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Game-Review: Assassin’s Creed 2 (Xbox 360, PC, PS3; getestet auf PS3)

Als "Assassin’s Creed" 2007/2008 aus der Taufe gehoben wurde, geschah dies nicht ohne Geburtswehen. Ansehnliche Verpackung, wenig Inhalt, so die damalige Kritik durch die Bank. Hat Ubisoft aus den alten Fehlern gelernt?

assassins_creed_2_packshot (c) Ubisoft / Zum Vergrößern auf das Bild klickenDankenswerterweise darf diese Frage bejaht werden. Zwar weckt der Prolog zunächst noch unangenehme Erinnerungen an den ersten Teil –  Desmond Miles gelingt die Flucht aus dem Labor der Geheimorganisation Abstergo – doch dann wird rasch klar: Mit "Assassin’s Creed 2" wurde die Kritik am Original von den Entwicklern wörtlich genommen.


ac2_1 (c) Ubisoft / Zum Vergrößern auf das Bild klickenFür alle, die mit Ubisofts zweitem Assassinen-Streich in die Serie einsteigen: Barkeeper Desmond Miles wird bei "Assassin`s Creed" gezwungen mittels einer futuristischen Apparatur – dem Animus – in den Erinnerungen seines Vorfahrens Altair nach einem mysteriösen Geheimnis zu forsten. Diese Maschine ermöglichte es Desmond Erinnerungen seiner Ahnen, die in seiner DNA gespeichert sind, aus den Augen seiner Vorfahren mitzuerleben bzw. "nachzuspielen". Während Desmond im ersten Teil in die Haut des Assassinen Altair zur Zeit des dritten Kreuzzugs 1191 schlüpft, übernimmt unser Protagonist in der Fortsetzung die Rolle des jungen italienischen Edelmanns Ezio Auditore Da Firenze zur Zeit der Renaissance.


In der Rolle des erwachsenen Altair bleibt die Herkunft Desmonds Alter-Ego mehr oder minder im Dunkeln; dagegen erstreckt sich die Handlung von "Assassin`s Creed 2" über eine Zeitspanne von mehreren Jahren, beginnend mit der Geburt Ezios und seiner Namensgebung. Anstatt eines klassischen Tutorials führen kleinere Aufträge wie Botengänge oder Prügeleien in die intuitiven Steuermechanismen ein. Dabei gelingt es bereits in den ersten Missionen einen guten Eindruck der lebendigen Vielfalt von Ezios Heimat – der Stadt Florenz – zu vermitteln; gleichzeitig wird mit diesen einleitenden Aufträgen sogar eine beachtliche emotionale Bindung zu Ezios Familie bzw. Antipathie zu den Feinden der Auditores geschaffen.


ac2_2 (c) Ubisoft / Zum Vergrößern auf das Bild klickenSchließlich gipfelt diese Ouvertüre in einem ultimativen Verrat. Ezio sinnt auf Rache und begibt sich auf seinem Feldzug gegen die Drahtzieher (u.a. nach Rom und Venedig) um den Feinden seiner Familie und den Opponenten der Assassinen meuchelnd den Garaus zu machen. Während im Vorgänger die Spielabschnitte im Animus noch recht oft von Ausflügen in das Abstergo-Labor durchwachsen waren, reduzieren sich diese Zäsuren nun auf ein angenehmes Mindestmaß. Auch das Missionsdesign selbst wurde einer wohltuenden Frischzellenkur unterzogen. Wir erinnern uns: So wendig Altair im ersten Teil schwindelerregende Höhen empor klettern konnte, so nervig und eintönig gestalteten sich die monotonen Nebenquests und die repetitiven Hauptaufgaben, welche stets in dem Meuchelmord des Bossgegners mündeten. Das ist nun gänzlich anders. Die Hauptmissionen bilden nun den roten Faden einer spannenden Geschichte und führen Ezio zu einem guten halben Dutzend ansehnlicher Schauplätze. Dort gilt es untreue Ehemänner zur Räson zu bringen, über den Dächern von Florenz und Venedig um die Wette zu springen, zu laufen und sogar zu fliegen. Sämtliche Missionen sind dabei Teil der Geschichte und fördern keinesfalls – wie im Vorgänger – das Gefühl einer wenig gehaltvollen und daher künstlichen Verlängerung der Spielzeit. Nebenaufgaben gibt es nach wie vor reichlich, jedoch sind diese nun optional. Wer keine Lust auf Botengänge und Erkundungstouren hat, darf sich gerne ausschließlich der Hauptgeschichte widmen und kleinere Aufträge außen vor lassen. Fleißige Assassinen werden jedoch mit reichlich Bargeld entlohnt, welches in der Haut von Ezio nicht nur in Bewaffnung und Medizin sondern auch für die Renovierung der Familienvilla verwendet werden kann. Mehr noch: Es besteht die Möglichkeit, durch Investitionen in die städtische Infrastruktur die heruntergekommene Stadt Monteriggioni (in der Nähe von Florenz) wieder in Schwung zu bringen. Angenehmer Nebeneffekt: Diese Finanzspritzen führen nicht nur dazu, dass das Stadtbild innerhalb kurzer Zeit erblüht, Ezio erwirbt mit jeder Investition eine anteilige Miteigentümerschaft der Liegenschaften. Je höher die eingesetzten Mittel, desto einträglicher sind die Steuereinnahmen.


