Es beginnt mit einem Berg in Japan, dessen Spitze nicht mit Eis bedeckt ist, sondern mit… Eis. Und zwar in den Sorten Schoko, Erdbeer und Vanille. Es folgen Merkwürdigkeiten in New York City, wo die Freiheitsstatue plötzlich statt der üblichen Fackel eine Tasse Tee in Händen hält, umgedrehten Pyramiden und der aufgemotzten Mona Lisa: "Von Lübeck weiter bis nach Laos säte er das größte Chaos." Wer? Der Struwwelpeter, der uns allen aus der Kinderstube wohlbekannt ist.
Die Titelfigur des Bilderbuchs, das der Arzt Heinrich Hoffmann 1844 in Ermangelung eines passenden Geschenks für seinen Sohn geschrieben und mit Illustrationen versehen hatte, ist einer der erfolgreichsten deutschen Kinderbücher und in zahlreiche Sprachen übersetzt worden. Ein Klassiker also, der über Generationen in keinem elterlichen Bücherregal fehlen durfte, um den Nachwuchs vor allzu argen Flausen abzuschrecken. Auch dem Nachwuchs im Land der aufgehenden Sonne war und ist "Bobo-atama", wie unser struwweliger Freund dort heißt, nicht fremd.Und damit schließt sich auch schon der Kreis zum neuesten Streich aus dem Hause Tokyopop, den der junge deutsche Mangaka David Füleki gestaltet hat. Das eingangs beschriebene globale Chaos zeigt einige Stationen auf der Weltreise des Struwwelpeters, bevor er in seine Heimat zurückkehrt. Dort angekommen, sieht er sich mit apathischen Kindern und teilnahmslosen Erwachsenen konfrontiert, denen der gestrenge Herrscher Nikolaus die Faxen ausgetrieben hat: Per Gesetz sind Unfug, Streiche und Aufsässigkeit verboten worden. Keine Frage, dass unser Held gegen diese verordnete Langweiligkeit etwas unternehmen muss! Gemeinsam mit seinem neugewonnenen Kumpel, dem bissigen Hund Hein, macht er sich daran seine Störenfried-Kollegen um sich zu scharen: Paulinchen mit den Streichhölzern, Hans Guck-in-die-Luft, der fliegende Robert, der ganz und gar nicht dünne Suppenkasper, der kaffeesüchtige Zappel-Philipp und der Rest der Bande. Die sind auch nötig, gilt es doch sich mit Unmengen von Nikolaus’ Soldaten und dem gnadenlosen Jäger zu messen.
Die Rückkehr des Struwwelpeters in Manga-Form ist eine extrem kurzweilige Sache geworden, welche sich auf humorvolle Weise mit den autoritären Ansätzen und der Zeigefinger-Mentalität des Originals auseinandersetzt. Natürlich stammt dieses aus einer längst vergangenen Zeit und ist ebenso realitätsfern wie die antiautoritären Erziehungskonzepte der 68er-Generation. Von dieser Perspektive aus betrachtet ist David Fülekis Struwwelpeter ein klarer Appell für die Freiheit der lieben Kleinen, sich ihrem Alter gemäß austoben zu können, denn: "Wir sind Kinder! Es passiert schneller, als du denkst, da müssen sogar wir lernen, uns zu benehmen… aber bis dahin…" Vom Handwerklichen her ist die Erzählung toll gelungen, den Zeichnungen merkt man die Liebe an, die auch in kleinste Details gesteckt worden ist: So finden aufmerksame Leser auch den Gastauftritt eines bestimmten Verlegers, der sich in die Cameo-Tradition von Marvels Stan Lee stellt. Nicht nur solche augenzwinkernde Momente machen diesen Manga zu einer echten Empfehlung für Kids, die gegenüber dem einen oder anderen darin verwendeten unflätigen Ausdruck wahrscheinlich ohnehin schon sensibilisiert sind.
# # # Andreas Grabenschweiger # # #





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