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Die Zukunft der Spieleentwicklung – "Living Lore" und "Open Development"

Wie die Community immer tiefer in den Entwicklungsprozess von Spielen eingebunden wird und eine episodische Story den Content treibt.

(C) GDC/Game Developers Conference / GDC Logo / Zum Vergrößern auf das Bild klickenDie Shaperin Raina erhält eine Mission von ihrer geliebten Königin Sereyn. Sterbliche in allen Regionen entwickeln Shaper-Kräfte, die Welt ist dabei, sich zu verändern. Während sich der Norden vom Rest der Welt abgrenzt und sich auf inländische Angelegenheiten konzentriert, hat die Königin entschieden, Riana und ihren Bruder Zalgus in den Westen zu schicken, um ein Bündnis mit den Händlerprinzen zu schließen. Die Königin erwähnt außerdem, dass im Kloster, in dem sich eine Kindheitsfreundin der Geschwister, Kindra, einer Rehabilitation unterzieht, ein Massenmord stattgefunden hat. Die Geschwister stehen vor einer schwierigen Entscheidung, die den weiteren Verlauf drastisch beeinflussen wird: Helfen, ein Bündnis zu schließen, das die Sicherheit ihres Königreiches garantiert, oder das Schicksal ihrer Kindheitsfreundin erfahren.


"Dawngate Chronicles" heißt der wöchentlich erscheinende Comic-Roman, der die Geschichte der Welt und der Helden aus dem neuen Spiel "Dawngate" (EA, Waystone Games) erzählt. In dieser "Living Lore" entscheidet die Community, wie die Geschichte weitergeht. Zu bestimmten Zeitpunkten gibt es Votings in den Onlineforen, die den weiteren Verlauf der Story und des  Spiels selber beeinflussen. Neue Items, Fähigkeiten, Kostüme und sogar neue Heroes werden auf Basis dieser Entscheidungen in das Spiel gebracht.


"Dawngate" ist das neue MOBA ("Multiplayer Online Battle Arena"), das von der EA BioWare-Fraktion Waystone Games entwickelt wird. In der Manier von "DotA" oder "League of Legends" spielen zwei Teams zu je fünf Helden ("Shaper") in einem Team gegeneinander und versuchen, den "Guardian" der Gegner zu besiegen. Mit einigen innovativen Gameplay-Elementen hebt sich das Spiel klar von seiner Konkurrenz ab.


Dawngate befindet sich seit 19. Mai dieses Jahres im Status "Community Beta" und ist Free-to-play. Man setzt auf das Konzept "Open Development", in dem die Entwicklung aktiv von der Community beeinflusst wird und das Feedback der Spieler regelmäßig in das Spieldesign einfließt.


Nicht nur Waystone Games macht sich diesen Ansatz zu Eigen gemacht. Mit Blizzard versucht sich auch ein großer Player daran, während der Entwicklung des neuen MOBAs "Heroes of the Storm" stark auf das Feedback der Community und Fokusgruppen einzugehen. "Heroes of the Storm" versucht mit kürzeren Spielen und weniger Grundkomplexität das Genre einem breiteren Publikum schmackhaft zu machen. Außerdem haben wir nach der Demo auf der gamescom einen ausführlichen Fragebogen in die Hand bekommen, in dem wir alle neuen Gameplay-Konzepte bewerten konnten.


In "Might & Magic: Heroes VII", dem 2015 erscheinenden neuen Teil der beliebten Serie, die nun Ubisoft gehört, gibt es bereits ein offenes Voting für die nächste Fraktion, die in das Spiel eingebunden werden soll. Man wählt zwischen "Sylvan", die Elfen der Wälder von Irollan, und "Fortress", dem strammen Zwergenvolk, das sich immer noch von Hator Orlandssons Tyranneien erholt. Beide bieten eine Vielfalt an Helden und verschiedenen Einheiten an, die jeweils das Spiel maßgeblich mit anderen Strategien und Taktiken beeinflussen werden.


"Shadow Realms" ist ein neuer "Modern Fantasy" Action-RPG-Titel von BioWare Austin, in dem vier Helden gegen einen Shadow Lord spielen. Die Geschichte soll mit Humor die Romanzen und Intrigen der Helden erzählen und wird episodisch erscheinen. Ob Leser und Spieler direkten Einfluss auf die Story haben werden, ist noch nicht klar, aber man bemüht sich, ein für die Community gemeinschaftliches Erlebnis zu schaffen.


Die Tendenz, die wir hier sehen, ist wohl eine unausweichliche. In einer Zeit, in der viele Gametitel, beispielsweise "Divinity: Original Sin", mittels Croudsourcing à la Kickstarter so richtig erfolgreich werden, kann man die Kunden nicht mehr aktiv aus der Entwicklung ausschließen. Wenn wir Spielestudios mit unserem Geld unterstützen, wollen wir natürlich auch, dass unsere Stimmen gehört werden.


Lob und Kritik an "Open development" gibt es allerdings gleichermaßen. Gegner kritisieren, dass Spieler mit ihrer mangelnden Erfahrung in Spieldesign und -entwicklung keine sinnvollen und nachhaltigen Entscheidungen für das Design eines komplexen Spieles treffen können. Außerdem meinen Kritiker, dass der Ansatz Innovation zurückhält, weil Spieler dazu tendieren, das zu wollen, was sie bereits kennen und können. Oft hauen wir aber den Kopf gegen den Tisch, wenn wir uns fragen, was sich die Entwickler bei den Neuerungen in unserem Lieblingsspiel gedacht haben.


Hingegen können offene Diskussionen darüber möglicherweise zu einer höheren Akzeptanz bei den Spielern führen oder zum Umdenken der Entwickler beitragen. Schließlich gilt es ein Spiel zu entwickeln, das Fans glücklich macht und die breite Spielerschaft begeistert. Ob sich dieser demokratische Entwicklungsprozess bewährt, werden wir mit Spannung bei den aktuellen in Entwicklung stehenden Games verfolgen. Wie es weitergeht, entscheidet ihr.


 
# # # Thomas Rausch # # #


 
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