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Game-Review: Call of Duty - Modern Warfare 2 (PC, PS3, Xbox360; getestet auf PS3)

Besser, lauter, schneller! "Moderne Kriegsführung" auf Hollywood-Blockbuster Niveau. Erfüllt "Call of Duty: Modern Warfare 2" die überirdischen Erwartungen des Vorgängers und die Ansagen des bewusst geschürten Mega-Hypes?

cod_mf2_packshot (c) Infinity Ward/Activision Blizzard / Zum Vergrößern auf das Bild klickenHypes sind das Ergebnis einer begeisterten Fanbasis, das Resultat von viralem Marketing und von gezielt ausgeworfenen Medien-Happen, welche die Aufmerksamkeit lenken und erhöhen. Angesichts der zahlreichen Lobpreisungen der ersten "Modern Warfare" – Veröffentlichung war jene aber ohnehin bereits auf einem beeindruckenden Niveau. Die intensive Bewerbung des zweiten Teils ließ dann nichts anderes als ein Videospiel erwarten, das alles bisher Dagewesene in den Schatten stellen würde. Als notorische Skeptiker wagen wir uns trotzdem zu hinterfragen: Was wird geboten? Ist "Modern Warfare 2" auch ein gutes Spiel? Was steckt hinter der Fassade der Hochglanz-PR?


mp_favela_01 (c) Infinity Ward/Activision Blizzard / Zum Vergrößern auf das Bild klickenBei allen Vorschusslorbeeren bleibt das Spiel im Kern ein Shooter mit kinoreifer Präsentation, Stakkato-Action und einem durchaus ernstem Unterton. Auf anspruchsvolle Charakter-Entwicklung und tiefgehende Handlungsstränge sollte allerdings nicht gehofft werden. Zwar bietet die Story einen durchaus glaubwürdigen Rahmen und es gelingt den Entwicklern an einigen Punkten des Plots sogar das Kunststück, Empfindungen wie Mitleid für die kämpfenden Alter Egos oder Zorn über Makarov oder General Shepherd heraufzubeschwören; nichtsdestotrotz sind die Charaktere allesamt eher eindimensional inszeniert und bis auf zwei bereits aus dem ersten Teil bekannten – Price und Soap – ist keine Identifizierung möglich. Zudem führt der relativ zügige Charakterwechsel dazu, dass sich keine emotionale Bindung zum Alter-Ego ausprägen kann. Hier wird deutlich, dass die "Call of Duty" bzw. "Modern Warfare"-Reihe unverändert ein Augen- und ohrenbetäubendes Action-Feuerwerk bietet und dabei weitere Ansprüche hintanzustellen sind.


Freunde von schnellen und kurzweiligen Shootern kommen voll auf ihre Kosten. Ein atemberaubender Höhepunkt jagt den anderen und kreative Missionsziele sowie eindrucksvolle Schauplätze (z.B. die internationale Raumstation ISS aus der Perspektive eines Astronauten!) lassen die Kinnlade des geneigten Action-Fans häufig nach unten klappen. Darüber hinaus lockern abwechslungsreiche Fahrzeug-Passagen jene Abschnitte, die per Pedes zu bewältigen sind, angenehm auf und bringen zusätzliche Dynamik in das ohnehin temperamentvolle Gameplay. Insgesamt sind 18 Missionen spielbar, die – abhängig vom gewählten Schwierigkeitsgrad – allerdings wie im Flug vorübergehen. Dies ist auch einer der Hauptkritikpunkte am Titel: Solopuristen schauen nach 5-8 Stunden Spielzeit durch die Röhre. Zwar ist es nach dem ersten Durchlauf der Kampagne im SpecOps-Modus möglich via Splitscreen oder mit einem Online-Partner Missionen aus dem 1. und 2. Teil nochmals in Kooperation mit Mitspielern zu meistern, trotzdem liegt der Schwerpunkt auch bei "Modern Warfare 2" beim klassischen Mehrspieler-Online-Modus.


mp_highrise_02 (c) Infinity Ward/Acitvision Blizzard / Zum Vergrößern auf das Bild klickenHier wird deutlich, dass die Entwickler alle zur Verfügung stehende Kraft und Konzentration investiert haben um die Erfolgsgeschichte des Online-Multiplayers mit "Modern Warfare" fortzuschreiben. Unterm Strich stehen 14 (!) Spielmodi zur Auswahl, welche nach und nach freizuspielen sind. Und wieder gilt es Erfahrungspunkte zu sammeln, neue Waffen einzuheimsen und Karriere im militärisch geprägten Rangsystem zu machen. Wie im Vorgänger stehen 3 frei belegbare Slots zur Verfügung, die mit Spezialfähigkeiten belegt werden können. Mit maximal 17 Mitspielern darf auf den teils sehr geräumigen Spielkarten einander die Hölle heiß gemacht werden; zudem funktioniert die Matchmaking-Funktion klaglos und bereits nach kurzer Eingewöhnungsphase entfalten die motivierenden Online-Scharmützel ihr volles Spielspaß-Potential.


mw_2_screen1 (c) Infinity Ward/Activision Blizzard / Zum Vergrößern auf das Bild klickenAuch der – leider recht kurze – Soldatenalltag im Solospiel gestaltet sich in Folge der erwähnten großen Abwechslung äußerst kurzweilig. Und Dank des zur Verfügung stehenden beachtlichen Waffenarsenals bieten sich für die Einzelspieler-Missionen verschiedene taktische Herangehensweisen an. Hier macht es einen großen Unterschied ob Shotguns oder Scharfschützengewehre bevorzugt zum Einsatz gelangen. Leider wenig Freiheit lassen die mehrheitlich überwiegenden Schlauchlevels, die gezwungenermaßen in Frontalangriffen münden. Das weitaus effektivere und praktikablere Flankieren von feindlichen Kämpfern und Stellungen ist bei einigen Passagen zwar möglich – aber leider viel zu selten. Summa summarum wäre daher ein etwas offeneres Leveldesign erfreulich gewesen.


