Bereits mit dem Beginn des Vorspanns regen sich die ersten Zweifel: Wenn die Framerate jetzt schon solche Aussetzer hat, wie soll das dann erst im Spiel werden? (Spoiler: Nicht besser.) Dafür machen die Charaktermodelle einen guten Eindruck: Wirklich grausige Zombies mit leeren, toten Augen und ekeliger Hautoberfläche haben die Grafiker hier erschaffen, alle Achtung. Oh, Moment, das sind gar keine Zombies, sondern eigentlich unsere menschlichen Protagonisten? Autsch. Wir übernehmen also die Rolle der jungen Frau Lana, die das titelgebende kleine Mädchen namens Amy auf einer Zugfahrt begleitet. Schon nach kurzer Zeit bricht Chaos aus: Eine Explosion ist zu hören, der Zug kracht in die Station, der vor einigen Augenblicken noch recht freundliche Schaffner ist ein blutdürstiger Zombie und Amy auf einmal verschwunden.Was folgt, ist eine äußerst unspannende Ansammlung von Videospiel und Survival Horror Klischees. Wir finden Stöcke zur Verteidigung, Spritzen zum Heilen, Zombies zum Verdreschen und Kisten zum Verschieben. Ab und zu zischt Dampf aus einem undichten Rohr oder ein Monitor explodiert – das soll uns dann wohl erschrecken. Die Rätsel werden ein Stück weit elaborierter, nachdem wir Amy wiedergefunden haben. Lässt man sie durch enge Öffnungen in versperrte Räume kriechen, kann sie etwa von innen die Türen entriegeln. Leider bleibt das Spiel hier allzu oft in uralten, abgenutzten Tropen stecken. Farbige Keycards, im Ernst? Ein wenig interessanter wird es erst dann, wenn Amy beginnt durch das Abmalen mysteriöser Symbole an der Wand ihre übernatürlichen Fähigkeiten zu entdecken. So kann sie etwa in einem bestimmten Bereich jegliche Geräusche absorbieren, was das komplett lautlose Vorbeischleichen an Gegnern ermöglicht.
Das größte der vielen Probleme von "Amy" ist das Speicher- und Checkpoint-System. Schon die Checkpoints, bei denen man nach dem Ableben wieder anfangen darf, sind ziemlich spärlich verteilt. Wenn man das Spiel verlässt, kann man nicht einmal dort, sondern nur an den Kapitelanfängen wiedereinsteigen. In der Theorie wollte man damit vielleicht künstlich die Spannung erhöhen, in der Praxis bedeutet es nichts Anderes als todlangweilige Aufgaben (Kiste hierhin, Schlüssel holen, Amy durch die Öffnung schicken, Knopf drücken, sich verstecken bis das Monster weg ist, Tür aufsperren und so weiter) jedes Mal zu wiederholen wenn man (meistens durch die Steuerung oder die Kamera) einen Fehler gemacht hat, beziehungsweise sich von vornherein gleich einmal mehrere Stunden Zeit nehmen zu müssen, wenn man im Spiel überhaupt weiterkommen will. Das ist im Jahr 2012 absolut unverzeihlich.
Fazit: "Amy" verfügt über eine Reihe theoretisch guter Ansätze und über für einen günstigen Download-Titel hohe Spielzeit und Produktionswerte, ist aber in der praktischen Umsetzung zu einfallslos, unausgereift und frustrierend.
# # # Andreas Dobersberger # # #
Grafik: 4/10
Sound: 6/10
Steuerung: 4/10
Spielspaß: 4/10
Gesamt: 4/10
Plattform: PSN (getestet), XBLA
Entwickler: VectorCell
Publisher: Lexis Numérique





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