Navi Logo von SLAM alternative music magazine
Promo für aktuelles SLAM Heft
SLAM #143 mit Interviews und Storys zu SHYFRIN ALLIANCE +++ PRIMITIVE MAN +++ HECKSPOILER +++ THE BUTCHER SISTERS +++ AGNOSTIC FRONT +++ MEGADETH +++ GLUECIFER +++ DANKO JONES +++ KREATOR +++ VERRAT +++ u.v.m. +++ Jetzt am Kiosk!

Game-Review: Fairytale Fights (Xbox 360, PS3, PC; getestet auf Xbox 360)

"Es war einmal, vor langer Zeit…"
 
fairytale_fights_packshot (c) Playlogic / Zum Vergrößern auf das Bild klickenMit diesem Satz haben schon viele großartige Geschichten begonnen. Das haben sich wohl auch die Entwickler des Independent Studios Playlogic gedacht und sich der Grimm`schen Märchenwelt angenommen. "Fairytale Fights" ist eine chaotische Mischung aus Castle Crashers und Happy Tree Friends im Märchenambiente. Gespielt wird als einer von vier Charakteren; das verstoßene Rotkäppchen, das leicht verrückte Schneewittchen, der nackte und deshalb sehr zufriedene Kaiser und zu guter Letzt der unerschrockene Bohnenranken-Hans stehen zur Auswahl. Die Figuren haben ihren angestammten Platz in der Geschichte der Märchen verloren und sind in die Vergessenheit abgerutscht. Mit glorreichen Heldentaten wollen sie der verrückten Welt von Taleville zu neuem Glanz verhelfen und so ganz nebenbei die Identitätskrise überwinden.


fairytale_fights_1 (c) Playlogic / Zum Vergrößern auf das Bild klickenTaleville, die Hochburg der Verrückten

Nach einer kurzen Vorstellungsrunde der Hauptcharaktere befindet man sich im kleinen Örtchen Taleville, welches gleichzeitig als Menü fungiert. Sofort fällt einem die liebevoll gestaltete Umgebung auf. Da sitzen die neben den Rayman Raving Rabbits wohl witzigsten Hasen der Videospielgeschichte auf einer Wiese um sich die virtuelle Sonne auf den Bauch scheinen zu lassen, die an grünes Marzipan erinnernden Bäume wiegen sich leicht hin und her, Gebäude stehen jeder Statikberechnung zum Trotz am Rand des Waldes und ein Riese lehnt am fernen Horizont entspannt an einem Berg. Der wohl bewusst einfach gehaltene Grafikstil ist durchaus ansprechend und unterstreicht die großen Ambitionen. Auch die Animationen der einzelnen Helden und Gegner sind einfach aber sympathisch und verraten viel über die jeweilige "Persönlichkeit". Es ist einfach herzerwärmend anzusehen, wenn Rotkäppchen mit zu Flugzeugtragflächen ausgebreiteten Armen im Kreis läuft.


fairytale_fights_2 (c) Playlogic / Zum Vergrößern auf das Bild klickenStrg-C und Strg-V ergeben selten gutes Leveldesign

Der gesamte Questmode ist in Kapitel unterteilt. Zu Beginn jedes Kapitels erklärt ein oberschlaues, in der Luft schwebendes Buch die Situation. Das ist zwar amüsant, für den folgenden Spielverlauf jedoch unwichtig. Damit sind wir schon beim ersten großen Schwachpunkt: Es gibt keine Geschichte, kein roter Faden zieht sich durch das Abenteuer, nur eine nicht enden wollende rote Blutspur, auf der Schneewittchen durch die sehr repetitiven und anspruchslosen Level gleitet. Überhaupt scheint in Taleville virtueller Massenmord die Lösung für alle Probleme zu sein. Egal ob des Kaisers Kleider zu besorgen sind, der Nachwuchs des Dorfes entführt wird oder ein Biber die Einwohner terrorisiert, immer springt und metzelt sich Schneewittchen durch die äußerst linearen Level. Immer reiht sich eine kurze Sprungpassage an eine Massenschlägerei. Dabei stirbt man unzählige Tode. Das ist nicht weiter tragisch, da man sowieso eine unendliche Anzahl an Leben hat. Einzig die eingesammelten Edelsteine werden weniger. 