Dagegen bietet die technische Aufmachung keinen Anlass zur Klage. Die Konsolensteuerung funktioniert intuitiv und ist sehr präzise. Die Spielgrafik offenbart ein Fest für die Augen, atmosphärische Landstriche, unterschiedliche Tages- und Nachtzeiten sowie vielfältige Witterungsverhältnisse sorgen für die nötige Abwechslung. Dazu kommt die ansprechende und glaubwürdig in Szene gesetzte Gebäudearchitektur und das mit viel Liebe zum Detail ausgearbeitete Innen-Mobiliar. Atemberaubende Explosions- und Lichteffekte überzeugen ebenso wie die fast schon fotorealistisch anmutenden Landschaften mit häufig beeindruckendem Weitblick. Ruckler sind kaum zu sehen sind und das Spiel läuft fast durchgehend flüssig. Hans Zimmers Score ist – wie könnte es anders sein – über jeden musikalischen Zweifel erhaben und unterstreicht das bombastische Kriegstreiben mit ernsten Untertönen durch eine gewohnt kompromisslose und volle auditive Untermalung. Der Spielsound tönt glaubwürdig und voll aus den Boxen, insbesondere Besitzer einer Surround-Anlage dürfen sich auf einen Ohrenschmaus freuen.


mw_2_screen2 (c) Infinity Ward/Acitvision Blizzard / Zum Vergrößern auf das Bild klickenEntzückt sind sicher auch Verfechter von ungeschnittenen Fassungen mit Affinität zu deutschen Synchronstimmen: Die in Deutschland erhältliche USK 18-Version unterscheidet sich nur in einem Punkt von der internationalen PEGI-Fassung. In der Haut eines Undercover-Agents mit der Zielsetzung Makarovs Machenschaften zu untergraben darf zwar dessen blutiger Streifzug durch ein Einkaufszentrum begleitet sowie russische Sicherheitskräfte aufs Korn genommen werden, ein Beschuss von Zivilisten wird jedoch mit dem abrupten Ende der Mission bestraft. Klar ist, dass unzählige moralisches Anprangerungsversuche im Vorfeld des Release zu zusätzlicher Gratis-Werbung und einer beachtlichen Erhöhung des Bekanntheitsgrades – gemäß dem Motto "Bad news are good news" – verholfen haben.


mw_2_screen3 (c) Infinity Ward/Activision Blizzard / Zum Vergrößern auf das Bild klickenAbgesehen vom geschickten Marketing muss ein weiteres großes Kompliment für das glaubwürdige KI-Verhalten ausgesprochen werden. Sowohl gegnerische Kombattanten als auch Mitstreiter agieren mit real anmutendem Selbsterhaltungstrieb, was im Shooter-Jahr 2009 beileibe noch keine Selbstverständlichkeit darstellt. Anders bei "Modern Warfare 2": Feindliche Soldaten hechten panisch in Deckung, blicken flüchtig um die Ecke oder versuchen das Alter-Ego heimtückisch zu umzingeln. Da können sich viele Entwickler ein gutes Stück von Infinity Ward abschneiden! Auch Kameraden bewegen sich glaubwürdig und stellen keinesfalls – wie so oft – bloß Kanonenfutter für die gegnerische Seite dar.  Erwähnenswert sind darüber hinaus auch einige taktische Möglichkeiten, die sich durch die Einführung des Kampfschilds ergeben haben. Dieser Schild ist nahezu immun gegen Standard-Beschuss und dessen Träger kann lediglich durch gezielte Granatenwürfe mit daraus resultierender Verwundung an den Füßen und am Rücken außer Gefecht gesetzt werden. Des Weiteren birgt die immanente Chance Türen und Deckungsgegenstände durch Beschießung durchdringen zu können sowie der Einsatz von Drohnen zusätzlich taktischen Spielraum. Zu den Drohnen: Diese raketenähnlichen Geschosse stehen dem Alter-Ego bei manchen Einsätzen zur Verfügung und erinnern an die vielkritisierte Mission aus dem 1. Teil, wo Spieler in die Haut eines Fliegerbomber-Bordschützen schlüpften und aus der Vogelperspektive winzige Abbildungen von feindlichen Kombattanten aufs Korn nehmen durften. Analog dazu übernehmen wir im 2. Teil für Augenblicke die Kameraperspektive der Drohne und steuern diese vor dem Hintergrund des Infrarotbilds auf feindliche Stellungen oder Fahrzeuge zu. Gleich wie beim Vorgänger dürfte notorisches Herumwedeln mit dem pseudomoralischen Zeigefinger und dem Hinweis auf die angeblich damit einhergehende "abstrahierende und daher zu verurteilende Darstellung von Gewalt" vorprogrammiert sein.


Fazit: "Modern Warfare 2" bietet effektgetränktes und spannungsgeladenes Popcorn-Kino, das von spielerischen Höhepunkten nur so wimmelt und kaum Zeit für Atempausen lässt. Solo-Puristen wird die kurze Spielzeit ärgern (am Besten aus der Videothek ausleihen!). Shooter-Fans, die gelegentlich auch im Multiplayer zocken, dürfen bedenkenlos zugreifen.

# # # Karl Stingeder # # #

Grafik: 9,5/10
Sound: 9,5/10
Steuerung: 9,0/10
Spielspaß: 8,5/10
Gesamt: 9/10

Entwickler: Infinity Ward
Publisher: Actvision Blizzard




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