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FESTIVAL INTERNAT. DE BENICASSIM

04., 05., 06., 07.08.05, Benicassim (Spanien)
ladytron01 / Zum Vergrößern auf das Bild klickenSonne, Drogen, Musik & Meer
Nachdem man sich ein paar Biere und auch das ein oder andere "Verbotene" reingeknallt hat ist halt jedes Festival angenehm. Diesen Sommer konnte man sich in diesem Zustand meisten nur im nassen Dreck suhlen, schön. Es mag zwar Menschen geben, die auf das stehen und auch das ganze Jahr darauf warten, aber ich nicht mehr. Naja. Die Biere knall ich mir schon noch rein. Auf Festivals haufenweise sogar, natürlich auch in Benicassim. Aber dieses Festival ist anders. Es ließ mich auch nach zwei Tagen noch nicht daran denken, meinen Rucksack zu packen und wieder in meine Luxuswohnnung zurückzukehren. Der Grund dafür waren die Leute, das Wetter und die Organisation und wann kommt’s, ja sicher, die Musik natürlich. Lass ich jetzt etwa die Drogen aus dem Spiel? Das überließ ich anderen, den vielen, die kaum mehr sich selbst folgen konnten. Ach Scheiße lasst die Finger davon, die Auswirkungen bei den Leuten sahen nicht wirklich rosig aus.

Trippen konnte man in Benicassim zu ganz anderen Sachen viel besser. Viel, viel besser, chillen auch, wofür sich der in 15 Gehminuten erreichbare Strand perfekt anbot. Zum Trippen luden die Bands ein. Zum FIB-Sart gab es den Auftakt dazu. In Erinnerung (Tja, der Alkoholspiegel!) blieben mir noch die ausgezeichnet rockenden POSIES, alt, gut, erfahren. Die wie ein presbyterianischer Kirchenchor auftretenden und an schlimmste Sister Act Zeiten erinnernden "POLYPHONIC SPREE" konnten ehrlich gesagt: Gar nichts. Ermüdend und uninspirierend. Kurz gesagt: Langweilig. Auch wenn man von den beinahe "SUEDE" TEARS wohl auch nichts anderes erwartet, konnten die mich wenigstens noch mit ihrer leidenden Melancholie so richtig schön runterziehen. Ich nippte genüsslich an meinen Bier und hielt die Tränen zurück. Abschließend gab es mit UNDERWORLD zwar angestaubten mitt-Neunziger Electro, aber jeder, der einmal Trainspotting gesehen hat, kann sich "Born Slippy" wohl kaum entziehen. "...shouting Lager, Lager, Lager, Lager, Lager, Lager…! Es kam von Heineken, schmeckte die ersten Tage noch gut! Die fehlende Entwicklung UNDERWORLDs sei damit verziehen.

Durch verschiedene Umstände kann ich mich jetzt nicht mehr genau an den Verlauf der nächsten Tage erinnern, und außerdem brauch ich auch meine Geheimnisse.  Also „here we go“ inklusive Gedächtnislücken, Euphorie, und “Oh Asses”!

Zeit für ein bißchen Porno? PEACHES, die Electro-Bitch, zeigte, dass ihr Ruf nicht von ungefähr kommt. Gedresst in einem kurzen Latexanzug, stand sie vor einer Leinwand und "Shake Yer Dix“, krachte aus den Boxen und die dazugehörigen Körperteile wackelten am Schirm hinter ihr! Abwechselnd mit mehr oder wenigen Fleischbeschaumöglichkeit und einem Aushelfer an der Gitarre ging es einem Multiplen Orgasmus entgegen der sich nach einem Zungenspiel unter einer emporgehobenen Flying V Gitarre endgültig in PEACHES’ Leib entfachte und auch dem Publikum mit einem Schauer durch den Körper fuhr. Anstatt nun ruhig zu kuscheln, wollte PEACHES mehr, erklomm am Bühnenrand fast die Decke des Zeltes und verrenkte damit einigen Voyeuren den Hals die etwas erspähen wollten und es sicher auch sahen. Um es zu bestätigen war ich zu weit weg, aber es reichte mir um zu sagen: PEACHES ist eine Bitch wie sie im Buche steht, kokettiert und spielt mit ihrem Publikum. Was männliche Künstler schon immer machen durften, nimmt sich PEACHES auch heraus und setzt das in eine perfekte One-Woman Show um. Wie geil kann Feminismus sein? Sehr!

