acts. Warum singt ihr nicht selbst?

Nun, es ist wie bei einer Farbpalette, wie beim Malen: Mit nur einer Farbe bist du irgendwie eingeschränkt. Besonders mit den Einflüssen, mit denen ich aufgewachsen bin. Warum sollte ich also meine Musik mit meiner eigenen einzigartigen oder einer anderen Stimme begrenzen? Mit verschiedenen Stimmen ist es wie mit einer Palette an Farben, von der ich wählen kann, die immer wieder wechselt. Auf dem ersten Album waren es John Newman und Sinead Harnett und all die anderen. Auf diesem Album sind es Anne-Marie und Will Heard und es war eine neue Inspiration. Es lässt uns kreativ sein und hilft uns dorthin zu kommen, wo wir hin wollen. Wir würden gerne mit jedem neuen Album auch mit neuen Leuten zusammenarbeiten.


Würdest du sagen, dass jede dieser Personen Einfluss auf den Song hat, den sie singt.

Ja, ihre Stimme ist der Einfluss. Eigentlich schwer zu sagen. Den Song "Lay It All On Me", den jetzt Ed Sheeran singt: Wir hatten den geschrieben, viele Leute haben ihn gesungen. Den Song "I Will For Love" hat ursprünglich jemand anderes gesungen. Wir haben so lange ausprobiert, bis es für uns richtig war. Und dann war klar: Will Heard war perfekt dafür und wir haben noch andere Songs mit ihm probiert.


(C) Sarah Schindler / RUDIMENTAL / Zum Vergrößern auf das Bild klickenAber der Song ist bereits fertig, bevor ihr nach der Stimme dazu sucht?

Ja. Manchmal. Bei anderen schreiben wir zusammen. Normalerweise kommt der Sänger und gibt seinen Input in dem Moment, in dem er dazukommt. Er schreibt einige Wörter um, macht es für sich passend, so wie es auch sein soll.


Würdest du deinen Freunden ein Geburtstagsständchen singen?

(Lacht) Ähm... nein. Manchmal singe ich unter der Dusche.


Wirklich?

Ja. Ich weiß nicht, ob ich es jemals gesagt habe, aber tatsächlich hat Pierce eine ganz gute Stimme, er hat wirklich eine gute Stimme. Begrenzt, aber gut. Sie ist eigentlich wirklich cool in diesem Bereich. Vielleicht haben wir irgendwann einen Song, der passt und dann... warum nicht. Vielleicht finden wir auch mal einen für mich – na, ich weiß nicht. Aber eigentlich sind wir einfach auch schüchtern. (grinst) Ich denke das ist vielleicht der Grund.


 
# # # Interview & Fotos: Sarah Schindler # # #


 
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