Mit "Schwarzstabs Turm" bringt der Feder & Schwert Verlag eine neue Saga der "Vergessenen Reiche" nach Deutschland. Im Mittelpunkt der vier Bände umfassenden Reihe steht, in diesem Fall, einer der bekanntesten Städte Faeruns, Tiefwasser. Jeder der über einen zweijährigen Zeitraum erscheinenden Bände widmet sich einem großem Geheimnis, einem bedeutenden Helden oder einem herausragenden Ereignis in der Geschichte der Stadt. Den Auftakt der Saga übernimmt Steven E. Schend, er hält sich nicht lange mit ausufernden Einführungen auf und katapultiert den Leser ohne Umwege ins Abenteuer. Gleich zu Beginn des Romans werden wir Zeuge wie der amtierende Schwarzstab, Samark Dhanzscul, von einem Neider im magischen Duell ermordet wird.Der Schwarzstab stellt so etwas wie den Beschützer der Stadt vor magischen Bedrohungen dar. Nach der heimtückischen Beseitigung Samarks trachtet der zwielichtige Khondar gemeinsam mit seinem Sohn nach dem Erbe des mächtigen Magiers. Nur eine kleine Gruppe von Abenteurern steht zwischen dem niederträchtigen Meuchelmörder und dem gewaltigen magischen Erbe des Beschützers der Stadt. Um zu verhindern, dass das Erbe des Schwarzstabes beschmutzt und missbraucht wird, müssen die Helden eine Menge heimtückischer Gefahren überstehen.
Was auf den ersten Blick nach einer spannenden und kurzweiligen Angelegenheit klingt, erweist sich bei genauer Betrachtung als zwiespältig. Zwar wird nicht viel Zeit mit langatmigen Einleitungen verschwendet und man befindet sich bereits nach wenigen Zeilen mitten im Geschehen, doch vernachlässigt der Autor zu Gunsten der temporeichen Story die Figurenzeichnung seiner Charaktere. Sämtliche Figuren bleiben über den gesamten Roman blutleere Abziehbilder ohne jeglichen Tiefgang. Anstatt sich einer angemessenen Darstellung der agierenden Personen zu widmen, werden lustig immer weitere hinzugewürfelt ohne wirklich auf sie einzugehen. Damit sind wir gleich beim nächsten Knackpunkt dieses Buches, ungewöhnliche Namen von Personen, Orten und Gegebenheiten gehören zu jedem Fantasyroman, der etwas auf sich hält, wie das Salz in der Suppe. Wenn die Nennung eben solcher jedoch in einer inflationären Fülle geschieht, dass man schnell den Überblick verliert, so ist dies nicht kreativ sondern einfach nur noch nervig.
Ebenso anstrengend wird es spätestens, wenn einem immer wieder neue Straßennamen an den Kopf geworfen werden, ohne dass dies der Handlung auch nur in geringster Weise zuträglich wäre. Des Öfteren wird man zudem mit seltsamen und verworrenen Satzkonstruktionen konfrontiert, die das Lesevergnügen merklich trüben. Hier ist es allerdings schwer auszumachen, ob dies dem Autor oder doch eher dem Übersetzer zu verdanken ist. Zu guter Letzt noch ein Wort zum eigentlichen Plot: Dieser erinnert nicht nur manchmal an ein schablonenhaftes Rollenspielabenteuer. Das mag dem ein oder anderen genügen, jeder, der ein Fantasy-Abenteuer mit ein wenig mehr Tiefgang erwartet, wird enttäuscht. "Schwarzstabs Turm" stellt den Auftakt dieser neuen Saga dar, und es bleibt nur zu hoffen, dass die folgenden Geschichten mehr zu überzeugen wissen. Mit dem ersten Band werden lediglich Die-hard-Fans der "Vergessenen Reiche" auf ihre Kosten kommen. Für die kommenden Bände bleibt jedenfalls viel Luft nach oben.
# # # Justus Baier # # #





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