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CHANNEL 3 (SLAM-ZINE #7)


Frustriert vom ländlichen Kleinstadtleben und getrieben von der Faszination des Punk...

...war es anno 1980 an der Zeit für Mike Magrann und Kimm Gardener, selbst eine Band zu gründen. Dass daraus CHANNEL 3, eine der legendärsten Los Angeles Punkbands aller Zeiten werden würde, war noch nicht abzusehen. Zwar blieb der große kommerzielle Erfolg aus, jedoch berufen sich Bands, die heute Millionen von Alben verkaufen, immer wieder darauf, welch großen Einfluss CHANNEL THREE auf deren Musik hatte. Anlässlich der Reunion und dem Release des neuen Albums – dem ersten Studioalbum seit 1989 – war es dem SLAM ein Angenehmes, die beiden CH3 Gründungsmitglieder näher zu befragen.

Born 1980, Cerritos, California, USA


Die Wahrheit, die ganze Wahrheit und nichts als die Wahrheit, bitte!

Mike: Alles begann damit, dass wir Cover-Songs spielten. THE CLASH, 999, RAMONES,... anschließend fingen wir an, unsere eigenen Songs zu schreiben. Wir hatten acht eigene Lieder, die auf unser erstes Demo-Tape kamen. Somit war es auch an der Zeit, in Clubs zu spielen. Aber wir passten irgendwie nie in diese Orange County Szene. Das war auch der Grund, weshalb wir hauptsächlich in Los Angeles auftraten.

Kimm: Tja, wir wohnten quasi um die Ecke von Orange County (Cerritos, CA). Wir sind immer mit den Jungs von SOCIAL DISTORTION abgehängt, aber wir haben selten mit ihnen in O.C. gespielt. Die meisten Shows spielten wir in Hollywood, dort fühlten wir uns wohler. 1982 tourten wir wirklich exzessiv. BLACK FLAG und CIRCLE JERKS waren damals die am härtesten arbeitenden Punkbands.

Von den damaligen Bands sind außer euch nicht mehr viele übriggeblieben...

Kimm: TSOL, und AGENT ORANGE gibt´s auch noch.

Wie sieht´s eigentlich mit euren Radiosendern aus. Gibt es zu den College Radios und öffentlichen Sendern Alternativen?

Kimm: Es gibt 94.3 F.M. Das ist quasi die Alternative zu KROQ, ansässig in O.C. Die spielen öfters SOCIAL DISTORTION und lokale Punkbands.

Sag mal, warum seid ihr eigentlich keine Rockstars geworden, die mit dicken Autos herumfahren. Irgendwas muss da schiefgelaufen sein.

Kimm: (lacht) Als wir begannen, war der Bedarf für Punk nicht allzu groß. Wenn wir ausnahmsweise auf Rodney (Rodney on the ROQ, eine Radio-Punkshow) gespielt wurden, war das für uns schon ein Wahnsinn. Wir saßen herum, tranken Bier und warteten die ganzen vier Stunden lang, dass er einen unserer Songs spielte. Wir hofften, so oft wie möglich gespielt zu werden. In den späten 80ern waren wir auf ENIGMA RECORDS. Damals drehte sich alles um die Glamourwelt in Hollywood und wir hatten auftoupierte Haare und den ganzen Blödsinn. Das war das erste mal, dass wir uns dachten „wir könnten Rockstars werden“. Wir nahmen unsere erste Platte in nur 16 Stunden auf. Als wir auf ENIGMA kamen, hatten wir tausende Dollar Budget zur Verfügung. Wir verbrachten drei volle Monate im Studio, und was ist rausgekommen... ein überproduziertes Industrieprodukt. Ich will nicht verallgemeinern, aber so ist es uns ergangen. Ein ganzes Team von Produzenten sagte uns andauernd, was wir zu tun hatten... tut dies, tut das, Marktforschungen wurden angestellt etc.

Was anderes. Kennst du DICK DALE, den „King of the surf guitar“? Der spielte doch kürzlich live.

Kimm: Ja, im Galaxy. Der Typ ist 65 und rockt noch immer wie ein Junger. Er trat übrigens mit NANCY SINATRA („These boots are made for walkin´“) auf.

Hattet ihr eigentlich jemals mit negativen Publikumsreaktionen zu kämpfen?

Mike: Mich überrascht es selbst, wie positiv die Leute bisher auf unsere „Reunion“ reagierten. Wir wollen nicht auf die Bühne gehen und wie alte Säcke rumspringen.

Kimm: Wir haben eine Zeitlang gar nicht live gespielt. Aber obwohl wir nicht jünger werden, legen wir uns voll ins Zeug.

