Hat man die Zeit und Muße gehabt den Erstling vollständig auszuspielen, weiß man ja, dass Alice letztlich aus dem Irrenhaus entlassen wird. "Alice: Madness Returns" lässt der jungen Dame etwas Zeit, sich zu entwickeln und steigt zehn Jahre später wieder in das Leben der nun gar nicht mehr so kleinen Alice ein. Sie sitzt zwar nicht mehr in der Irrenanstalt, sondern in einem Waisenhaus mit psychologischer Betreuung, verrückt ist sie jedoch noch immer. Noch immer hat sie den tragischen Feuertod ihrer Eltern nicht überwunden und macht sich als einzige Überlebende selbst dafür verantwortlich. Alice streift im viktorianischen London umher, bis sie letztlich beginnt einer Katze zu folgen um schließlich wieder im persönlichen Wunderland zu landen. Dort angekommen, bemerkt sie sehr schnell dass mit ihr und dem gesamten Wunderland etwas ganz gewaltig nicht stimmt. Sie trifft auf die Grinsekatze und prompt wird ihr erklärt, dass das Wunderland einer stetigen Veränderung unterworfen ist und von Zerstörung bedroht wird. Das dumm grinsende Fellknäuel erzählt Alice auch, dass der verrückte Hutmacher etwas damit zu tun hat und so macht sie sich auf die Suche nach ihm, um das Wunderland und sich selbst vor dem geistigen Verfall und Wahnsinn zu bewahren.In insgesamt sechs
Kapiteln jagt man Alice durch die unglaublich vielfältige und fantastische Welt des Wunderlandes, wobei man an jeder Ecke neue Überraschungen der optisch-ästhetischen Art entdecken kann. Während des Spielverlaufes ist es vor allem das Art-Design, das in jeder Hinsicht überzeugt. Die düsteren und morbiden Elemente veranschaulichen den Verfall des Wunderlandes optimal und verbreiten eine Atmosphäre von Weltuntergang und Gruselstimmung. Immer wieder bekommt man neue Aufgaben gestellt; hat man die gelöst, wird das Gehirn der dunklen Heldin mit ein paar Erinnerungsfetzen gefüttert. Diese verdrängten Szenen aus der Vergangenheit lassen einen dann immer mehr erfahren und die Umstände des tragischen Feuers werden immer deutlicher. Dabei wird die Geschichte im Spielverlauf stets spannend und eindrucksvoll aufbereitet, leider jedoch erfreut das nur kurz und schnell beginnen die immer ähnlichen Aufgaben von Alice an der Geduld des Spielers zu zerren. Es handelt sich beinahe ausnahmslos um simpel strukturierte Aufgaben in alter Jump `n ` Run-Manier, bei denen es reicht Gegenstände zu finden, von einer Plattform zur nächsten zu springen oder Gegner niederzumetzeln. Besonders negativ fällt hierbei die etwas zähe und ungenaue Steuerung auf, die besonders bei den übermäßig vielen Sprungaufgaben das Nervenkostüm auf die Probe stellt.
Die schwammige Steuerung steht in keinem Verhältnis zu dem Toleranzrahmen der Sprungbegrenzungen und verfehlt man sein Ziel nur um Millimeter, so kann man sich auch schon aus der düsteren Welt der Wunder verabschieden und einen neuen Versuch starten. Stirbt man bei einem solchen Versuch, ein Hindernis zu überwinden, muss man glücklicherweise nicht wieder Ewigkeiten vor dem Absturz beginnen, sondern steigt in sehr kurzen Abständen wieder ins Spiel ein. Anders ist dies jedoch, wenn man von einem Gegner ins Jenseits befördert wird, dann muss man oftmals ganze Passagen inklusive der erwähnten nervigen Hindernisse und aller schon erledigten Gegner nochmals durchmachen. Das stellt insofern eine große Geduldsprobe dar, als man oft unverhältnismäßig viele Gegner vor die Nase gesetzt bekommt und die träge Steuerung sehr hinderlich ist. So kann es vorkommen dass Alice von mehreren Gegnern gleichzeitig malträtiert wird und man vergebens versucht, sie vom Quell der Schmerzen wegzumanövrieren. Positiv fällt bei den Gegnern jedoch auf dass die Kämpfe gegen die Monsterhorden nicht auf einer stupiden, allgemeingültigen Haudrauf-Formel basiert, sondern die verschiedenen Gegner unterschiedliche Taktiken erfordern. So kommt selten Langeweile auf, der Kampf mit der Steuerung bleibt jedoch. Grafisch findet man
bei "Alice: Madness Returns" leider keine wirklichen Gustostückerl. Basierend auf der "Unreal Engine 3" fällt einem schnell auf, dass das matschige Umfeld keinen Hochgenuss darstellt, wovon man natürlich mit der phantasievollen Gestaltung der Game-Welt gekonnt abgelenkt wird. Nichtsdestotrotz hat man den Eindruck als wäre seit "American McGee`s Alice" vor elf Jahren nicht wirklich viel passiert und diejenigen, die sich von "Alice: Madness Returns" ein grafisches Highlight erwartet haben, werden enttäuscht feststellen, dass man hier von wirklichen Höchstleistungen weit entfernt ist. Es gibt zwar für Nvidia-Nutzer das kleine Schmankerl der Physx-Effekte, die Texturen und Konturen besser herausarbeiten und auch Details darstellen, die ohne sie überhaupt nicht gezeigt werden. Die bleiben AMD-Nutzern jedoch verwehrt und ohnehin können sie Alice nicht alleine aus dem Sumpf der unterdurchschnittlichen grafischen Darstellung herausheben.
Fazit: "Alice: Madness Returns" überzeugt vor allem durch ein sehr kreatives und geniales Art-Design, das regelrecht vollgestopft ist mit genialen Details. Auch die Geschichte ist spannend und wird auf angenehme Weise präsentiert, jedoch wären bei Handhabung und Steuerung etwas mehr Präzision und schnellere Reaktion wünschenswert gewesen. Die mangelhafte Grafik ist ein Manko, über das Wohlwollende einfach hinwegsehen müssen, immerhin wird man dafür auch mit einer wunderschön konzipierten Fantasiewelt voller schräger und verrückter Einwohner belohnt. Trotz einiger Schwachpunkte wird Alice sich zwar nicht zum neuen Stern am Spielehimmel mausern, Liebhabern des Art-Designs und Fans von Alice wird dies jedoch ziemlich egal sein. Jedem, der gerne in einer traumhaft morbiden Welt ein wenig alte Jump `n ` Run-Nostalgie verspüren möchte, sei "Alice: Madness returns" wärmstens ans Herz gelegt. # # # Christoph Höhl # # #
Grafik: 6/10
Sound: 6,5/10
Steuerung: 5/10
Spielspaß: 9/10
Gesamt: 7/10
Entwickler: Spicy Horse
Publisher: EA





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