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Edgar Wallace präsentiert: Bliss ermittelt 11

Innerhalb eines Jahres treiben vier Tote in der Themse: Vier Männer, alle offenbar ertrunken.
Edgar Wallace präsentiert: Bliss ermittelt 11
© Gigaphon Entertainment

Lange Zeit blieb die Mordserie unentdeckt von den Augen des Gesetzes und der Öffentlichkeit. Die Toten verbuchte man als tragische Unfälle, schließlich ertranken immer wieder Menschen in der Themse. Bedauerlich, aber leider nichts Ungewöhnliches. Beinahe hätte man auch den neuesten Fall zu den Akten gelegt, doch ein aufmerksamer Beamter erkennt eine Verbindung: Alle Verstorbenen waren alleinstehende Ausländer, die vor ihrem Ableben eine hohe Lebensversicherung abschlossen. Inspector Bliss und sein Team nehmen die Ermittlungen auf. Tatsächlich mehren sich schnell die Hinweise, dass die offensichtlich Verunglückten ermordet und die Taten als Unfälle getarnt wurden. Eine heiße Spur liefert ein merkwürdiger Zettel in der Kleidung des ertrunkenen Kanadiers Stuart.


Ein Unbekannter erhärtet mit einer hastig verfassten Botschaft den Verdacht, dass jemand seine Verbrechen auf perfide Art hinter vermeintlich natürlichen Todesursachen verbirgt. Warum jedoch wurde die Notiz in Blindenschrift abgefasst? Noch zwingender ist dabei die Klärung der Identität des anonymen Tippgebers. Warum hilft er den Ermittlern von Scotland Yard? Liegt die Antwort bei ebenjener Versicherung, bei der alle Opfer eine Police abschlossen? Oder ist der Täter doch im Blindenmilieu der Stadt zu verorten? Die Untersuchungen nehmen Fahrt auf und noch ahnt niemand von den Ermittlern, dass sie bereits das Interesse eines mächtigen Gegenspielers geweckt haben. Gefahr ist im Verzug, denn längst ruht der Blick der toten Augen von London auf Bliss und seinen Kollegen.


Immer wieder finden sich im üppigen Fundus der Edgar-Wallace-Romane Krimistoffe, die sich in ungewöhnlicher Umgebung oder unkonventionellen Milieus bewegen. Wenn man auf die deutschen Verfilmungen der 1960er und 1970er zurückblickt, erscheinen gerade diese Geschichten oft grell und verstörend, denn die eher unbekannten gesellschaftlichen Gruppierungen und Schichten, in denen die Storys angesiedelt sind, wurden in der Inszenierung eher unheimlich und abstoßend angelegt. Ein wirkliches Interesse an den Lebensumständen dieser Menschen ordnete sich dem bloßen Effekt und dem gerne eingestreuten Gruselfaktor unter.


Dass es aber dennoch gelingen kann, eine spannende Geschichte zu erzählen, in der ein stimmiger Krimiplot mit einigen Winkelzügen auf ein Sujet stößt, dessen Sinneswelt nicht von der optischen Wahrnehmung dominiert wird, zeigt diese Vertonung von „Die toten Augen von London“. Natürlich agiert auch hier immer noch eine        brutale Verbrecherorganisation, der alle Mittel recht sind, um an ihre Ziele zu gelangen. Daneben wird aber auch auf eine unaufdringliche Weise ein Blick in eine Welt geliefert, in der Einsamkeit, Isolation und Diskriminierung die Menschen zu Außenseitern machen – zu Individuen, die viele aus ihrem Sichtfeld verbannen und sie nahezu unsichtbar werden lassen. Ein Umstand, der hier zum Vorteil genutzt wird, fast unbemerkt die verschiedensten Verbrechen zu begehen.


„Die toten Augen von London“ bringen erneut alle Ingredienzien mit, die alle bisherigen Produktionen dieser Reihe auszeichneten. Ein solider Kriminalfall wird garniert mit der richtigen Dosierung an Action und humoristischen Einsprengseln. Obwohl man vom Originalstoff abweicht, stellt es doch einen cleveren Schachzug dar, Charaktere aus früheren Geschichten erneut auftauchen zu lassen und ihrem Background neue Nuancen hinzuzufügen. Ist es schlimm, wenn man den Blick auf die musikalische Bearbeitung legt und feststellt, dass alles beim Alten bleibt? In diesem Fall lässt sich die Frage ohne Umschweife mit „Nein“ beantworten, denn auch diese Folge wird mit der gekonnten Mischung aus frechen Sixties-Melodien, Swing, Jazz und unterschwelligen lateinamerikanischen Rhythmen veredelt. Die Soundeffekte tun ein Übriges, um dieses gute Hörspiel noch besser zu machen.


Mittlerweile darf man ohne Probleme von einem etablierten Ensemble sprechen, denn nahezu alle Akteure dieser Vertonung waren bereits in früheren Episoden zu hören und legten die bisherige Messlatte der Reihe fest. Selbige wird auch dieses Mal nicht unterschritten, sondern wieder ein klein wenig nach oben verlegt. Im Einzelnen sind es illustre Namen wie Rolf Berg, Bert Stevens, Gordon Piedesack und Clemens Gerhard, die hier ihr Können unter Beweis stellen. Elf Folgen, elfmal gute Unterhaltung!


# # # Justus Baier # # #
 

Publisher: Gigaphon Entertainment
 

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