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Seven – Das Ende aller Tage 3

Alles, was die Auserwählten bisher erlebten, stellt sich als harmlos heraus. Eric und Esther müssen erkennen, was es wirklich bedeutet, sich auf das Unbekannte einzulassen.

(C) Fritzi Records / Seven - Das Ende aller Tage 3 / Zum Vergrößern auf das Bild klickenIn der mauretanischen Wüste überschlagen sich die Ereignisse. Eben noch auf der Flucht vor mörderischen Sandkreaturen, die aus dem Nichts erschienen, um Jagd auf die beiden Parapsychologen zu machen, befinden sich Esther und ihr Assistent bereits wenige Augenblicke später mit einer sonderbaren Steintafel im Gepäck in einem Flugzeug hoch über den Wolken. Doch der Jet mit den Wissenschaftlern an Bord ist nicht einfach irgendeine Maschine im Landeanflug auf New York, sondern eines jener Flugzeuge, die am 11. September 2001 die Twin Towers zum Einsturz bringen werden. Den Tod vor Augen müssen sie die schreckliche Wahrheit erkennen, dass der Angriff auf die Stadt, die niemals schläft, kein Akt von Terroristen ist.


Tatsächlich handelt es sich um eine von langer Hand geplante Aktion der Regierung. Doch kaum haben Eric und Esther die Tragweite ihrer Entdeckung begriffen, verlieren sie das Bewusstsein. Als sie aus ihrer Ohnmacht erwachen, müssen sie erkennen, dass alle bisherigen Vorkommnisse erst der Auftakt für noch weitaus dramatische Ereignisse waren. Esther und Eric sind erneut durch die Zeit gereist und finden sich an einem Ort wieder, den sie nur aus den Sagen und Legenden kennen, Atlantis. Die mystische Insel im Atlantik zeigt sich jedoch von einer nicht vermuteten Seite. Atlantis ist keinesfalls ein Ort des Friedens und der Forschung, sondern ein Ort des Bösen, an dem eine unbarmherzige Diktatur alles und jeden ausrottet, die ihren Zielen im Weg steht. Von der ersten Minute an wird der Aufenthalt zum Überlebenskampf. Wird es den beiden Parapsychologen gelingen lange genug am Leben zu bleiben, um zu erfahren, was sie an diesen erschreckenden Ort geführt hat?


Widmeten sich die ersten beiden Teile immer gleich mehreren Protagonisten im ultimativen Kampf zwischen Gut und Böse, so stehen nun allein Eric und Esther im Mittelpunkt des Geschehens und schlagen gleichzeitig ein Kapitel auf, mit dem die Storyline in die ferne Vergangenheit nach Atlantis verlegt wird. Im Kontrast zu den bisherigen Folgen setzt man dieses Mal direkt zu Beginn auf hohes Tempo und eine ordentliche Portion Action, was sich bis zum letzten Drittel von "Stadt der Götter" konsequent fortsetzt. Zwar werden erste kleine Geheimnisse für den Hörer offenbart, was der Ausflug in die ferne Vergangenheit tatsächlich bezwecken soll bleibt jedoch im Dunklen.


Erneut erfährt man zudem etwas mehr über die Vergangenheit von Eric, was einige Ereignisse aus den vorangegangen Folgen in ein etwas anderes Licht rückt und nachvollziehbarer macht. Allerdings werden eine Menge neuer Fragen in den Raum gestellt, die den geneigten Hörer mit einer ordentlichen Portion Ratlosigkeit zurücklassen. Hoffentlich werden diese losen Enden möglichst schnell zum bisherigen Handlungsverlauf in Bezug gesetzt, ansonsten droht man sich durch die vielen Nebenschauplätze zu verzetteln.


