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#DRCL – Midnight Children 5

Joe tut es Graf Dracula gleich und begibt sich ebenfalls auf eine Reise – mit bemerkenswerten Erkenntnissen und ungewissem Ausgang.

#DRCL - Midnight Children 5Bereits im Rahmen von "Innocent", der Beschäftigung mit dem Leben des aus einer Familie von Scharfrichtern stammenden Charles-Henri Sanson, bewies Shin`ichi Sakamoto auf unwiderstehlich Weise das Talent, philosophische Betrachtungen mit barockem Artwork und den bluttriefenden Abgründen des menschlichen Wesens zu verbinden. Mit der Adaption von Bram Stokers "Dracula" geht der japanische Mangaka noch etliche Schritte weiter und reißt seine Leserschaft mit jedem Kapitel immer weiter in einen Strudel von Sinnlichkeit und Horror, bei dem sich Realität, Traum und Fantasie oft nicht mehr voneinander unterscheiden lassen – zweifellos bietet sich der Literaturklassiker perfekt an, um gleichermaßen zu betören und zu verwirren.


Festhalten lässt sich jedoch mit Gewissheit und ohne allzu viel zu spoilern, dass zwei Hauptcharaktere eine Reise antreten: Luke/Lucy tut dies, um es euphemistisch auszudrücken, nicht gerade freiwillig, anschließend macht sich Joe im Rahmen einer schulischen Exkursion nach London auf. Das tritt sich bestens, denn offenbar wurden mehrere Holzkisten mit Erde aus Transsilvanien auch in die Hauptstadt geliefert, noch dazu nach Whitechapel. Das weckt Erinnerungen an die einige Jahre zurückliegende Mordserie, die sich dort ereignete: Natürlich ist die Rede von Jack the Ripper und Joe bald in großer Gefahr, als er mit ganz besonderem "Spürgerät" zur Auffindung des Grafen durch die Straßen eilt.


Wie immer gibt es neben dem Rausch der Bilder, den Shin`ichi Sakamoto zusammen mit seinem Team abliefert, auch diverse Referenzen, seien es historische wie an den wohl berühmtesten Serienkiller aller Zeiten oder kulturelle wie jene des Covers (auf dem der König der Nacht mit dem des Pop zu verschmelzen scheint) zu entdecken. Dieses Mal ist es nicht nur wegen der meisterhaften Zeichnungen zu empfehlen, besonders lange auf jeder einzelnen Seite zu verweilen, sondern auch aufgrund der Aussicht, dass es auf die Fortsetzung länger zu warten gilt. Im Herbstprogramm von Carlsen scheint der im japanischen Original erst kürzlich veröffentlichte sechste Band, um das geradezu vampirhafte Verlangen nach weiterer Lektüre stillen zu können, nämlich noch nicht auf.


 
# # # Andreas Grabenschweiger # # #



Publisher: Carlsen Verlag


 

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