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Game-Review: Dragon Age: Origins (PC, Xbox 360, PS3; getestet auf PC & PS3)

"Dungeons & Dragons" meets "Oblivion" meets "Herr der Ringe" – Bioware tritt an, um die geplagte RPG-Seele zu retten. Alles Wissenwerte in unserem großen Doppel-Review.
PC-Version


dragon_age_packshot (c) BioWare/EA / Zum Vergrößern auf das Bild klickenFerelden steht wieder einmal am Abgrund: die Dämonenarmee der Darkspawn klopft an die Türen des Königreichs, politische Intrigen schwächen die Menschen und Zwerge, Elfen und Magier haben so ihre eigenen Probleme. Wieder einmal liegt es an den Grey Wardens, mächtigen Kriegern aller Rassen, die Völker zu vereinen und auf die gemeinsame Rettung von Ferelden einzuschwören. Und es kommt wie es kommen muss: Euer mächtiger Mentor stirbt und so liegt es nun an euch, die schier unlösbare Aufgabe durchzuziehen.


dragon_age_1 (c) BioWare/EA / Zum Vergrößern auf das Bild klickenSo viel zum Beginn der großen Story, die – und so viel sei verraten – dazu beiträgt, dass endlich wieder einmal mehr als 20 Stunden Rollenspiel-Vergnügen vor einem liegen. Der Anfang ist  vielversprechend. Aus dem bekannten Rassen Mensch, Elf und Zwerg in Kombination mit den drei Klassen Krieger, Magier und Schurke entstehen sechs verschiedene Intros, wobei die Wahl eures Charakters auch Einfluss auf den späteren Spielverlauf und vor allem auf die Reaktion vieler NPCs auf euch hat. Es lohnt sich wirklich, hier alle Möglichkeiten einmal auszuprobieren, denn die Geschichten sind liebevoll und detailreich gestaltet und sehr spielenswert.


dragon_age_2 (c) BioWare/EA / Zum Vergrößern auf das Bild klickenDann geht’s klassisch weiter: Ein mächtiger Krieger taucht in eurer vertrauten Umgebung auf, rekrutiert euch zu den Grey Wardens und flugs führt die Reise zu eurem Initationsritual und zur ersten großen Schlacht. Dort überschlagen sich die Ereignisse und bevor ihr nach einiger Kämpferei überhaupt wisst, was los ist, landet ihr mit eurem bis dorthin einzigen Gefährten in einem kleinen Waldhaus – die wahre Mission beginnt. Apropos Gefährten: Wie in "Neverwinter Nights" und Konsorten laufen euch im Zuge der Story immer wieder schräge Gestalten über den Weg, die sich euch anschließen wollen. Ob ihr die jeweilige Person mitnehmen wollt, liegt an euch. Mitunter wächst die Meute auf acht Kämpfer an, was die Qual der Wahl nach sich zieht: Welchen nehme man her, um die drei verfügbaren Plätze aufzufüllen? Alte Hasen werden wissen, dass eine breite Streuung wohl die beste Entscheidung ist: ein Krieger, ein Schurke und ein Magier – und dann nach Vorlieben. Positiv hier hervorzuheben ist, dass es keinen Gegner gibt, der nur mit einer Art von Kämpfer besiegt werden kann. Selbstverständlich sind dann und wann gewisse Leutchen und Fähigkeiten effektiver, aber in Summe stirbt alles irgendwann.


dragon_age_3 (c) BioWare/EA / Zum Vergrößern auf das Bild klickenIm Gegensatz zu "Two Worlds", wo ebenfalls großer Einfluss auf die Spielwelt angekündigt wurde, haben eure Entscheidungen in DA:O durchaus Gewicht; gerade bei den Gefährten wird das sichtbar. Jeder einzelne von ihnen reagiert anders auf Entscheidungen, die gutmütige Priesterin kommt mit der zynischen Waldmagierin kaum klar. Das schlägt sich dann im Beziehungssystem nieder. Haben euch Gefährten besonders gern, gibt es Boni auf ihre passenden Fähigkeiten. Hassen sie euch bis aufs Blut reicht der Reaktionsbogen von Verlassen bis Verrat der Gruppe. Dem könnt ihr mit zahlreich in der Spielwelt vorhandenen Geschenken entgegenwirken – wobei natürlich ein Präsent nicht dem anderen gleicht und die Zustimmung unterschiedlich hoch ausfällt.


