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Comic-Review: Dance In The Vampire Bund 1 (Tokyopop)

Schlechte Vampir-Erzählung, dein Name ist Legion! Dass man das Thema auch interessant variieren kann, zeigt Nozomu Tamakis Manga über einen Vampirstaat.

rezension_dance_in_the_vampire_bund_1_cover (c) Tokyopop / Zum Vergrößern auf das Bild klicken"Ich erkläre hiermit diese Insel zu meinem Königreich
und wir bauen einen gemütlichen Palast.
Das ist ein wundervolles Thema für eine Ballade!"


(Dolls United, "Eine Insel mit zwei Bergen", 1995)


Dank der literarisch eher weniger, kommerziell dafür aber umso ergiebigeren Romane rund um sich noch zu später Stunde herumtreibende blutsaugende Waschlappen, mit der uns die zurzeit wohl bekannteste Mormonin der Welt ihre verklemmte Sexualmoral im süßen Kitschmantel unterjubeln will, sind Vampire in den Medien wieder salonfähig geworden. Wohin man auch blickt, die Unterhaltungsindustrie scheint fest im hypnotischen Bann der Kinder der Nacht zu stehen – leider findet sich gewohnheitsmäßig viel Ausschussware im Gefolge eines Hypes, und so natürlich auch im Bereich der Neunten Kunst. Für Comics aus Amiland halten zumindest Michael Morbius (zuletzt gesehen in den gelungenen "Marvel Zombies" Volumes 3 und 4) und Joss Whedons Buffy die blutige Fahne ganz gut hoch. Hinsichtlich der Abteilung Manga will uns Tokyopop jetzt beweisen, dass Vampire im Land der aufgehenden Sonne kein Widerspruch in sich sind.


Akira Kaburagi heißt der Protagonist von "Dance In The Vampire Bund", der soeben 17 Jahre alt geworden ist. Seiner Schulfreundin Yuki hat er mit dem Ablehnen ihres Antrags soeben das Herz gebrochen, da er sich als Vampir nicht mit Normalsterblichen einlassen darf. Dafür bliebe ihm sowieso keine Zeit, denn ein wichtiger Termin steht an. Eine gute Bekannte aus Kindheitstagen ist nach Japan gekommen, um ihn zu sehen. Sieben Jahre sind vergangen, seit sich die beiden das letzte Mal gesehen haben und Akira als kleiner Junge geschworen hatte, sie zu beschützen: Mina Tepes, die Königin aller Vampire – äußerlich unverändert mit dem Aussehen eines zierlichen Mädchens. Akira muss nun seinen Dienst als ihr persönlicher Leibwächter antreten, da das Leben der Monarchin von vielerlei Seiten bedroht ist.


Der unmittelbare Anlass ist die öffentliche Bekanntmachung dass Mina mit der Regierung einen spektakulären Deal abgeschlossen hat. Gegen die Übernahme sämtlicher Schulden Japans wurde ihr die Errichtung einer Inselstadt vor der Bucht von Tokio erlaubt, in der sich nun Blutsauger aus aller Welt ansiedeln dürfen, um in Frieden leben zu können. Verständlicherweise wird dieses vampirische Utopia nicht von allen Menschen begrüßt, doch auch in den eigenen Reihen regt sich Widerstand. So kann Akira bei einer Pressekonferenz in letzter Sekunde einen Mordanschlag auf Mina verhindern, und auch ihre Entscheidung, außerhalb des "Spezialdistrikts" höchstpersönlich am Unterricht einer von ihr insgeheim erbauten Schule teilzunehmen, provoziert gewalttätigen Widerstand. Ihre Reaktion darauf lässt Akira zweifeln, ob er es noch mit demselben Mädchen wie einst zu tun hat.


Bereits vor dem Aufschlagen sammelt der Auftaktband von "Dance In The Vampire Bund" die ersten beiden Pluspunkte durch die Empfehlung "Ab 16" und das schmucke rote Blut, das parallel zum Buchrücken über die Seiten fließt. Im Inneren wird dann entgegen den Erwartungen keine herzhaft triefende Schlachtplatte angerichtet, sondern viel Platz für das Legen des Story-Fundaments und der sich schnell entwickelnden Ränkespiele und Geheimnistuereien verwendet. Auch wenn sich der eine oder andere Biss in diverse durchblutete Körperteile natürlich nicht vermeiden lässt, steht die Beziehung zwischen Akira und Mina klar im Vordergrund der Erzählung und wird schließlich durch Yuki weiteren Spannungen unterworfen.


Die Idee eines Vampirstaats vor Tokio hat jedenfalls ihren Reiz, es bleibt interessant zu beobachten in welche Richtung Takami Nozomu die Geschehnisse lenken wird. Das Artwork von "Dance In The Vampire Bund" ist steigerungsfähig, mehr herausragende Stellen wie etwa die gespenstischen Fratzen der angreifenden Vampir-Schüler im Dunkeln wären wünschenswert. Für Irritierung beim Lesen sorgt auch dass Mina sich sehr freizügig bewegt und einem mehrmals die nackte Front einer Vampirin im Körper eines kleinen Mädchens entgegenblitzt. Wer das verkraften kann, wird mit einem interessanten Manga belohnt. Daher: Sonnenschutzcreme mit Lichtschutzfaktor 424 auftragen und sich durch ebenso viele Seiten durchbeißen!



# # # Andreas Grabenschweiger # # #





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Strikter Kaufbefehl.
Wer nicht nur sein Schimpfwortvokabular aufpolieren, sondern auch eine verteufelt lustige Geschichte voll Blasphemie und Zynismus lesen will, sollte (wieder) zugreifen.
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