Jeff Parker plagen Zweifel, ob er der Aufgabe ohne seinen Freund Dorian wirklich gewachsen ist. Die Jagd beginnt und schnell zeigt sich, dass der Lykanthrop seinen Häschern immer einen Schritt voraus zu sein scheint. Deren Reihen lichten sich schnell, die unberührte Schneelandschaft färbt sich alsbald blutrot und der Triumph des Bösen dürfte nur noch eine Frage der Zeit sein. Jeff Parker und der undurchsichtige Gregor Yameshi müssen schnell einen Weg finden, um die instinktgeleitete Kreatur doch noch zu stoppen. Die Männer ahnen noch nicht, welch abgründiges Geheimnis sich hinter dem Auftauchen des Wolfsmenschen versteckt.
"Dorian Hunter – Dämonen-Killer" unterscheidet sich einfach in nahezu allen Belangen von anderen Horrorserien, die es derzeit gibt. Die Hauptfigur ist gerade anderweitig im Einsatz? Lass uns doch einfach eine Folge produzieren, in der sie gar nicht vorkommt. Gute Idee! Was für die Konkurrenz ein absolutes No-Go sein dürfte, stellt hier den Auftakt zu einem weiteren Highlight dar. Das verwundert doch sehr, denn nüchtern betrachtet ist der eigentliche Plot auf den ersten Blick nicht gerade eine Ausgeburt an Innovation. "Lykanthropus" präsentiert sich allerdings als sprichwörtlicher Wolf im Schafspelz. Ein klassisches Thema, allseits bekannt, streift mit jeder verstreichenden Minute ein wenig mehr sein steifes Korsett ab und beginnt zu wachsen, um sich zu etwas Neuem, Eigenständigem zu entwickeln, dem der Hörer so noch nicht allzu oft begegnet sein dürfte.
Die Ausgangsgrundlage gibt sich geradezu klassisch: Ein kleiner, von der Außenwelt isolierter Ort gerät in die Fänge eines brutalen Monsters. Das Grauen kann nur durch eine Gruppe Unerschrockener beendet werden, die der Kreatur die Stirn zu bieten versuchen. Bis hierher bewegt sich die Geschichte in bekannten Parametern, das endet jedoch spätestens mit der Einführung der Wolfsjäger. Man verzichtet auf austauschbare Abziehbilder, sondern macht sich die Mühe, eigenständige und individuelle Figuren ins Rennen zu schicken, die allein durch ihre Verschiedenartigkeit für ein enormes Unterhaltungspotential sorgen.
Natürlich bildet die Jagd nach dem Wolf das zentrale Thema dieser Story, aber wenn man sie derartig stimmungsvoll und tatsächlich an den richtigen Stellen unheimlich inszeniert wie in diesem Fall, bleiben bei Fans kaum Wünsche offen. Die Aufmerksamkeit des Publikums zu erlangen nimmt dabei kaum Zeit in Anspruch, gleich mehrere offene Fragen drängen sich dabei in den Vordergrund. Wer ist der Werwolf? Was ist sein Motiv? Und welches Geheimnis verbirgt der Gutsbesitzer vor seiner Familie und den geladenen Gästen? Am Ende wäre Dorian Hunter eben nicht Dorian Hunter, wenn man zum Schluss nicht doch noch einen Twist einbauen würde, der die Ereignisse in eine ganz neue Richtung lenkt und dem Hörer verdammt viel Appetit auf die kommenden Folgen macht.
Ein nicht unwesentlicher Anteil daran, warum es gerade "Lykanthropus" schafft, ein enormes Gänsehautpotenzial zu entfalten, liegt sicherlich daran, dass das Sounddesign an die Urängste des Menschen andockt. Wenn Jeff Parker durch die unwirkliche Schneelandschaft Schwedens stapft, wird eine Verbindung zur Furcht vor der Dunkelheit und was sich darin bewegen könnte aufgebaut, was ähnlich gelagerten Produktionen leider fehlt. Dazu kommen viele Effekte, die sich einfach verdammt nahe an der Realität bewegen. Als nur ein Beispiel dafür seien hier die Gewehrschüsse genannt, die tatsächlich so klingen als seien sie wirklich auf freiem Feld oder im Wald abgegeben worden. Authentizität wird einmal mehr großgeschrieben.
Diese Vorgehensweise schlägt sich auch bei der Auswahl der Sprecher nieder. Zum Glück hält man an der Entscheidung fest, wenn möglich die Rollen mit Native Speakern zu besetzen, was die gesamte Story enorm aufwertet und zusätzliche Glaubwürdigkeit erschafft. Die musikalische Gestaltung ist einmal mehr opulent. Bereits bekannte Stücke aus vorherigen Folgen werden angereichert mit verstörenden Geräuschcollagen und neuen Melodien, die sofort auf ein kaltes und verschneites Skandinavien einstimmen. Erstklassig! Volker Hanisch ist der Mann der Stunde. Ihm gelingt es Jeff Parker lebendig werden zu lassen, der mit sich selbst und den Erfahrungen der letzten Zeit hadert, aber nicht zögert sich einer Aufgabe zu stellen, die seine Fähigkeiten ganz offensichtlich übersteigt. Dabei bleibt er zu jederzeit einfach menschlich und bietet somit eine große Fläche für den Hörer, um sich mit seiner Rolle zu identifizieren.
Michael von Rospatt poltert und hetzt als mürrisches Familienoberhaupt der Larsson-Sippe durch die Gegend, dass es eine helle Freude ist. Torben Liebrecht geht auf in der Rolle des charismatischen, aber eher wortkargen Jägers aus dem Himalaja und überzeugt dabei ganz entspannt auf ganzer Linie. Dazu kommen weitere grandiose Sprecher wie Monica Bielstein, Rajvinder Singh, Nicolas König und Erik Schäffler. Eigentlich kann man hier tatsächlich ohne Einschränkung davon sprechen, dass alle Akteure mit einer mehr als überzeugenden Leistung am Start sind, die auch "Lykanthropus" zur mittlerweile dritten Episode en suite mit absoluten Ausnahmestatus erhebt. Mehr Horror geht nicht.
# # # Justus Baier # # #
Publisher: Zaubermond





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