dragon_age_4 (c) BioWare/EA / Zum Vergrößern auf das Bild klickenSolch Detailreichtum kommt an und auch der Rest scheint zu passen. Das Kampfsystem ist intuitiv, das Levelsystem verständlich, auch wenn ihr nicht in Versuchung geraten solltet, völlig planlos zu leveln sondern euch gerade zu Beginn auf eine Gruppe von Fähigkeiten zu konzentrieren (beim Krieger etwa der Schildkampf). Dass die Grafik anfangs etwas holprig wirkt, stört spätestens nach zwei Stunden kein bisschen mehr. Etwas mehr Ärger zieht da schon der Rundumblick mit sich. Die freie Kameraführung ist auf 360° in der Horizontalen beschränkt und Rauszoomen führt zu einer Obersicht – aber sonderlich zufriedenstellend ist das nicht. Könnte man die Kämpfe nicht pausieren, wäre ich weitaus öfter weggestorben, als mir das lieb gewesen wäre. Aber man gewöhnt sich ja an alles. Mit ein wenig Übung ist die klobige Umsicht vergessen und man rutscht immer tiefer in die Story.


dragon_age_5 (c) BioWare/EA / Zum Vergrößern auf das Bild klickenEndlich, endlich ist es wieder da: "Den einen Quest noch! Den einen Quest noch!" Story, NPCs und Sidequests sind toll designt. Diverse Zwischensequenzen wirken zwar immer wieder, als hätte man sie direkt aus "Herr der Ringe" übernommen (überhaupt ist eine frappante Ähnlichkeit der Darkspawn zu Orks und Uruk-Hais zu konstatieren), und das Interface ähnelt logischerweise allem, was je mit D&D assoziiert wurde – womit wir bei den Vergleichen aus dem Teaser wären. DA:O will den Spagat schaffen, den eigentlich unmöglichen, zwischen einem D&D-Schlauch und einer freien Welt. Das gelingt leider nur halbherzig, denn der Wiederspielwert ist weitaus geringer, als man sich das beim ersten Durchspielen noch gedacht hätte. Das alte Leiden schlägt mit aller Bitterkeit zu: man kennt die Story halt. Darüber können verschiedene Anfänge, deren Einfluss auf die Welt und sogar unterschiedliche Enden nicht hinwegtäuschen. Es fehlt der "Erforschungscharakter", das einfach-in-der-Gegend-Rumlaufen. Frei ist die Spielwelt keineswegs, viel zu oft steckt man in Schläuchen fest und was hilft`s einem da, wenn man eine kleine Entscheidung fällen kann. "Echtes" Rollenspielen sieht anders aus.


dragon_age_6 (c) BioWare/EA / Zum Vergrößern auf das Bild klickenWeiters stößt mir sauer auf, dass das Spiel automatisch Screenshots generiert und mit dem Profil an BioWare sendet – man muss ja fast schon dankbar sein, dass diese Funktionen deaktivierbar sind. Auch die Sache mit den "Premium Contents" ist in meinen Augen eine Unart: Einzelne Quests und Items sind zusätzlich herunterladbar, aber natürlich nur mit einem EA-Account. Sorry, aber sind wir bei den "Sims"? DLCs haben in einem freien RPG, das eigentlich ein Einfühlen in den Charakter und ein Verschmelzen mit der Welt zum Ziel haben sollte, nichts verloren. Dass das auch noch direkt ins Spiel eingebaut ist (entsprechende Charaktere ermöglichen die Antwortfunktion "Ja ich helfe, gib mir einen Moment (Inhalt downloaden)"), setzt dem Ganzen echt die Krone auf. Zu offensichtlich steckt das Motiv der Geldmacherei dahinter, denn selbstverständlich ist für einige DLCs zu zahlen – und da kommen sicher noch mehr. Schöne Gaming-Zukunft.


