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ALEC EMPIRE

25.10.05, ARENA (WIEN)
alece / Zum Vergrößern auf das Bild klickenoder Es Ist Doch Nicht So Einfach, Ein Chippendale Zu Werden

„Bin ich in der richtigen Halle?“ entfährt es mir, als ich den Arena-Saal, in dem ich Herrn EMPIRE vermutet hatte, betreten habe. Der Ort ist nahezu verlassen, erst die Sitzrampe offenbart einige gelangweilte Zuschauer. Und das eine Stunde nach offiziellem Konzertbeginn. Unnötig zu sagen, dass die Bühne auch noch verlassen ist. Zweiter Gedanke: „Hab ich sie vielleicht gar verpasst?!“ Nein, werde ich beruhigt, weder das eine noch das andere. Aus der Hasse gegenüber dröhnt es laut heraus, dass Deutschland sterben muss. „Eine Punkband“, werde ich informiert. Nach und nach wird die Musik hier im Saal lauter, ein elektronisches Set, gefällt eigentlich sehr gut, aber irgendwie würde man eine Stunde später doch gerne eine Band live erleben. Aber langsam treffen ein paar mehr Leute ein und es bildet sich das erste Grüppchen von jungen Männern in der ersten Reihe, vor dem verwaisten Mikroständer – Mitte links, denn Mitte rechts (vom Publikum aus gesehen) steht ein Aufbau aus Verstärker und diversen Kontrollen für das elektronische Element. Hinter diesem wird sich, nachdem das Warten vorüber ist, eine beeindruckend gestylte kleine Frau (Nick Endo, ex- ATR) aufbauen, die ihre Mine während des gesamten Konzertes nicht einmal verzieht. Oder vielleicht sah man das unter der Schminke auch einfach nicht. ALEC EMPIRE kann es gar nicht erwarten, sich das T-Shirt vom Leib zu reißen, schon nach dem ersten Lied ist sein durchtrainierter Oberkörper freigelegt. Es gibt ja Leute, bei denen kommt so etwas sehr gut, und rein von der zur Schau gestellten Materie her wäre das ja ganz köstlich. Aber leider mangelt es schlichtweg an der dazugehörigen Sexyness (außerdem, bitte, nur Anfänger entkleiden sich gleich nach dem ersten Song). Es gibt zwar einstudierte Posen, und die Rolle der kreischenden Groupies übernehmen eine Horde von jungen männlichen Fans, es gibt den gelegentlichen Griff in den Schritt und an die Gürtelschnalle, es gibt das sich-auf-de-Boden-werfen und was weiß ich. Geredet wird mit dem Publikum nicht, wo kämen wir denn da hin, wenn man sich tatsächlich zu Ansagen und Ähnlichem herablassen würde. Es fehlt einfach - wie nenne ich das – die Seele? Die Leidenschaft? Leidenschaft könnte hinkommen. Das ist alles so künstlich, so gefühlslos. Vielleicht liegt das auch am eintönigen, äh, ich nenne es jetzt einmal „Gesang“ – natürlich, verzerrtes Mikro-aggro-shouten ist toll. Aber doch nicht die ganze Zeit in fast derselben Tonlage, schlecht hörbar noch dazu. Da würde man ja einschlafen im Publikum, wenn man nicht so mit Zucken und Bangen und Moshen zur Musik beschäftigt wäre. Die Musik übrigens ist gut (selbstverständlich), der Sound könnte besser sein. Zu rauschig, und das _mit_ Gehörschutz. Überhaupt hat da heute irgendwie das etwas gefehlt.
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16.10.05, DREIRAUM ARENA (WIEN)
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