ac2_3 (c) Ubisoft / Zum Vergrößern auf das Bild klickenDeutlich ergiebiger als bei Altair sind auch das zur Verfügung stehende Waffenarsenal und die Rüstungsgegenstände. Die bekannten Bewegungsmöglichkeiten im Kampf sind weiterhin vorhanden, allerdings macht die unterschiedliche Panzerung der Gegner ein überlegteres Vorgehen zur Pflicht. Das Handling gleicht im Kern dem ersten Teil und erweist sich erneut als weitgehend intuitiv. Die Aktionsmöglichkeiten werden sogar am rechten oberen Bildschirmrand angezeigt, was die Einsteigerfreundlichkeit noch weiter steigert. Wie auch im ersten Teil funktioniert das automatische Sprungsystem nicht immer reibungslos, es gibt jedoch deutlich weniger Abstürze und auch das Hängenbleiben an Gegenständen kommt etwas seltener vor als mit Altair. Die wohl beste Neuheit ist im Übrigen das zeitsparende Schnellreisesystem. Überflüssige und zeitraubende Ritte zwischen den Städten gehören mit Ezio der Vergangenheit an.


ac2_4 (c) Ubisoft / Zum Vergrößern auf das Bild klickenIm direkten Vergleich zwischen Ezio und Altair verfügt der italienische Assassine über ein breiteres Angriffs- bzw. Bewegungsrepertoire sowie über eine nützliche Auswahl über gefinkelte Hilfsgegenstände wie Münzen oder Rauchbomben, die zwecks Ablenkung bzw. Desorientierung von Wachen in die Menge geworfen werden können. In Summe ist Ezio deutlich agiler und schlagkräftiger als sein arabischer Urahne. Und weitaus flexibler. Während Altair in den meisten Fällen nur ein Weg offenstand um die Aufgabe erfolgreich zu bewältigen, bieten sich Ezio mehre Möglichkeiten: Ablenkung, Angriff, Flucht oder das Untertauchen in der Menge. Eine wesentliche Rolle dabei spielt das Aufmerksamkeits-Niveau der lokalen Wachen. Treibt es Ezio allzu bunt, sind die Mannschaften schnell zur Stelle. Wer es dann wieder etwas bedächtiger angehen möchte, kann den Fahndungslevel durch Schmiergelder oder das Entfernen von Steckbriefen senken. Übrigens: das mit Altair stets verlässliche Untertauchen im Heuhaufen funktioniert bei "Assassin’s Creed 2" in Folge der aufmerksameren Wachen nur noch bedingt.


ac2_5 (c) Ubisoft / Zum Vergrößern auf das Bild klickenDie Spieloptik ist in vielerlei Hinsicht schlichtweg atemberaubend. Da werden beindruckende Szenen geliefert, das ist großes Kino, welches selbst verwöhnten Spiele-Junkies noch länger im Gedächtnis bleiben dürfte:Bbeispielsweise als sich die Silhouette der Stadt Florenz vor dem geistigen Auge Desmonds – kurz nach dem erstmaligen Betreten des Animus 2.0 – aufbaut oder angesichts des fesselnden Ausblicks nach dem Erklimmen der Campanile des Florentiner Doms. Gier leistet "Assassin’s Creed 2" wahre Pionierarbeit und lässt den Atem in regelmäßigen Abständen stocken. Auch die Gebäudearchitektur ist fast über jeden Zweifel erhaben. Viel Licht, aber auch einige Schatten, denn die beindruckende Präsentation scheint einen gewissen Tribut zu kosten. Gelegentliches Flimmern und Flackern von Texturen, einige (seltene) Ruckler sowie häufige Pop-Ups sind wohl das Resultat der beeindruckenden Gebäude-Vielfalt und der ansehnlichen Weitsicht. Abgesehen von den doch recht auffälligen und störenden Pop-Up Fehlern handelt es sich hier jedoch um Kritik auf hohem Niveau, das die tolle Atmosphäre nur geringfügig mindert. Nicht zuletzt deshalb, da die Charaktere eindrucksvoll und natürlich in Szene gesetzt sind, wie bereits im Vorgänger. So sind auch im virtuellen Italien der Renaissance die Straßen voller Leben und Leidenschaft. Emotionen tönen lautstark aus allen Ecken und Enden, lediglich einige repetitive Kommentare von Passanten stören die Illusion des realen Stadttreibens.


Fazit: Wo "Assassin’s Creed" nur an der Oberfläche kratzen konnte und durch ein eintöniges und seelenloses Gameplay enttäuschte, gelingt mit dem Nachfolger der Durchbruch: spielerischer Anspruch durch Abwechslungsreichtum bei den Missionen, eine Geschichte und Charaktere mit Herz und Seele, eine respektable technische Aufmachung und rasante Kämpfe. Das Tüpfelchen auf dem I bilden dann noch die historischen Hintergrund-Informationen zu Gebäuden, die über das Animus-Menü nach Betreten der Örtlichkeit abgerufen werden können. Geschichte, wie sie schöner nicht sein kann.

# # # Karl Stingeder # # #

Grafik: 9,0/10
Sound: 9,0/10
Steuerung: 9,5/10
Spielspaß: 9,0/10
Gesamt: 9/10

Entwickler/Publisher: Ubisoft




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