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Game-Review: Fairytale Fights (Xbox 360, PS3, PC; getestet auf Xbox 360)

"Es war einmal, vor langer Zeit…"
 
fairytale_fights_packshot (c) Playlogic / Zum Vergrößern auf das Bild klickenMit diesem Satz haben schon viele großartige Geschichten begonnen. Das haben sich wohl auch die Entwickler des Independent Studios Playlogic gedacht und sich der Grimm`schen Märchenwelt angenommen. "Fairytale Fights" ist eine chaotische Mischung aus Castle Crashers und Happy Tree Friends im Märchenambiente. Gespielt wird als einer von vier Charakteren; das verstoßene Rotkäppchen, das leicht verrückte Schneewittchen, der nackte und deshalb sehr zufriedene Kaiser und zu guter Letzt der unerschrockene Bohnenranken-Hans stehen zur Auswahl. Die Figuren haben ihren angestammten Platz in der Geschichte der Märchen verloren und sind in die Vergessenheit abgerutscht. Mit glorreichen Heldentaten wollen sie der verrückten Welt von Taleville zu neuem Glanz verhelfen und so ganz nebenbei die Identitätskrise überwinden.


fairytale_fights_1 (c) Playlogic / Zum Vergrößern auf das Bild klickenTaleville, die Hochburg der Verrückten

Nach einer kurzen Vorstellungsrunde der Hauptcharaktere befindet man sich im kleinen Örtchen Taleville, welches gleichzeitig als Menü fungiert. Sofort fällt einem die liebevoll gestaltete Umgebung auf. Da sitzen die neben den Rayman Raving Rabbits wohl witzigsten Hasen der Videospielgeschichte auf einer Wiese um sich die virtuelle Sonne auf den Bauch scheinen zu lassen, die an grünes Marzipan erinnernden Bäume wiegen sich leicht hin und her, Gebäude stehen jeder Statikberechnung zum Trotz am Rand des Waldes und ein Riese lehnt am fernen Horizont entspannt an einem Berg. Der wohl bewusst einfach gehaltene Grafikstil ist durchaus ansprechend und unterstreicht die großen Ambitionen. Auch die Animationen der einzelnen Helden und Gegner sind einfach aber sympathisch und verraten viel über die jeweilige "Persönlichkeit". Es ist einfach herzerwärmend anzusehen, wenn Rotkäppchen mit zu Flugzeugtragflächen ausgebreiteten Armen im Kreis läuft.


fairytale_fights_2 (c) Playlogic / Zum Vergrößern auf das Bild klickenStrg-C und Strg-V ergeben selten gutes Leveldesign

Der gesamte Questmode ist in Kapitel unterteilt. Zu Beginn jedes Kapitels erklärt ein oberschlaues, in der Luft schwebendes Buch die Situation. Das ist zwar amüsant, für den folgenden Spielverlauf jedoch unwichtig. Damit sind wir schon beim ersten großen Schwachpunkt: Es gibt keine Geschichte, kein roter Faden zieht sich durch das Abenteuer, nur eine nicht enden wollende rote Blutspur, auf der Schneewittchen durch die sehr repetitiven und anspruchslosen Level gleitet. Überhaupt scheint in Taleville virtueller Massenmord die Lösung für alle Probleme zu sein. Egal ob des Kaisers Kleider zu besorgen sind, der Nachwuchs des Dorfes entführt wird oder ein Biber die Einwohner terrorisiert, immer springt und metzelt sich Schneewittchen durch die äußerst linearen Level. Immer reiht sich eine kurze Sprungpassage an eine Massenschlägerei. Dabei stirbt man unzählige Tode. Das ist nicht weiter tragisch, da man sowieso eine unendliche Anzahl an Leben hat. Einzig die eingesammelten Edelsteine werden weniger. 