Fazit: DA:O ist ein fantastisches RPG, den Entwicklern kennt man die Mühe wirklich an. Sehr positiv ist auch, dass die englische Originalsprachausgabe dabei ist (die deutschen Soundfiles liegen auf einer Extra-DVD bei). Mangelnder Wiederspielwert und die DLC-Sache trüben den Gesamteindruck leider. Klar kommt man ohne die zusätzlichen Quests aus, aber es bleibt das Gefühl, ein Rumpfwerk in den Händen zu halten.

# # # Bernhard Kleinbruckner # # #

Grafik: 8
Sound: 9
Steuerung: 8
Spielspaß: 7
Gesamt: 8


PS3-Version

 
dragon_age_packshot_ps3 (c) BioWare/EA / Zum Vergrößern auf das Bild klickenWer die Qual der Wahl zwischen Schreibtischsessel und Couch hat, sollte sich die folgenden Zeilen zu Gemüte führen. PS3-Enthusiasten mussten sich im Vergleich zu Xbox360-Konsoleros und Getreuen des Rechenknechts ja in Folge des späteren Release-Termins etwas länger in Geduld üben. Gleich vorneweg: Biowares Rollenspiel-Epos unterscheidet sich auf PS3 und Xbox 360 zwar nur marginal, jedoch können zur oben getesteten PC-Fassung sehr wohl einige markante Abweichungen festgestellt werden.


Was auch wahrlich keine große Überraschung darstellen dürfte. Die Power des Rechenknechts wird in Folge von augenscheinlichen technischen Sachzwängen auch in den nächsten Jahren jeder Konsole um Längen voraus sein. Unabhängig von technischen Naturgesetzen, gibt es im direkten Vergleich von PS3- und PC-Fassung allerdings einige bemerkenswerte Unterscheidungspunkte, die sowohl Spieldesign als auch Gameplay betreffen.


dragon_age_7 (c) BioWare/EA / Zum Vergrößern auf das Bild klickenAm deutlichsten fällt dabei wohl die in der PS3 (sowie die übrigens auch in der Xbox360) fehlende isometrische Perspektive ins Gewicht. Während in der PC-Version der Zoom über die Köpfe der Partymitglieder bzw. das Zurückfahren der Kamera möglich ist um eine bessere Übersicht zu erlangen, ist dieses nützliche Feature bei den Konsolenfassungen der Entwickler-Schere zum Opfer gefallen. Schnipp-Schnapp. Schade, denn so haben lediglich "Graue Wächter" auf dem PC die Möglichkeit – wie beim geistigen Rollenspiel-Vater "Baldur’s Gate" – den Spielverlauf aus der strategisch übersichtlichen Iso-Perspektive zu beeinflussen. Flächenzaubereien sind auf den Konsolen weiterhin sehr nett anzusehen. Allerdings sind diese in Folge der beschnittenen Perspektive weniger effektiv; zudem führt der eine oder andere Flächenzauber zu Wutausbrüchen und Schimpftiraden. Stichwort: Der Feuerball und das leidige "Friendly Fire".


dragon_age_8 (c) BioWare/EA / Zum Vergrößern auf das Bild klickenAbgesehen von diesem Handicap erweist sich das Handling auf der PS3 als überaus intuitiv. Magie- und Spezialangriffe werden über die Kreis-, Dreiecks und Vierecks-Tasten angewählt, die Betätigung der X-Taste löst Standard-Angriffe der Primärwaffe aus. Erwartungsgemäß gestaltet sich die Navigation zu Beginn etwas gewöhnungsbedürftig, da die Menüs einen beachtlichen Umfang aufweisen. Nach einer geringen Einarbeitungszeit bewegt sich der geneigte Recke bzw. die gewillte Amazone jedoch mit traumwandlerischer Sicherheit durch die verschiedenen Charakter-Fenster. Auch das Kampfsystem musste in das Korsett der Sony-Konsole gepresst werden. Zwar haben sich die Entwickler redlich bemüht die umfangreichen Kampf-Optionen in ein akzeptables Konsolen-Interface zu übersetzen, jedoch mussten auch hier gezwungenermaßen einige Abstriche gemacht werden: Viereck, Dreieck und der Kreis sind mit jeweils einer Kampfoption belegbar, die meisten übrigen Möglichkeiten können lediglich über ein separat anwählbares Radial-Menü aufgerufen werden. Dabei kann den Entwicklern keineswegs vorgeworfen werden, sich keine Gedanken bei Menüführung und Steuerung gemacht zu haben; nichtsdestotrotz können Party-basierte Rollenspiele wohl kaum als ein etablierter Genre-Standard bei Konsolen-Spielen gesehen werden. Dementsprechend durchwachsen fühlt sich mancherorts eben auch die Steuerung an. Vorläufiges Fazit: Bioware leistet hier Pionierarbeit, infolgedessen erweist sich der "Schliff des Diamanten" sehr roh.


