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Far Cry 3

Zwar kein 08/15 First Person Shooter, aber ein zweites "Fallout"? Was kann das neueste Baby aus dem Hause Ubisoft?

(C) Ubisoft / Far Cry 3 / Zum Vergrößern auf das Bild klickenDie Story beginnt mit einer Gruppe reicher, verwöhnter US-Twens, die einen Abenteuerurlaub auf einer malerischen Südseeinsel verbringen. In guter alter Klischeetradition hat sich die Gruppe rund um Protagonist Jason Brody hervorragend über die lokalen Gegegebenheiten informiert und so keinen blassen Schimmer, dass das trügerische Paradies heiß umkämpft ist. Die unbekümmerten Reisenden werden von einem psychopathischen Bösewicht namens Vaas Montenegro, der ein saftiges Lösegeld für die Trustfund-Babys im Auge hat, gefangen genommen und voneinander getrennt. Mithilfe seines Army-geschulten Bruders gelingt Jason die Flucht, doch gerade, als die beiden den Weg aus dem Lager gefunden zu haben scheinen, wird der Bruder von Vaas erschossen. Jason kann Reißaus nehmen, aber wie geht es weiter? Wo sind seine Freunde? Der unbedarfte Jüngling nimmt sich ein Herz – er will sie finden und Vaas zur Rechenschaft ziehen.


Dann geht`s auch schon ohne Atempause los. Jason wird von einem Inselbewohner darüber aufgeklärt, was wie auf diesem Eiland abläuft und mit der ersten Ausrüstung in die riesige Welt entlassen. Die ersten Rollenspiel-Eigenschaften von "Far Cry 3" kommen zum Vorschein: Die riesige Karte wird nach und nach mit dem Erklettern von Radiotürmen sichtbar gemacht, das Erobern gegnerischer Camps macht Gebiete sicherer und mit Erfahrungspunkten können (mal mehr oder weniger nützliche) Fähigkeiten freigeschaltet werden. Die ersten beiden Punkte dürften aus der "Assassin`s Creed"-Reihe bekannt sein, und was dort gut funktioniert und Laune macht, wurde hier noch verbessert. Das Erklettern der Türme ist gut und fordernd gestaltet und das immense Waffenarsenal ermöglicht eine Vielzahl an Möglichkeiten, die Camps zu erobern.


(C) Ubisoft / Far Cry 3 / Zum Vergrößern auf das Bild klickenApropos Waffen: Im Lauf des Spieles wird so ziemlich alles verfügbar, was das zerstörerische Herz sich erträumt – Flammenwerfer, Bögen, Minen, Sniper-Gewehre sowie automatische Knarren in Hülle und Fülle lassen keine Wünsche offen. Diese können mit Suchoptik, größeren Magazinen oder Schalldämpfern aufgewertet und in großer Auswahl bemalt werden. Nicht zu vergessen die nicht zum Spaß anwesende Tierwelt: Aus deren Häuten können die diversen Gegenstände, die Jason herumschleppt, verbessert werden (vom Rucksack bis zu den Halftern). Gut gemacht ist auch das, man höre und staune, Alchemiesystem: Aus einzelnen Pflanzen kann am Ende eine ganze Latte an Hilfsmittelchen zusammengebraut werden, von der einfachen Heilspritze bis zur bewusstseinserweiternden Droge.


Größte Pluspunkte des Spieles sind aber Grafik, Physik und Inszenierung. Entsprechende Power im Rechner vorausgesetzt, wird man mit einer Landschaft und Fernsicht belohnt, die ihresgleichen such. Und hat man mal einen der in der Welt verteilten Gleiter gefunden, gibt es einfach nichts Schöneres, als mit diesem hoch über der Insel seine Kreise zu ziehen und sich (nicht) sattzusehen. Da greift auch gleich die zweite Stärke ins Rädchen: Egal ob per Gleiter, Auto oder schleichend und rennend zu Fuß, das fühlt sich alles verdammt echt an und lässt den Spieler mit der Welt verschmelzen. Zur Inszenierung: Besonders die des Bösewichtes Vass Montenegro verdient Extrapunkte. So einen glaubwürdigen Psychopathen hat die Games-Welt noch nicht gesehen. Punkt.


(C) Ubisoft / Far Cry 3 / Zum Vergrößern auf das Bild klickenAlso alles eitel Wonne? Mitnichten. Ubisoft macht vieles richtig, aber Entscheidendes falsch. Beispiel Nebenmissionen: Rennspielchen, Schießübungen, Mordaufträge und sonstiges stehen Abseits der Hauptstory zur Verfügung, erfüllen aber keinen wirklichen Zweck und sind spielerisch absolut keine Herausforderung. Hunderte Relikte liegen auf der Insel zum Einsammeln herum, nur warum sollte man? Außer ein bisschen Erfahrung zu bringen, erfüllen sie keinen Zweck. Dazu kommt, dass Protagonist Jason eine Entwicklung mit Siebenmeilenstiefeln hinlegt: Viel zu schnell wird er vom verweichlichten Buben zum Terminator der Südsee. Die Tierwelt ist immens unglaubwürdig, da vom Reh bis zum Waran alles in kleinen auf der Karte verzeichneten Gebieten lebt – die Jagd nach Tierhäuten ist schnell redundant. Einer der größten Böcke wurde allerdings mit der Schnellreise geschossen: Die ermöglicht nämlich das Fliehen aus aussichtslosen Kämpfen an sichere Orte – sollte nicht so sein. Es sind diese und andere Kleinigkeiten, die an der Glaubwürdigkeit kratzen und in Summe das Vergnügen und auch den Wiederspielwert verringern.


Fazit: "Far Cry 3" macht mächtig Spaß, daran gibt`s nichts zu rütteln. Viele Waffen, tolle Grafik, fantastische Physik – der schwache Vorgänger wurde um Welten übertroffen. Trotzdem hapert es: Sinnfreie und sich wiederholende Nebenmissionen versäuern gemeinsam mit inhaltlichen und erzählerischen Schwächen die immens gut inszenierte Hauptstory. "Far Cry 3" ist schöner Rollenspiel-Shooter und gut für rund 30 Stunden Spaß.



# # # Bernhard Kleinbruckner # #  #



Entwickler/Publisher: Ubisoft
Plattform: PC (getestet), Xbox 360, PS3



Grafik: 10/10
Sound: 9/10
Steuerung: 9/10
Spielspaß: 7,5/10
Gesamt: 8,5/10






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