Schuld am virtuellen Ableben sind aber weniger die Gegnerscharen, sondern vielmehr die sehr schwammige Steuerung gepaart mit einer unvorteilhaften Kameraführung. Nicht nur einmal ertappt man sich beim Versuch mit dem linken Stick am Controller die Kamera justieren zu wollen. Leider präsentiert sich das Spielgeschehen durch die automatische Kameraführung häufig aus ungünstigem Betrachtungswinkel. Mal erlebt man das blutige Geschehen hautnah, mal derart entfernt, dass der Schatten Schneewittchens verblasst. Das birgt vor allem bei Sprungpassagen einiges an Frustpotential, denn ohne Schatten verkommen Abgründe mit sich bewegenden Plattformen zu reinem Glücksspiel.


fairytale_fights_3 (c) Playlogic / Zum Vergrößern auf das Bild klickenWenn es blutet kann man es auch töten

Das Prügelsystem ist leicht erlernt und auch leicht gemeistert. Der rechte Stick startet die verschiedenen Angriffe. Diese Art der Steuerung geht flüssig von der Hand, nervt nach einigen Spielstunden jedoch aufgrund der Ineffizienz. Wirkungslose Taktiken gegen Hundertscharen von Holzfällern, Wölfen und Pfefferkuchenmännchen gibt es nicht. Frei nach dem Motto "Feuer mit Feuer" bekämpfen, wird Böses mit noch Böserem bekämpft. Schneewittchen hat zwar die Möglichkeit feindliche Angriffe zu blocken, notwendig ist das aber eher selten, denn gezielte Angriffe auf einzelne Gegner sind im allgemeinen Gewusel kaum möglich. Schneewittchen ist nicht zu halten und schneidet sich butterweich durch die Gegner. Kübelweise Blut wird vergossen, vor allem kleine Mäuse sind wandelnde Blutkonserven. Am Weg zum Levelausgang färbt sich die saftig grüne Märchenwelt in eine dunkelrote Blutwiese durchzogen von kleinen Pfefferkuchenhäufchen. Kein Wunder, dass Schneewittchen immer wieder manisch auflacht und wohl schon selbst an ihren noblen Absichten zu zweifeln beginnt.


Waffen gibt es in vielen Varianten. An die 140 verschiedene Waffen können gefunden und benutzt werden. Unterschieden wird zwischen stumpfen und scharfen Waffen und einigen Fernkampfwaffen. Die Wahl des Folterinstruments ist eine Frage des persönlichen Geschmacks. Im Repertoire befinden sich sowohl klassische Äxte, Baseballschläger und Knüppel als auch Mäuse, Waffeleisen, Riesenlollies und Biber am Spieß. Den Wolf mit Rotkäppchens Korb zu vermöbeln hat zweifelsohne Stil. Hat man sich erfolgreich durch ein Level geprügelt, wartet am Ende des Kapitels ein Endgegner. Diese treten zum Beispiel in Form von Geppetto, der einen verrückten Pinocchio steuert, des Rattenfängers von Hameln, der die entführten Kinder im Hochofen braten möchte oder als die siamesische Frankensteinversion von Hänsel und Gretel auf.


fairytale_fights_4 (c) Playlogic / Zum Vergrößern auf das Bild klickenMit Freunden machts gleich viel mehr Spaß

Am unterhaltsamsten ist "Fairytale Fights" im Multiplayermodus mit bis zu drei weiteren Freunden. Hier kann sowohl der Questmodus unsicher gemacht werden als auch der eigens für Multiplayer erdachte Arenamodus. Die Spieler versuchen sich in verschiedenen Arenen mit allerlei Haudraufgegenständen gegenseitig das Leben zu nehmen. Es gewinnt, wer zuerst eine gewisse Anzahl an Gegnern geopfert hat. Diese Art des fröhlichen Beisammenseins weiß durchaus mehrere Stunden zu unterhalten.


Fazit: "Fairytale Fights" bietet eine interessante Idee, deren Potential verschenkt wurde. Trotz des schönen Grafikdesigns hat man nach kurzer Spielzeit eigentlich alles erlebt und keinen wirklichen Grund nach Taleville zurückzukehren. Eine Überarbeitung der Kamera und Steuerung sowie echte Quests hätten einen kleinen Überraschungstitel bringen können. Übrig bleibt eine großteils langweilige Spielerfahrung, die man sich angesichts des starken Softwareangebots der Weihnachtssaison getrost sparen kann.

# # # Andreas Himmetzberger # # #

Grafik: 5/10
Sound: 4/10
Steuerung: 4/10
Spielspaß: 5/10
Gesamt: 4,5/10

Entwickler/Publisher: Playlogic




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