Atlantis wird im Serienkosmos von "Seven" als Diktatur eingeführt, die noch nicht einmal davor zurückschreckt die Gedanken seiner Bewohner kontrollieren zu wollen, ein Ansatz, dem man immer wieder einmal im Genre der Science-Fiction begegnet. Hier vermengen sich zudem noch Begrifflichkeiten der NS-Diktatur wie etwa "Unterrassen", die immer wieder im Zusammenhang mit Ausrottung und Internierungslagern fallen, was es mehr als schwer macht, dieses Hörspiel zur reinen Unterhaltung zu konsumieren. Erneut sind leider auch in den Dialogen wieder sprachliche Schwächen zu entdecken, die eigentlich mit der zweiten Folge überwunden schienen. Häufige Wiederholungen, wie etwa der "Schöne Eric", schmerzen irgendwann im Ohr. Der dritte Output zeichnet sich außerdem durch ein hohes Maß an Grausamkeit und Brutalität aus, exemplarisch sei hier die Rückblende in Erics früheres Leben genannt, sodass jeder selbst entscheiden soll, ob ihm diese härtere Gangart zusagt oder eben nicht.


Die verwendeten Musikstücke passen wie bereits in den Vorgängern gut zu den geschilderten Ereignissen und sorgen für einen runden Gesamteindruck. Enorm aufgewertet wird der musikalische Anteil natürlich durch den von der deutschen Metalband THORNBRIDGE beigesteuerten Titelsong. Die große Herausforderung dieser Episode war es sicherlich eine untergegangene, vollkommen fremdartige Hochkultur zum Leben zu erwecken und eine ans antike Rom erinnernde Arena glaubwürdig mit Hilfe von Soundeffekten in Szene zu setzen. Beide Aufgaben wurden mit Bravour gemeistert, schnell nimmt eine blutige Kulisse aus grauer Vorzeit vor dem geistigen Auge Gestalt an, die mit Elementen kombiniert wird, wie sie uns der Science-Fiction-Literatur bekannt sind.


Für "Stadt der Götter" wurden nahezu zwei Dutzend Sprecher rekrutiert. Schon ein erster Blick auf die nicht eben kurze Liste an Namen macht deutlich, dass man nichts dem Zufall überlassen wollte und eine ganze Anzahl gestandener Synchron- und Hörspielprofis verpflichtet hat. Wolfgang Condrus führt erneut als souveräner Erzähler durch das blutige Geschehen und macht dabei eine mehr als respektable Figur. Seine ruhige aber dennoch markante Stimme ist ein angenehmer Ruhepol zu den oft hektischen Ereignissen, die "Stadt der Götter" auszeichnen. Douglas Welbat ist als skrupelloser Narco-Baron zu hören, der bereit ist ein Höchstmaß an Gewalt einzusetzen, um seine Ziele zu erreichen. Streckenweise ein furchterregender Auftritt, der lange in Erinnerung bleiben wird.


Till Hagen schlüpft hier in die Rolle des geisteskranken Diktators und füllt diese Rolle mit Leben, dass es einem angst und bange wird, wahrscheinlich sind es die Ruhe und Gelassenheit, die er dabei ausstrahlt, die für mehr als ein kurzes Frösteln sorgen. Uschi Hugo und Marcus Off sind wieder als Eric und Esther zu hören und schaffen es einmal mehr, ihre Figuren gekonnt in Szene zu setzen. In weiteren Rollen sind Engelbert von Nordhausen, Peter Kirchberger, Peter Lontzek und Uli Krohm zu hören, die allesamt zur ersten Liga der Hörspielakteure zählen.


Mit "Stadt der Götter" nimmt "Seven" ordentlich an Fahrt auf und drückt das Gaspedal zum Bodenblech durch, was für über eine Stunde guter Unterhaltung sorgt. Welchen Platz diese Folge jedoch im großen Ganzen einnimmt ist zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht zu erkennen. Bei den Dialogen bedarf es weiterhin mehr an Feintuning, insbesondere bei der Wortwahl besteht Nachholbedarf. Trotz der angeführten Kritik ist "Stadt der Götter" ein unterhaltsames und hörenswertes Hörspiel innerhalb einer Serie geworden, bei der noch nicht abzusehen ist, wohin inhaltlich die Reise gehen wird. Sicherlich eines der spannendsten Projekte des Hörspieljahres 2019.


 
# # # Justus Baier # # #



Publisher: Fritzi Records




 


 
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