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Elmer

„Es ist unsere Geschichte. Unser aller Geschichte. Es ist wichtig, sie nicht zu vergessen.“
Elmer
© Dantes Verlag

Das vorliegende Buch ist ein weiterer, wenn nicht sogar bisher der stärkste Beweis dafür, dass der Dantes Verlag, was die Veröffentlichung großartiger Komiks von den Philippinen betrifft, absolut federführend ist… ähem. Gut, damit wäre der unvermeidliche Hühnerwitz auch abgehandelt, sodass wir uns an dieser Stelle wieder Ernsthafterem widmen können, denn bei „Elmer“ handelt es sich um keinen der üblichen „animal funnies“, die man sonst bei gefiederten Protagonisten erwarten würde. Die im Original zwischen 2006 und 2008 im Eigenverlag erschienene Erzählung, die sich (zusammen mit „Wasted“) wohl als Hauptwerk von Gerry Alanguilan bezeichnen lässt, erweist sich als großer Wurf, bei dem die Frage definitiv erlaubt ist, warum es eigentlich so lange bis zu einer deutschen Übersetzung gedauert hat.


Die Veröffentlichung spricht jedenfalls einmal mehr für das goldene Händchen von Josua Dantes bei der Titelauswahl und setzt gleichzeitig auch hierzulande endlich ein Ausrufezeichen hinter den Namen des 2019 leider viel zu früh verstorbenen „Paten“ der Erneuerung der philippinischen Comic-Szene. Gerry Alanguilan dürfte westlichen Rezipienten primär als Tuscher von Titeln aus dem Hause Marvel („Infinity“, „Superior“), DC („Superman: Birthright“) und Image („Wetworks“) bekannt sein, war aber ein wesentlicher Faktor im Bemühen, seine Heimat (zurück) auf die Landkarte der Neunten Kunst zu bringen.


Der Auftakt der ebenfalls im Dantes Verlag erscheinenden Serie „Trese“ enthält übrigens ein Vorwort von ihm und wohl nicht zufällig können aufmerksame Beobachter in „Elmer“ auf Seite 33 einen Band im Bücherregal von Jakes Vater entdecken. Womit wir wieder beim Thema wären: Im Zentrum der Geschichte, die sich keineswegs nur als Parabel über das unheilvolle Wirken von Vorurteilen und Traumata sowie deren Vererbung von der Elterngeneration an ihre Kinder interpretieren lässt, steht das Buch, das Jake Gallos Vater über die Jahre geführt und erfolgreich vor neugierigen Blicken verborgen hat.


Nach dessen Tod ist es so weit und der Sohn kann aus erster Hand Details über die Familiengeschichte erfahren. Diese stellt einen wichtigen, wenngleich vergleichsweise winzigen Ausschnitt der gigantischen sozialen Umwälzungen dar, die mit dem Erlangen von Bewusstsein und Intelligenz der Hühner einhergingen – und was es für den Herrschaftsanspruch des Homo sapiens bedeutet(e), wenn das Essen von Gestern im Heute Gleichberechtigung einfordert. In Verbindung mit dem tollen Artwork hat Gerry Alanguilan eine zutiefst berührende Story geschaffen, die gleichermaßen Sorge wie Hoffnung aufkommen lässt, wie es um unsere Menschlichkeit abseits von gerne bemühten Floskeln nun wirklich bestellt ist.

# # # Andreas Grabenschweiger # # #
 

Publisher: Dantes Verlag
 

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artikel closer s145 pc6© SLAM Media

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