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Die offizielle Marvel-Comic-Sammlung 234

In seiner Phase der Selbstfindung hilft es Bobby Drake nicht gerade, dass ausgerechnet das Verhältnis zu den eigenen Eltern ziemlich… nun ja, eisig ist.
Die offizielle Marvel-Comic-Sammlung 234
© Hachette

Eine der zentralen Veränderungen, die das „House of Ideas“ im Rahmen des Soft Reboots „Marvel NOW!“ einführte, waren die ursprünglichen X-Men, die durch Hank McCoy per Zeitreise in die Gegenwart geholt wurden und sich dort mit einer Welt konfrontiert sahen, die ihre Ideale ordentlich auf die Probe stellten (mehr dazu hier). Nicht zuletzt die Begegnung des Originalteams mit den jeweiligen erwachsenen Pendants sorgte für interessante Situationen, wobei dem Coming-out des jungen Bobby Drake, dass er schwul sei, zweifellos am meisten Aufmerksamkeit zuteilwurde. Im Rahmen der 2017 gestarteten Soloserie, deren erste acht Hefte im vorliegenden Band zum Abdruck kommen, räumte Autor Sina Grace den damit verbundenen Auswirkungen auf das Leben eines der originalen Mitglieder von Charles Xaviers Team prominenten Platz ein.


Im Gegensatz zu seinem jüngeren Pendant fällt es dem erwachsenen Iceman um einiges schwerer, sich dem Umfeld mitzuteilen, was seine sexuelle Orientierung angeht – Kitty Pryde zeigt sich gelinde gesagt irritiert, dass der einstige Ex-Freund nicht mit ihr darüber gesprochen hat. Das ist jedoch gar nichts gegen die sprichwörtlich frostige Atmosphäre zwischen Bobby und seinen Eltern, welche selbst die zwischendurch ausgefochtenen Kämpfe etwa mit Daken oder dem Juggernaut als vergleichsweise harmlose Spaziergänge erscheinen lassen. Was die Ansichten über gleichgeschlechtliche Liebe betrifft, erweisen sich die Drakes nämlich in gewisser Weise als in ähnlich radikalem Denken verhaftet wie die religiösen Fanatiker der Purifiers, die ihren Sohn ins Visier nehmen.


Die Einblicke in das zerrüttete Familienverhältnis von Bobby sind der Kern, um den die Erzählung aufgebaut wird, und präsentieren der Leserschaft den Kampf eines Individuums um Emanzipation, dem nun nicht nur mehr wegen seines Mutantendaseins Ablehnung entgegenschlägt, noch dazu von der Familie, die eigentlich erste Anlaufstelle für Rückhalt wäre. Leider hört die Erzählung mitten in den angefangenen Handlungssträngen auf, da das den möglichen Umfang des Bands gesprengt hätte, unterm Strich bleibt aber eine ambitionierte Lektüre. Lediglich das wirklich schon abgedroschene Klischee, wie man sich die Anbahnung einer Romanze zwischen zwei homosexuellen Männern vorzustellen hat (Stichwort: Tanzen im Club und dann gleich ab in die Wohnung), und die Inkonsistenz beim Artwork durch gleich vier Zeichner trüben den soliden Eindruck (besonders manche Gesichtszüge wirken bei Alessandro Vittis Charakteren teils wie Brutalismus mit menschlichem Antlitz).
 

# # # Andreas Grabenschweiger # # #
 

Publisher: Hachette

Erhältlich im Zeitschriftenhandel und auf www.zeit-fuer-superhelden.de.
 

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artikel closer s147 rc45© SLAM Media

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