Irgendwie war ich es mir selber schuldig, die KAISER CHIEFS anzusehen. Bei aktuell gehypten Bands bin ich immer etwas skeptisch. Werde ich bestätigt, wie bei MANDO DIAO, die ich auf Platte gut fand und dann durch das Kasperltheater auf der Bühne herb enttäuscht wurde? Verdammt nein, kann ich nur dazu sagen. Die KAISER CHIEFS hatten mit dem 70%-igen Engländer Anteil einen derartigen Heimvorteil, dass ich mich selbst schon so fühlte als ob ich meine ersten musikalischen Erlebnisse in einem Leedser Club gehabt hätte. Die Jungs hatten Power, man spürte, dass sie sich schon den Arsch anderswo abgespielt hatten, aber immer noch genug Kraft hatten, um eine Show abzuliefern die sich in besten Clubverhältnissen nicht besser zutragen hätte können. „Everyday I Love You Less and Less” - das Publikum gröhlte. Es lies sich vom Frontmann kommandieren: “I Predict A Riot”! Das er sich dafür mit einen Sprung in die Masse bedankte war beinahe nebensächlich. „Oh My God I cant believe / I`ve never been this far away from home”. Ich konnte es auch kaum glauben. Dass ich in Spanien war schon, aber nicht, dass die KAISER CHIEFS eine derart mitreißende Live-Band sind. 

!!!, da krachte es mal anständig und dann stand ein mit Pantoffeln beschuhter und in schlabbrigen Badehosen dastehender City-Berserker auf der Bühne, der die nächste Stunde nicht mehr zu bremsen war. Schlag auf Schlag, ein facettenreiches Programm der Amerikaner. Mein Fotograf verabschiedete sich nach dem dritten Song mit "Ich MUSS tanzen gehen" in die Menge und tauchte nach Ende des Konzertes sichtlich abgekämpft und verschwitzt zurück, sprachlos! Dazu sei zu sagen, dass ihm die Lust am Tanzen vor Jahren genommen wurde, nun hat er sie wieder gefunden, wahrscheinlich nur bei !!!, aber eine Band reicht um das zu tun. Ich bekam meine auch noch ab!

Bei LADYTRON war ich ehrlich gesagt schon nah dran dies zu tun! Als mir der Bass in die Eingeweide drückte und danach diese sexy Ladys an den Keyboards den feinsten Retro-Sound aus ihren Synthies zauberten, war es um mich geschehen. Die stoische Beharrlichkeit der Damen im Vordergrund, die Englisch mit feinstem französischen Akzent ins Mikro hauchten und auch mal einen slawischen Touch verbreiteten, hätten von mir wohl alles haben können was sie verlangt hätten. Ich, sowie weitere in Benommenheit gefallenen, zumeist männliche Zuschauer hätten wohl das gleiche getan. Uns blieb aber nur unsere Unterwürfigkeit mit tobenden Applaus zu bezeugen. Doch um es jetzt nicht nur auf die beiden Frontfrauen zu beschränken, muss auch noch die Meisterleistung der Herren an Schlagzeug und Gitarre gewürdigt werden. Aber ehrlich gesagt, waren das sicher Roboter, sonst kann man kaum so punktgenau spielen. Ach was, die Frontfrauen sind auch Roboter, das hat man gesehen. Plastisch perfekt geformt und in Szene gesetzt. Eine Band des 21. Jahrhunderts, bzw. Stiefkinder KRAFTWERKS.

