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Die Geschichte der Science-Fiction

Die Entwicklung des ebenso vielfältigsten wie populärsten literarischen Genres in eine Buchform zu bringen ist eine Mammutaufgabe.

Die Geschichte der Science-FictionSzenarist Xavier Dollo und Zeichner Djibril Morisette-Phan haben sich ihr im Rahmen von "Histoire de la Science-Fiction" trotzdem gestellt. Das im Original 2020 erschienene Gemeinschaftswerk will und kann natürlich auch gar nicht den Anspruch erheben, einen auch nur annähernd vollständigen Überblick über die Entwicklung des weitläufigen Genres zu geben – das wäre ob der Menge an in Jahrhunderten, wenn nicht gar Jahrtausenden entstandenen literarischen Materials schlicht unmöglich und beginnt schon bei der Frage, was man als Science-Fiction definiert und wann man ihren zeitlichen Beginn ansetzen könnte. Folgerichtig werden hier einige bedeutende Anhaltspunkte geliefert, bevor sich die Betrachtung den großen Klassikern widmet.


Namen wie Jules Verne und H. G. Wells fallen sicherlich am häufigsten, wenn sich die Frage nach den ganz Großen der Sci-Fi stellt, entsprechend viel Platz räumt ihnen die Erzählung ein, die "hard facts" mit wissenswerten Anekdoten verbindet. Prominent ins Szene gesetzt werden auch die maßgeblichen Protagonisten des "Golden Age" der Science-Fiction in den USA der 1930er bis späten 1940er wie Isaac Asimov, Robert A. Heinlein oder Theodore Sturgeon, die auch selbst auftreten. Die Schilderungen ihrer literarischen Tätigkeiten samt der Wechselwirkung mit den Pulps als hauptsächlichen Publikationsplattformen sind hochinteressant, wenngleich die gewählte Erzählform etwas seltsam anmutet, wenn sie sich ihrer eigenen Verdienste rühmen.


Generell bietet das über 200 Seiten starke Buch seeeeeeeeeehr viel Text und jede Menge Namedropping, wobei hier dankenswerterweise bereits zahlreiche "Best of"-Listen mitgeliefert werden. "Die Geschichte der Science-Fiction" wirkt nur dann etwas trocken und (zu) akademisch, wenn in nahezu lexikalischer Manier Namen und Fakten zur bloßen Aufzählung geraten – die zweite Hälfte hätte so durchaus etwas mehr Auflockerung durch das Eingehen auf das eine oder andere Genre-Highlight vertragen, wie das in der ersten Hälfte vorkommt. Ein zweiter Schwachpunkt ist der Fokus auf französische und angloamerikanische SF, was allerspätestens dann offensichtlich wird, wenn wichtige Romanciers und deren Werke aus anderen Ländern ganz am Schluss mit wenigen Panels abgefertigt werden.


Hier wäre weniger (ausnahmsweise) nicht mehr, sondern eine Vertiefung wünschenswert gewesen – übrigens auch, was die vergleichsweise nebenbei abgehandelten Glanztaten der Neunten Kunst betrifft, als ausgerechnet das Medium, in dem sich das Buch selbst bewegt. Abgesehen davon übererfüllen Dollo und der ihm mit tollem Artwork (samt unzähliger Miniaturcovers bei den Buch- und Filmempfehlungen) zuarbeitende Morisette-Phan den selbsterfüllten Bildungsauftrag und machen vor allem Lust auf die unendlich vielen Perlen, die es zu entdecken und in die eigene Bibliothek zu überführen gilt. Die Auswahl ist schier unendlich, um es mit dem hier auftretenden Robby (aus dem Film "Forbidden Planet") zu halten: "Das Haus der Science-Fiction ist so groß, dass wir wahrscheinlich niemals alles erkunden können!"


 
# # # Andreas Grabenschweiger # # #



Publisher: Splitter Verlag




 


 
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