In den 1990er Jahren schuf Blizzard mit "Warcraft" ein legendäres Fantasy-Universum, das nicht nur Gamer in seinen Bann zieht. Zahlreiche Merchandise-Artikel, Romane, Comics und Mangas lassen Azeroth lebendiger werden und sprechen auch ein sehr breites Publikum an. Daher überrascht es kaum, dass sich in den Bücherregalen nun eine weitere Manhwa-Serie aus der "World of Warcraft" findet. "Warcraft: Legends" ist als Anthologie angelegt. Uns werden also in jedem Band einige inhaltlich voneinander unabhängige Erzählungen präsentiert, manche abgeschlossen, manche in Folgebänden fortgesetzt.
Band 1:
Den Anfang macht der untote Tauren-Krieger Targ Highmountain in "Der Gefallene". Ein Fluch verweigert ihm sowohl das Leben als auch den Tod. Doch als er einen Schamanen um Hilfe bittet, um den Fluch umzukehren, wird er von ihm verraten und hat alle Hände voll zu tun, wieder mit heiler Haut da raus zu kommen. Der mutige Bauer Halsand macht sich in "Die Reise" mit einer Gruppe Krieger auf nach Andorhal, um die Gegend von der Geißel zu befreien. Doch da sie die Größe der Gefahr unterschätzt haben, kommt es zu einem Massaker.
In "Wie man beliebt und einflussreich wird" lernen wir den durchaus liebenswerten Gnom Lazlo Grindwidget kennen, der ein Problem hat. Egal wie sehr er sich auch bemüht, er findet weder bei seinesgleichen noch bei den Zwergen Akzeptanz. Als schließlich ein Troll das Dorf überfällt schlägt seine Stunde...
Der Zwerg Nori Blackfinger ist der beste Schmied weit und breit. In "Ein ehrliches Geschäft" verkauft er einem Mörder gegen gutes Geld eine seiner berühmten unzerbrechlichen Waffen. Seinen Sohn grämt die Skrupellosigkeit seines Vaters sehr und er verlässt sein Elternhaus. Tief getroffen durch diese Ablehnung versagt Nori seinem Sohn ein richtiges Schwert. Als dieser sodann mit einem zerbrochenen Schwert loszieht, ist ein tragisches Ende vorprogrammiert.
Band 2:
Den Auftakt zu diesem Band bildet wieder ein Stück Lebensgeschichte des Targ Highmountain in "Furcht", wo er sich seiner größten Angst und seinen inneren Dämonen stellen muss. Er kämpft gegen den Lich-König, der ihm seinen Willen aufzwingen will und hat eine unerwartete Begegnung mit Thrall, dem Befreier der Orks.
In "Gespaltene Kriegerin" erleben wir das tragische Schicksal zweier Waisenkinder. Lieren, die von Zwergen großgezogen wurde, erfährt, dass dass ihre Eltern getötet wurden und sie eine Zwillingsschwester namens Loania hat, die bei den Elben aufgewachsen ist. Sie machen sich auf den Weg, um mehr über sich zu erfahren.
"Sag nie Miles nie" erzählt die Geschichte von Kova Breithorn, eine Tauren-Schamanin. Sie wird auf eine Reise geschickt, um eine Ork-Seherin zu finden und ins Dorf zu bringen. Wie ihr schon prophezeit wurde, lernt sie den Gnomenkrieger Miles Kernkrümmer kennen und gemeinsam bestreiten sie so einige Abenteuer.
Jarku Bloodfyre vom Schattenmond-Klan ist in „Familienbande“ hin- und hergerissen zwischen seinen Grundsätzen und der Loyalität zu seinem Klan, der von seinem blutrünstigen Bruder J`argg angeführt wird. Als er schließlich das grausame Abschlachten der Draenei nicht länger aushalten kann und ein kleines Mädchen namens Leena rettet, wird er zum Gejagten, dem Klan und Bruder nach dem Leben trachten.
Am Ende jeder Ausgabe findet sich noch eine Leseprobe aus dem ebenfalls auf einem Spiel von Blizzard basierenden "StarCraft: Frontlines".
Mit "Warcraft: Legends" bietet Tokyopop einige unterhaltsame Stunden, nicht nur für Fans des Universums. Alles in allem sind die meisten Geschichten sehr actiongeladen und fast-paced. Manchmal vermisst man etwas den Tiefgang, auch wenn immer wieder lebendige Charaktere auftauchen. Vorwiegend sehr gut gezeichnet, fallen manche Kapitel jedoch durch einen zu detailreichen oder auch zu spartanischen Stil aus der Reihe.
Resümee: Die neue Manhwa-Reihe ist eine schöne Ergänzung zur „World of Warcraft“, macht Azeroth noch greifbarer, lässt jedoch, im Vergleich zu den Büchern, etwas an Substanz vermissen. Es hat den Anschein, als würde man versuchen, die Geschichten in einen für sie zu kleinen Rahmen zwängen. Leider konnte auch das altbekannte Manko der holprigen und inkonsistenten Übersetzungen nicht behoben werden.
# # # Lisa Huemer # # #





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