Warum eigentlich die Reunion. Und wie seid ihr auf DR. STRANGE RECORDS gekommen?

Kimm: Das mit Dr. Strange war ein guter Griff.

Mike: Wir haben uns eigentlich nie aufgelöst. Kimm und ich haben jede Woche geprobt, aber live hatten wir schon ewig nicht mehr gespielt. Dann spielten wir traditionell immer zu Weihnachten im „THE DOLLY HUT“. Wir traten gratis auf, wollten gar kein Geld dafür, so konnte uns niemand Sellout vorwerfen. Als nächstes war ein Benefit mit TSOL an der Reihe. Dann riefen uns MISFITS an und wollten eine Show mit uns im vorigen Jahr in Las Vegas spielen... ebenso die ANGRY SAMOANS... uns wurden großartige Shows angeboten, aber wir wollten da nicht ohne neue Songs weitermachen.

Wie waren die Aufnahmen zum neuen Album?

Mike: Viele Leute interessierten sich wieder für uns. Wir lernten viel von unseren Fehlern, die wir mit POSH BOY (das alte CH3 Label, Anm.) machten. Wichtig ist, dass eine persönliche Beziehung vorhanden ist, dass du dich gut verstehst. So, wie es mit Doc (DR. STRANGE RECORDS) ist. Am neuen Album sind einige Songs drauf, die wir bereits vor zehn Jahren geschrieben haben, andere wiederum sind brandneu. Wir könnten schon fast ein weiteres Album aufnehmen, so viele Lieder haben wir.

Was ist denn euer Ziel? Was wollt ihr erreichen? Im Sog bekannterer Bands mitschwimmen oder es selbst noch einmal versuchen, groß zu werden.

Mike: Wir machen uns keine Illusionen mehr darüber, Rockstars zu werden. Wir wollen nur Platten veröffentlichen, die den Leuten gefallen, und von Zeit zu Zeit live spielen. Kürzlich spielten wir im legendären CBGB´s in New York City.

Kimm: Mit dem Touren ist das so eine Sache. Die meisten verstehen darunter, in ein Auto zu klettern und sechs Monate damit rumzukurven. Das wird´s bei uns nicht spielen. Es kommt darauf an, wie du touren definierst. Wenn wir die Möglichkeit bekommen, an der Ostküste zu spielen, nehmen wir das gerne an.

Habt ihr Familien?

Mike: Ja, ich habe Frau und Kind, außerdem besitze ich einen Maschinenshop, um den ich mich kümmern muss.

Habt ihr jemals außerhalb der USA live gespielt?

Kimm: In Deutschland.

Mike: Wir nahmen 1994 ein Livealbum auf. Jay Lansford, der Hausproduzent von POSH BOY, produzierte die CD und wurde später auch Bandmember von CHANNEL THREE. Er produzierte auch das legendäre AGENT ORANGE Album „Living in darkness“. Auf jeden Fall spielten wir nur diese eine Show in Europa. Eine Nacht... haha

Was haltet ihr von der kommerziellen Ausbeutung des Punk heutzutage?

Mike: Man muss verstehen, dass die Plattenfirmen ihre CDs loswerden wollen. Ganz klar.

Kimm: OFFSPRING waren am Cover des Rolling Stone Magazines und erwähnten CHANNEL THREE, was cool von ihnen war.

Mike: Wir hatten zu unserer Anfangszeit kein MTV, das uns Müll vorspielte. Das Problem ist, dass es beinahe unmöglich ist heutzutage, sich eine eigene Szene aufzubauen. Es wird dir alles vorgekaut, was der neue Trend ist. Als wir anfingen, tat niemand was für uns. Wir machten uns alles selbst, und das war im Endeffekt auch der größte Spaß.

Dorian Frühbacher

DISCOGRAPHY
SELF TITLED EP (Posh Boy, 1981)
FEAR OF LIFE LP (Posh Boy, 1982)
I`VE GOT A GUN 7" + LP (No Future, 1983)
I`LL TAKE MY CHANCES 7" (Posh Boy, 1983)
AFTER THE LIGHTS GO OUT LP (Posh Boy, 1984)
INDIAN SUMMER 7" (Posh Boy, 1984)
AIRBORNE EP (Enigma, 1984)
LAST TIME I DRANK... LP (Enigma, 1985)
REJECTED LP (Lone Wolf, 1989)
HOW DO YOU OPEN THE DAMN THING? CD (Lost & Found, 1994 - live in Europe)
(www.chthree.com)
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Von A bis Z – das volle Brett
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Ursprünglich 1977 geformt, gehören THE SKULLS zu den den allerersten originalen Los Angeles Punkbands.

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