Im neuen Abenteuer "Vorstoß zum Uranus" setzt sich die mittlerweile klassisch-kultige SciFi- Hörbuchreihe unseres untadeligen Weltraumhelden Commander Mark Brandis fort – allerdings ist jener im ersten Akt dieses Zweiteilers nur indirekt präsent. Und zwar als vielbeneideter Rivale von Commander Ernest D. Scott, Kommandant der Delta IX, welche den ersten bemannten Raumflug zum Uranus bzw. einem seiner Monde leitet. Scott stellt eine Art dunkles Gegenstück zu unserem lichten Weltraumritter Brandis dar: Er ist ehrgeizig, rücksichtslos, eitel, selbstgefällig und hat sogar – welch Skandal – vor Jahren einmal versucht, unserem Helden die Gemahlin auszuspannen, was ihm dieser verständlicherweise nie verziehen hat. Also ein unsympathischer Kerl erster Ordnung wie er plakativer nicht sein könnte – und genau dieser soll nun mit seinem Team und der Delta IX als erster Mensch seinen Fuß auf den Uranusmond Oberon setzen.Klarerweise muss es anders kommen: Die Delta IX verunglückt auf dem Mond Titania, noch dazu in einem Canyon, aus dem kein Funksignal zur Erde geschickt werden kann. Außerdem gibt es da noch ein ominöses Störfeld, dass nicht natürlichen Ursprungs zu sein scheint und jeglichen Funkkontakt stört. Schließlich machen sich die zwei Besatzungsmitglieder McIntosh und Maddox zu Fuß auf den Weg, um eine Sendeeinheit auf dem Rand des Canyon zu platzieren – doch die Felswände sind 80km hoch! Ein Marsch ins Ungewisse beginnt.
In der ersten Hälfte dieses Hörspiels ist das treibende Element weniger die Spannung in der Handlung als viel Stimmung und Dramaturgie. Einerseits die Figur des Commander Scott als eine Art "böser" Mark Brandis, der allerdings in seinem Geltungsdrang gegenüber seinem großen Vorbild und Rivalen wieder allzu authentisch und menschlich erscheint, andererseits die geradezu epische Verwebung der Mission von McIntosh und Maddox mit den Tagebüchern von Robert F. Scott, dem Polarforscher der 1912 bei einer Expedition zum Südpol ums Leben kam, welche sich der jetzige Scott in seiner Kajüte vorlesen lässt. Die Dramatik der beiden Unternehmungen, der fiktiven und der historischen, verbinden sich hier zu einer Symphonie von Hoffnungslosigkeit, Kälte und Einsamkeit. Von den Sprechern einfühlend vorgebracht und vor dem Hintergrund einer unaufdringlichen akustischen Untermalung, könnte man glatt mitweinen. Ich habe selten so ein emotional tiefgehendes Hörspielerlebnis genossen! Und als krönender Höhepunkt am Gipfel der Hoffnungslosigkeit, gleich einem Sonnenstrahl am schwarzen Horizont, eine Stimme: „"Hier ist die Hermes, Commander Mark Brandis, hören sie mich? Ist da unten noch irgendwer am Leben? Wir kommen um sie nach Hause zu bringen!"
Der zweite Teil bringt uns nun wieder zurück zu unserem Lieblingscommander. Dieser bekommt in einer höchst geheimen Mission den Auftrag, mit der "Hermes" ein neues Schiff der Epsilon-Klasse zu testen. Und weil es sich gerade so ergibt, soll die Hermes auch gleich einen weiteren Auftrag übernehmen: Die Observierung der Delta IX! Der Nachrichtendienst der Union vermutet nämlich einen Hinterhalt der Asiaten um an die überlegene Technologie der Delta-Klasse zu gelangen. Könnte das der Grund für den verlorenen Kontakt zur Delta IX sein? Mit einem neuen Schiff und mit Ausnahme des altbewährten Leutenant Stroganoff auch einer neuen Besatzung macht sich Brandis erneut auf, um zu retten was noch zu retten ist. Nach dem etwas ungewohnten Intermezzo aus Teil 1 ist nun wieder alles beim Alten: Ein neues Schiff, ein neuer Auftrag. Weniger dramatisch, aber dafür mit mehr Action kommt es einem bei Teil 2 vor als erwachte man aus einem Albtraum – das Kontrastprogramm ist perfekt! Allmählich gelangt man auch zur Auflösung einiger ungelöster Rätsel, es bleiben aber noch genügend übrig um Spannung für die nächsten Teile zu erzeugen.Mit "Vorstoß zum Uranus" erreicht die Brandis-Reihe nach dem vorübergehenden kleinen Durchhänger "Testakte Kolibri" erneut einen Zenit an Spannung und Emotion. Neu ist hier die Verbindung von zwei sich gegenseitig beeinflussenden Handlungssträngen, die ein stimmiges Gesamtbild erzeugen. Auch die so gegensätzlichen Protagonisten Scott und Brandis fügen sich hier nahtlos ein und bauen ein interessantes Spannungsverhältnis auf. Das wahre Juwel an diesem Hörspiel ist allerdings die minutiös aufgebaute Stimmung, besonders im ersten Teil: Von anfänglich noch etwas überheblicher Zuversicht bis zur abgrundtiefen Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit am Schluss führt ein ausführlich illustrierter Weg aus Dialogen, Ereignissen und Meinungsverschiedenheiten, welche den Weg zum finalen Desaster pflastern. Hier zeigt sich wieder mal in höchster Vollendung dass es für spannende Science Fiction keine ständigen Lasergefechte und spacige Soundeffekte braucht. Ausgezeichnete Sprecher und eine einfühlsame Dramaturgie machen eine wesentlich solidere Essenz aus.
# # # Moritz Hawliczek # # #





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