Oh, Asses! Wie nett, wenn mich meine Freunde als Brit-Popper bezeichnen. Ok, zu manchen Sachen stehe ich ja, und die SMITHS, JESUS & THE MARY CHAIN sowie die HAPPY MONDAYS sind ja alles Briten, vielleicht fehlt da aber ein bisschen der Pop. Egal, zurück! OASIS sind Brit-Popper und sozusagen die Role-Models dafür. Ihre Songs haben was, sind streckenweise gut. Aber für mich waren sie nie so gut, dass ich sie mir selbst als Brit-Popper, der ich ja in Wahrheit gar nicht bin, auch gekauft hätte. Dennoch war ich gespannt auf die Herren, wer war es nicht. Der Platz vor der Bühne war voll, und wenn ich voll schreibe, war es wirklich so. Jeder wollte zuschauen, jeder wollte die Brüder sehen. Jeder war enttäuscht! Hm, jeder vielleicht nicht, ich kenne aber persönlich niemanden der es nicht war. Keine Regungen bei den neuen Songs, kaum Zuckungen bei den alten Klassikern. Auf der Bühne gab es wenigstens Gepose. Und wie es meine Begleiter bemerkte: "Da schau ich mir doch lieber STATUS QUO an.“ Richtig so, wir gingen auf ein Bier und das einzige, das ich noch von OASIS bemerkte war "My Generation" von THE WHO, guter Song, schlecht dargeboten, von einer Band die schon vor Jahren hätte aufhören sollen Bühnen zu betreten, die sich nicht in verrauchten mit  besoffenen englischen Prolls gefüllten Vorstadtpubs befinden, denn dort passen die Gallaghers hin, zu ihresgleichen.

Das es auch anders auf den britischen Inseln zugehen kann bewiesen dann KASABIAN. Ihr Album ist eine solide Sache. ABER (!), wenn die Jungs auf der Bühne stehen und Sänger Tom Meighan ein BENICAAAASSSSIIIIIIIM, wie einst die maurischen Eroberer, auf die Spanische Küste rausbrüllt, spätestens dann war es klar, dass KASABIAN hier sind, um OASIS auf ihre Ränge zu verweisen und mit allergrößter Kraft und Spielfreude einen Auftritt bestritten, dass es in den Ohren der Zuschauer nur so klirrte. Ein Wahnsinn, wie man mit elektronisch aufgepeppten geradewegs nach vorne rockenden Sounds ein derartig wohlig psychedelisches Feeling rüberbringen kann. „Club Foot“, „L.S.F.“, „Processed Beats“, alles lief runter wie in Melonen gereichter Wodka, von dem man kaum genug bekommen kann. Wie man mit nur einen veröffentlichtem Album einen derart abwechslungsreichen und mitreisenden Abend gestalten kann, bleibt mir ein Rätsel.

Rätselhaft ging es dann mit meinem abschließenden Act, LCD SOUNDSYSTEM, auch weiter. Der Chef des DFA Labels ging daran seinen auf Platte dargebotenen Disco-Sound, auf der Bühne mit voller Bandbesetzung umzuwandeln. Er, bzw. Tyler! am Bass, der Drummer sowie die Dame am Synthie schafften es, was? Kaum vorstellbar, aber LCD können rocken. Somit gab es "Movement" als feinsten Rocker, und noch einige andere mehr, deren ich aber zwischen anderen und meinem wild zuckenden Körper nicht mehr bewusst werden konnte. Erschreckendes am Rande: Ich tanze, ICH TANZE!

Außerdem genial, sogar so, das ich keine Worte dafür finde: RADIO4, NICK CAVE & THE BAD SEEDS.
Auch gut, aber zu wenig Erinnerung daran: DOVES, FISHERSPOONER.
Ich hätte gerne mehr gehört, aber meine Schuld: LEMON JELLY.
Zu Kurz gesehen um mir ein Urteil zu erlauben: KINGS OF CONVENIENCE, THE CURE.
Auch gesehen: BASEMENT JAXX.
Jeden Tag gesehen, aber nie auf der Bühne: WINTER CAMP. Sicher waren sie live ausgezeichnet. Definitiv der nächste Newcomer, sofern sie ihren Konsum ein wenig drosseln.

Artikel: Rene Eres
Fotos: Bernhard Koboltschnig
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