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Batman – Die Chroniken des Dunklen Ritters 18

Fast ein Vierteljahrhundert nach der ursprünglichen Veröffentlichung erweist sich „DK2“ als mindestens so visionär wie sein berühmter Vorgänger.
Batman - Die Chroniken des Dunklen Ritters 18
© Hachette

Es war wohl der Fluch des Erfolgs von „The Dark Knight Returns“, mit dem die Fledermaus-Kollektion von Eaglemoss gestartet ist, der Frank Miller 2001/02 zwangsweile ereilen musste, als er mit „The Dark Knight Strikes Again“ ein dreiteiliges Sequel vorlegte. Und was das Gros der zeitgenössischen Kritiken betrifft, konnte er konsequenterweise beim Versuch, an sein über alle Maßen einflussreiches Meisterwerk von 1986 anzuknüpfen, nur scheitern. Zu inkonsequent und lückenhaft die Handlung, zu simplifiziert das Artwork im Vergleich zum Original, lautete der Tenor – wobei sich fast 25 Jahre später zeigt, wie unrecht viele „DK2“, so der abgekürzte Titel, damals getan haben.


Die Fortsetzung präsentiert sich nämlich in ihrer Erzählform wesentlich aufgeräumter als der Vorgänger, der zugegeben streckenweise einer Textwüste glich, mit kleinteiligen Artworks arbeitete und neben der Haupthandlung in gewisser Weise auch noch mikroskopische Mini-Dramen des Durchschnittsbürgers von Gotham City enthielt, sprich etwas zu viel an Handlung auf zu wenig Raum unterzubringen versuchte. Spiegelbildlich in Sachen Reduktion geht „The Dark Knight Strikes Again“ auch bei den (erneut von Lynn Varley gekonnt kolorierten) Zeichnungen vor, die eben auch die stilistischen Änderungen von Miller über einen Zeitraum von anderthalb Dekaden abbildeten. Wer dies als schlampige Arbeit abtut, hat womöglich „Sin City“ nicht gelesen oder verstanden.


Diesem kreativen Abwurf von Ballast steht der erweiterte Horizont gegenüber, was das Einbeziehen wesentlicher anderer Größen des DC-Universums wie Atom, Flash oder Green Arrow in die Story betrifft. Deren Hilfe hat Bruce Wayne, den die Öffentlichkeit eingangs für tot hält, auch bitter nötig, will er doch gegen Lex Luthor vorgehen, der die wahre Macht in den USA besitzt und außerdem auch Superman in Schach hält. Für Batman ist der Mann aus Stahl eine bloße Marionette der herrschenden Klasse, die es zu stürzen gilt in einem Land, das die Rechte seiner Bürger zusehends beschneidet – mit einer realen Entsprechung, was die Folgen von 9/11, das sich kurz vor dem Erscheinungstermin ereignete, angeht.


Ebenso visionär ist „DK2“, wenn es um die wiederum eingeflochtene öffentliche Meinung geht, welche die damalige Verlagerung von Medienpräsenz vom linearen Fernsehen weg ins Internet berücksichtigte: Es stellt wohl keinen Zufall dar, dass viele der hier präsentierten Stimmen und Personen nicht nur optisch ins Cartoonhafte und Groteske übersteigerten Karikaturen gleichen und dabei doch auf perverse Weise mittlerweile vom Wahnsinn unserer postfaktischen Gegenwart ein- und überholt worden sind. Einer gewissen Ironie entbehrt dabei auch nicht, dass sich Millers Batman immer wieder den Vorwurf gefallen lassen musste, ein verkappter Faschist zu sein, während nun auf unerwarteter Seite ungleich radikalere Ideen von Ordnung angedacht werden. Allein deshalb wäre eine Neubewertung von „The Dark Knight Strikes Again“ dringend angebracht.
 

# # # Andreas Grabenschweiger # # #
 

Publisher: Hachette

Erhältlich im Zeitschriftenhandel und auf www.der-dunkle-ritter.de.
 

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