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Frank Cappa

Alle Abenteuer des desillusionierten Kriegsreporters in einer Gesamtausgabe – ein Buch wie ein Monument, mit leichten Abzügen in der B-Note.
Frank Cappa
© avant-verlag

Obwohl er sich im Laufe seiner Karriere den unterschiedlichsten Genres widmete, fällt eine Übersicht deutschsprachiger Veröffentlichungen aus dem Schaffen von Manfred Sommer überraschend bescheiden aus. Am häufigsten vertreten ist darunter noch seine bekannteste Schöpfung, der an Robert Capa angelehnte Kriegsreporter Frank Cappa, äußerlich „eine Mischung aus Robert Redford und Charlton Heston“ (Zitat aus der Erzählung „Viet-Song“), von der Mentalität her eine Art zynischer Doppelgänger von Corto Maltese – wohl nicht zufällig stellte der befreundete Hugo Pratt einen der maßgeblichen Einflüsse des spanischen Künstlerkollegen dar.


Gemeinsam ist beiden Figuren, dass sie in ihrem Wesen zeitlos sind, sich nirgends wirklich heimisch fühlen und ständig auf Reisen sind, um an den Brennpunkten der Weltgeschichte in fast schon verlässlicher Art aufzutauchen. Während sich der elegante Seemann jedoch auf der ironischen und melancholichen Seite verorten lässt, erweist sich sein Pendant oft als abgehärtet und verbittert, was die von ihm auf Zelluloid gebannte Neigung der menschlichen Spezies zur Grausamkeit betrifft. Alle zwischen 1981 und 1989 erschienenen Geschichten, die Frank Cappas Erlebnisse sowohl in nicht näher definierten afrikanischen Ländern als auch zeitlich wie örtlich explizit benannten Krisenherden (wie Nicaragua oder Vietnam) schildern, finden sich jetzt endlich in einer pompösen Gesamtausgabe aus dem avant-verlag vereint.


Neben den eigentlichen Storys, bei denen es sowohl optisch (wahlweise in Schwarzweiß oder Farbe gehaltenes Artwork) als auch erzählerisch Variationen gibt (darunter Episoden in der kanadischen Heimat oder Rio zur Karnevalszeit), finden sich hier auch zahlreiche Covers, Entwürfe und Figurenstudien. Das alles macht diesen Band zur definitiven Investition für alle Freunde des realistischen Comics, die abgesehen von einigen spannungstechnischen Freiheiten den Charakter der jeweils geschilderten Kriege bedrückend gut einfängt und dabei auch die Rolle des Berichterstatters hinterfragt.


Seinem Wesen nach ist dieser der Neutralität verpflichtet, doch wie gut lässt es sich angesichts von Menschrechtsverletzungen und Massakern bar jeder Humanität schlafen, zugedeckt mit dem moralischen Schutzmäntelchen des Beobachters, der ja vordergründig lediglich seiner Informationspflicht nachkommt? Manfred Sommers Protagonist offenbart eine äußerst pessimistische Sicht auf die Presse und beendet den mit „Interviews sind… sind…“ begonnenen Satz seines Gesprächspartners, eines sandinistischen Guerilleros, mit „Reine Propaganda!“ Es sind Aussagen wie diese, die Frank Cappa zu einer universell gültigen Figur machen, welche nicht zuletzt in unserem Zeitalter von Desinformation und Fake News erst recht an Bedeutung gewinnt. Wer über ein paar Schnitzer beim Lektorat hinwegsehen kann, wird jedenfalls mit einer anregenden Lektüre weit über einen bloßen Abenteuer-Comic hinaus versorgt.


# # # Andreas Grabenschweiger # # #
 

Publisher: avant-verlag
 

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artikel closer s144 pc6© SLAM Media

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