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Wir waren Charlie

"Mal ehrlich, glaubst du eigentlich, dass man mit einer Zeichnung die Welt verändern kann?"

(C) Reprodukt / Wir waren Charlie / Zum Vergrößern auf das Bild klickenDiese Frage lässt Luz, der mit bürgerlichem Namen Rénald Luzier heißt, sein jüngeres Ich in "Indélébiles" stellen. Von Reprodukt unter dem Titel "Wir waren Charlie" veröffentlicht stellt es eine weitere Verarbeitung seiner Zeit bei "Charlie Hebdo" dar. Während er in "Katharsis" ("Catharsis") die Trauer und Bestürzung über den Tod vieler Freunde zu verarbeiten suchte, widmet sich der vorliegende Band der Aufgabe, die Erinnerung an diese in liebevoller Manier hochzuhalten und gleichzeitig gegen die bleierne Schwere anzukämpfen und anzuzeichnen, die sich mit dem Attentat auf die Redaktion am 7. Januar 2015 für immer auf sein Leben und das aller anderen Hinterbliebenen senkte.


Das sinnlose Gemetzel islamistischer Attentäter, das zwölf Menschen das Leben kostete, wird mit keinem Wort und keinem Bild explizit erwähnt, stattdessen stehen die ersten Gehversuche des aus Tours nach Paris gekommenen jungen Künstlers, die Selbstzweifel am eigenen Talent und der abwechslungsreiche Alltag mit den manchmal spitzbübischen, aber immer hilfsbereiten Kollegen der 1992 wiederbelebten Satirezeitschrift im Zentrum der Geschehnisse. Und Politik, jede Menge Politik, sozusagen das tägliche Brot von "Charlie Hebdo", der lustvolle Spott über die Niederungen der französischen Politik aus dezidiert linker Perspektive. Hier hilft nicht mit der Grande Nation der 1990er und 2000er bewanderten Lesern ein Blick in den erhellenden Anhang am Buchende.


Trocken gerät die Materie aber keinesfalls, denn von scheinbar Profanem wie dem Umgang mit technischen Neuerungen bis hin zu nicht immer harmlosen Recherchen in Konfliktgebieten – seien es jene auf dem Balkan zur Zeit der Sezessionskriege oder ganz nahe in den Banlieues – gibt es hier auch viele Gags zu lesen, die im wahrsten Sinne des Wortes das Bild einer eingeschworenen Gemeinschaft und, ja, einer Familie zeichnen. Wie die Lektüre von "Wir waren Charlie" bewusst macht, begreifen und begriffen Luz und seine Mitstreiter sich als Reporter, als Journalisten mit spitzer Feder. Und selbige kann, um die eingangs zitierte Frage wieder aufzugreifen, zwar die Welt nicht mit dem bloßen Druck auf Papier, sehr wohl aber durch die Inspiration der Mitmenschen verändern.


 
# # # Andreas Grabenschweiger # # #



Publisher: Reprodukt




 


 
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