Schuld am virtuellen Ableben sind aber weniger die Gegnerscharen, sondern vielmehr die sehr schwammige Steuerung gepaart mit einer unvorteilhaften Kameraführung. Nicht nur einmal ertappt man sich beim Versuch mit dem linken Stick am Controller die Kamera justieren zu wollen. Leider präsentiert sich das Spielgeschehen durch die automatische Kameraführung häufig aus ungünstigem Betrachtungswinkel. Mal erlebt man das blutige Geschehen hautnah, mal derart entfernt, dass der Schatten Schneewittchens verblasst. Das birgt vor allem bei Sprungpassagen einiges an Frustpotential, denn ohne Schatten verkommen Abgründe mit sich bewegenden Plattformen zu reinem Glücksspiel.


fairytale_fights_3 (c) Playlogic / Zum Vergrößern auf das Bild klickenWenn es blutet kann man es auch töten

Das Prügelsystem ist leicht erlernt und auch leicht gemeistert. Der rechte Stick startet die verschiedenen Angriffe. Diese Art der Steuerung geht flüssig von der Hand, nervt nach einigen Spielstunden jedoch aufgrund der Ineffizienz. Wirkungslose Taktiken gegen Hundertscharen von Holzfällern, Wölfen und Pfefferkuchenmännchen gibt es nicht. Frei nach dem Motto "Feuer mit Feuer" bekämpfen, wird Böses mit noch Böserem bekämpft. Schneewittchen hat zwar die Möglichkeit feindliche Angriffe zu blocken, notwendig ist das aber eher selten, denn gezielte Angriffe auf einzelne Gegner sind im allgemeinen Gewusel kaum möglich. Schneewittchen ist nicht zu halten und schneidet sich butterweich durch die Gegner. Kübelweise Blut wird vergossen, vor allem kleine Mäuse sind wandelnde Blutkonserven. Am Weg zum Levelausgang färbt sich die saftig grüne Märchenwelt in eine dunkelrote Blutwiese durchzogen von kleinen Pfefferkuchenhäufchen. Kein Wunder, dass Schneewittchen immer wieder manisch auflacht und wohl schon selbst an ihren noblen Absichten zu zweifeln beginnt.


Waffen gibt es in vielen Varianten. An die 140 verschiedene Waffen können gefunden und benutzt werden. Unterschieden wird zwischen stumpfen und scharfen Waffen und einigen Fernkampfwaffen. Die Wahl des Folterinstruments ist eine Frage des persönlichen Geschmacks. Im Repertoire befinden sich sowohl klassische Äxte, Baseballschläger und Knüppel als auch Mäuse, Waffeleisen, Riesenlollies und Biber am Spieß. Den Wolf mit Rotkäppchens Korb zu vermöbeln hat zweifelsohne Stil. Hat man sich erfolgreich durch ein Level geprügelt, wartet am Ende des Kapitels ein Endgegner. Diese treten zum Beispiel in Form von Geppetto, der einen verrückten Pinocchio steuert, des Rattenfängers von Hameln, der die entführten Kinder im Hochofen braten möchte oder als die siamesische Frankensteinversion von Hänsel und Gretel auf.


fairytale_fights_4 (c) Playlogic / Zum Vergrößern auf das Bild klickenMit Freunden machts gleich viel mehr Spaß

Am unterhaltsamsten ist "Fairytale Fights" im Multiplayermodus mit bis zu drei weiteren Freunden. Hier kann sowohl der Questmodus unsicher gemacht werden als auch der eigens für Multiplayer erdachte Arenamodus. Die Spieler versuchen sich in verschiedenen Arenen mit allerlei Haudraufgegenständen gegenseitig das Leben zu nehmen. Es gewinnt, wer zuerst eine gewisse Anzahl an Gegnern geopfert hat. Diese Art des fröhlichen Beisammenseins weiß durchaus mehrere Stunden zu unterhalten.


Fazit: "Fairytale Fights" bietet eine interessante Idee, deren Potential verschenkt wurde. Trotz des schönen Grafikdesigns hat man nach kurzer Spielzeit eigentlich alles erlebt und keinen wirklichen Grund nach Taleville zurückzukehren. Eine Überarbeitung der Kamera und Steuerung sowie echte Quests hätten einen kleinen Überraschungstitel bringen können. Übrig bleibt eine großteils langweilige Spielerfahrung, die man sich angesichts des starken Softwareangebots der Weihnachtssaison getrost sparen kann.