Bei der optischen Präsentation stechen auf der PS3 einige matschige Texturen, Clipping-Fehler und grob aufgelöste Charakterdetails ins Auge. Hier wird - wie auch auf der PC-Version - deutlich, dass mehr als 5 Jahre Entwicklungsarbeit in "Dragon Age: Origins" geflossen sind. Das große Plus – die enorm tiefschürfende Charakterentwicklung und die fesselnde Story – fordert ihren Tribut in Form von Abstrichen bei der Spielgrafik. Dagegen gehen Spielsound und Score hervorragend ins Ohr und verdichten die düstere Atmosphäre. Ein besonderes Augenmerk wurde dabei auf die Synchronisation der Charaktere gelegt. Hier kommen durchwegs motivierte professionelle Sprecher zum Einsatz. Dementsprechend glaubwürdig und atmosphärisch präsentiert sich die Palette der Stimmen und Persönlichkeiten in "Dragon Age: Origins".


dragon_age_9 (c) BioWare/EA / Zum Vergrößern auf das Bild klickenWer der englischen Sprache mächtig ist, sollte – trotz respektabler Synchronleistung – auf die Originalfassung zurückgreifen um in den vollen Genuss der atmosphärischen Vertonung zu kommen. Hier liegt auch der wohl größte Unterscheidungspunkt zwischen PS3 und Xbox360, denn lediglich auf der PS3 steht der englische Originalton zur Verfügung. Mimik und Gestik wirken natürlich, wenngleich das Niveau und die Vielfalt der akkustischen Charakter-Darstellung nicht erreicht werden kann. Am überzeugendsten wirken die Charakter-Animationen noch bei den Kämpfen. Als kleine Entschädigung für die augenscheinlichen grafischen Abstriche kann allerdings das Ausbleiben von Rucklern gewertet werden.


Die wohl auffälligste Abweichung – neben der fehlenden isometrischen Perspektive – im direkten Vergleich zwischen PS3- und PC-Version ist die Exklusivität des Mod-Editors. Dieses Manko dürfte jedoch mutmaßlich kein frei Entscheidung der Entwickler und wohl eine technische Vorgabe der Sony-Konsole oder lizenzrechtlich begründet gewesen sein. Wie auch immer, Mod-Fans müssen de facto einmal mehr auf den Rechenknecht ausweichen. Alle anderen können es sich gemütlich auf der Couch bequem machen.


Fazit: Alle geneigte Rollenspiel-Fans, die bei "Dragon Age: Origins" über die Abstriche bei der Steuerung, über die gekürzte Iso-Perspektive und über matschige Texturen hinweggesehen können, erhalten der einen prall gefüllten RPG-Teller serviert: Ein motivierendes Epos mit beeindruckender Charakter-Entwicklung, komplexen Kämpfen und einer Geschichte, die es ausnahmsweise wert ist als solche bezeichnet zu werden. PS3-Konsoleros dürfen "Dragon Age: Origins" komplett in Deutsch oder in der englischen Originalfassung spielen.

# # # Karl Stingeder # # #

Grafik 6,5/10
Sound 9/10
Steuerung 7,5/10
Spielspass 9/10
Gesamt: 8

Entwickler: BioWare
Publisher: EA




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