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Che (Universum Film)

Steven Soderberghs zweiteiliger Film zu einer der Ikonen des 20. Jahrhunderts liefert solide Einsichten in das Leben eines Revolutionärs mit Leib und Seele.

Che (c) Universum Film / Zum Vergrößern auf das Bild klickenSoderbergh hat in den letzten 10 Jahren eine Reihe interessanter und erfolgreicher Filme gedreht. Neben Standalones wie der Verfilmung von Stanislaw Lems Sci-Fi-Klassiker "Solaris" oder Joseph Kanons "The Good German" war es vor allem der Erfolg der "Ocean’s"-Reihe, der die Kassen klingeln ließ. Da kann man als angesagter Regisseur auch schon mal zwei freie Wochen im Terminplaner damit füllen, den Pornostar Sasha Grey durch das New York der Finanzkrise zu hetzen und das ganze auf einen 77 minütigen nicht-linearen Film zu reduzieren wie in "The Girlfriend Experience".


Ein Soderbergh-Film, der dank gekonnter Inszenierung, packender Handlung, hochwertiger schauspielerischer Leistung und nicht zuletzt stimmiger Bildsprache sowohl bei den Kritikern und Juroren als auch an den Kinokassen und beim Publikum Erfolg hatte, war "Traffic". Der Thriller aus dem Jahr 2000 brachte Soderbergh und Benicio Del Toro jeweils einen Oscar ein, zehn Jahre später sollte diese erfolgreiche Zusammenarbeit mit dem zweiteiligen Mammutprojekt "Che" seine Fortsetzung finden. Der Ansatz dabei klingt vielversprechend: "Jeder kennt sein Gesicht, kaum jemand seine Geschichte", so der Untertitel.


In Teil 1 ("Revolución") beginnt Soderbergh damit, die Geschichte des argentinischen Arztes Ernesto Guevara und seines Aufstieg zum Comandante in der Revolution auf Kuba zu erzählen. Bis zum entscheidenden Kampf in Santa Clara plätschert der Film dahin, immer wieder unterbrochen durch Sequenzen in Schwarz-weiß, in denen der bereits erfolgreiche Revolutionär ins Herz des kapitalistischen Feindes vordringt. Er stattet New York einen Besuch ab, um vor der Vollversammlung der UNO eine Grundsatzrede über die Außenpolitik Kubas, die Situation auf dem amerikanischen Kontinent und den globalen Kampf gegen den Imperialismus zu halten.


Sowohl beim Theoretisieren als auch beim revolutionären Handeln in der Sierra Maestra gewähren Soderbergh und Del Toro einen Einblick in das politische Denken des Revolutionsführers. Der Film basiert auf Guevaras Tagebuch, ist daher oftmals sehr detailiert und stellenweise langatmig. Auch grobe Sprünge in der Erzählung muss man dadurch in Kauf nehmen.


In Teil 2 ("Guerilla") widmet sich Soderbergh gänzlich dem Kampf in Bolivien. 1965 verschwindet Che aus Kuba und gibt all seine Ämter auf, um dem bolivianischen Volk bei der Befreiung aus der Knechtschaft von Präsident Barrientos zu helfen. Leider ist der Rückhalt in der Bevölkerung nicht so gegeben wie auf Kuba. Die bolivianische Armee erhält zudem Unterstützung aus den USA, die Revolution verläuft dementsprechend anders.


Die "Che"-Filme sind kein klassisches Biopic in dem Sinn, dass sie das gesamte Leben der porträtierten Person erzählen würden. Die Vorgeschichte Ches, seine Herkunft, seine Jugend und prägende Erlebnisse wie etwa in Walter Salles "Motorcycle Diaries" wurden von Soderbergh bewusst ausgespart. Stattdessen konzentriert er sich auf die jeweiligen Geschichten selbst: Das Gelingen und das Scheitern einer Revolution. Und Che Guevaras Rolle darin.


Soderbergh bedient sich zwar eines dokumentarischen Stils, hat aber nie den Anspruch all die Details, die er zeigt, zu erklären. Es liegt schon am Zuseher alles in den passenden Kontext einzuordnen. Ein gewisser Grad an Vorwissen zur Person Che Guevara wie zu den Ereignissen der kubanischen und bolivianischen Revolution schadet nicht. Auch eine Toleranz für experimentelles Kino hilft beim Ansehen. Die "Che" Streifen sind keine Actionfilme und sicherlich keine einfache Kost.


So schafft es Soderbergh allerdings, aus Che Guevaras Kampf kein Heldenspektakel zu machen, denn unreflektierte Heldenverehrung ist nicht seine Sache. Das tut dem Film gut. Del Toros Che wirkt hart und unnahbar, darf auch Schattenseiten haben und muss nicht als sympathische, joviale Plaudertasche rüberkommen. Verantwortlich dafür ist zu aller erst Del Toro selbst, als bester einer Reihe großartig gecasteter Schauspieler. Zu sehen sind unter anderem Demián Bichir als Fidel Castro, Santiago Cabrera als feixender Camilo Cienfuegos, Franka Potente als DDR-Emigrantin und kubanische Agentin Tania sowie ein kurzer Cameo von Matt Damon.


Fazit: Sollte man sich anschauen wenn das Interesse für die Thematik und die Person des Ernesto Che Guevara vorhanden ist, muss man aber nicht unbedingt. Die "Che"-Filme sind keine cineastische Offenbarung. Wer dem vorhin zitierten Untertitel zustimmen kann, hat mit diesen beiden Filmen die Chance, etwas mehr über den Menschen hinter der Ikone zu erfahren. Das weltbekannte Bildnis des kubanischen Fotograf Alberto Korda zählt übrigens zu den meist reproduzierten Aufnahmen des letzten Jahrhunderts.


# # # Felix Reiterer # # #


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