# # # Andreas Himmetzberger # # #

Grafik: 5/10
Sound: 4/10
Steuerung: 4/10
Spielspaß: 5/10
Gesamt: 4,5/10

Entwickler/Publisher: Playlogic




************************************************************************

JETZT IM HANDEL:

SLAM #143
  Ab 19.12.2025 am Kioskdirekt im Webshop oder im Abo!

ROCK CLASSICS #44: IRON MAIDEN
Ab 12.12.2025 am Kiosk, direkt im Webshop oder in unserem Amazon-Shop!

SLAM @ Facebook - LIKEN und immer topinformiert sein!

************************************************************************

SLAM #143 & ROCK CLASSICS #44: IRON MAIDEN© SLAM Media

Diesen Artikel teilen
Teilen
"AION" verspricht packende Flugkämpfe mit zeitgemäßer Grafik. Was in koreanischen Online-Gefilden bereits seit über einem Jahr möglich ist, gibt’s nun seit Ende September 2009 auch in Europa zu bestaunen. Zeit für einen "beschwingten" Rückblick.
Die beliebte Eroberungs-Aufbau-Simulation geht auf Nintendos weißem Wunderkasten in die nächste Runde. Kann ein derartiges Spiel auch mit dem ungewöhnlichen Steuerungskonzept von Wii bestehen und richtig Spaß machen? Die Antwort: Aber sicher doch!
Salem aleikum, Fremder. Auf geht’s auf eine epochale Reise vom finsteren Mittelalter in den sonnigen Orient. Prächtig in Szene gesetzt und passend musikalisch untermalt schiffen wir uns ein.
Als "Assassin’s Creed" 2007/2008 aus der Taufe gehoben wurde, geschah dies nicht ohne Geburtswehen. Ansehnliche Verpackung, wenig Inhalt, so die damalige Kritik durch die Bank. Hat Ubisoft aus den alten Fehlern gelernt?
Nicht nur auf der PS3, auch auf der Xbox 360 führt in der diesjährigen Vorweihnachtszeit kein Weg an "Assassin’s Creed 2" vorbei. Blockbuster-Gaming!
Kann das Spielprinzip der Sammelkarten mit Echtzeitstrategie harmonieren? Gelingt mit "Battleforge" die Umsetzung einer originellen Spielidee?
Der Zweite Weltkrieg wie ihr ihn selten erlebt habt! So lässt sich "Battlestations Pacific" wohl am Besten beschreiben.
Oh, yeah! Mike Patton hat wieder synchronisieren dürfen: Und zwar die Fortsetzung eines über 20 Jahre alten Spieleklassikers: "Bionic Commando"!
Eine düstere Story und viele Rätsel erwarten euch mit "Black Mirror 2"!
"Lass uns doch darüber reden" war gestern! Jetzt wird zurückgeschlagen!
Ob Teil Zwei der Koop zwischen Regie-Legende Steven Spielberg und dem Videospiel-Riesen Electronic Arts da anschließen kann wo Teil eins aufgehört hat?
Dank der Entscheidung für den aus "XIII" bekannten Cel-Shading Look, sage und schreibe 3.166.880 unterschiedlicher Waffen und für das Endzeit-Szenario á la "Mad Max" konnte "Borderlands" im Vorfeld des Releases bereits einige Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Kann das Action-Rollenspiel den Vorschusslorbeeren gerecht werden und sich mit der Genre-Referenz "Fallout 3" messen?
This is not the greatest review in the Wo-ho-ho-rld - this is just a Tribute!
Endlich können die Straßen von "Paradise City" auch auf dem Rechenknecht zum Glühen gebracht werden.
Der Familienspaß ist zurück.
Besser, lauter, schneller! "Moderne Kriegsführung" auf Hollywood-Blockbuster Niveau. Erfüllt "Call of Duty: Modern Warfare 2" die überirdischen Erwartungen des Vorgängers und die Ansagen des bewusst geschürten Mega-Hypes?